Darum gehts
Franz Rindlisbacher (76) hat sich schon auf ein saftiges Steak vom Grill gefreut. Doch der bei Teleshop bestellte elektronische Tischgrill mit integriertem Rauchabzug ist nie bei ihm eingetroffen. Seit Ende April wartet er auf seine Lieferung – die offizielle Lieferfrist beträgt drei bis vier Tage.
Der Rentner aus Köniz BE war selbstständiger Bauunternehmer und lebt von einer kleinen Rente: «Die 150 Franken tun mir weh.» Dasitzen und auf eine verspätete Lieferung hoffen, ist nicht so sein Ding. Er beginnt, zu recherchieren, versucht, die auf der Homepage angegebene Telefonnummer zu erreichen: «Entweder war es besetzt – oder die Anrufe gingen ins Leere.»
Kein Hinweis auf der Website
Rindlisbacher ist ein erfahrener TV-Shopper, er hat schon oft Produkte vom Sofa aus bestellt. Deshalb ist für den Blick-Leser schnell klar: Hier stimmt was nicht. Tatsächlich: Die Firma hinter Teleshop, die TLC Trading GmbH in Brütten ZH, ist gemäss Google «dauerhaft geschlossen». Allerdings ist auf teleshop.ch darüber nichts zu lesen. Noch immer können Produkte bestellt werden, obwohl die Lieferung alles andere als sicher ist.
«Diesen Leuten muss man das Handwerk legen», sagt Rindlisbacher erbost. Sein Motiv: «Ich möchte andere warnen, damit sie nicht die gleiche schlechte Erfahrung machen wie ich.»
Schuld auf Mediashop geschoben
Blick konfrontiert die TLC Trading GmbH mit zahlreichen Fragen, unter anderem auch wegen eines möglichen Konkurses der Firma – was die Lieferschwierigkeiten erklären könnte. «Die TLC Trading GmbH befindet sich nicht im Konkurs, jedoch sind wir gezwungen, uns geschäftlich neu auszurichten», schreibt Geschäftsführer Christian Leitner zurück.
Der Hintergrund: Im Februar ist die österreichische Firma Mediashop – eine der wichtigsten Anbieterinnen in den TV-Shoppingkanälen – pleitegegangen. Ein Beben mit Erschütterungen bis in die Schweiz: «Mediashop war jahrelang unser wichtigster Lieferant. Durch den Konkurs von Mediashop haben wir die wichtigste Bezugsquelle für unsere vertriebenen Produkte verloren», so Leitner.
Nur: Darüber hätte man die Kunden ja informieren können. Dass die TLC Trading von ihrem Hauptlieferanten im Stich gelassen wurde, klingt eher nach einer Ausrede. «Wir wurden von Mediashop in keiner Weise informiert und sind davon ausgegangen, die bestellten Produkte noch liefern zu können.»
Aus der Zeit gefallen
TV-Shopping ist ein Auslaufmodell. In den USA steckt der Gigant QVC tief in der Krise und sitzt auf einem riesigen Schuldenberg. «Die TV-Shopping-Firmen haben ein Formatproblem, sie setzen alles auf einen Kanal», sagt Alexandra Scherrer (34), Geschäftsführerin und Mitinhaberin der Beratungsfirma Carpathia. Die Konkurrenz ist gross, die Zuschauerzahlen sind rückläufig. «Für sogenannte Impulskäufe lassen sich die Menschen immer mehr von Social Media beeinflussen, wo viele Influencer für Produkte werben», erklärt Scherrer.
Zudem hat sich auch die Stammkundschaft der TV-Shopping-Kanäle weiterentwickelt: «Ältere Menschen sind seit Corona viel offener gegenüber dem reinen Onlineshopping, und sie sind schlauer und kritischer geworden», sagt Scherrer. Vom Dauergeschwurbel irgendwelcher Moderatoren und TV-Sternchen lassen sich offenbar immer weniger Kunden und Kundinnen zu einem Kauf überreden.
Auch wenn sich in Österreich eine Lösung für die Mediashop abzeichnet, ist völlig offen, wie es in der Schweiz weitergeht. «Selbstverständlich werden wir allen Kunden, welche keine Ware erhalten, das Geld zurückerstatten», verspricht Leitner. Bei Franz Rindlisbacher ist bis heute allerdings kein Geld eingetroffen.