Neue Dropshipping-Falle
Luzerner Fake-Shop wirbt mit Kapellbrücke

Der Onlineladen verkauft Kleidung mit «Schweizer Seele», die Pakete sind aus Hongkong. Der Konsumentenschutz warnt vor einem neuen Dropshipping-Shop aus Luzern. Der Beobachter zeigt, welche Warnzeichen es gibt.
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Der Onlineshop Stucki Luzern suggeriert lokale Verankerung. Käufer bleiben auf teuren Kosten für Retouren nach Hongkong sitzen.
Foto: Screenshot stucki-luzern.ch, Freepik - Montage: Beobachter

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Stucki Luzern wirbt mit Schweizer Image, liefert aber Ware aus China
  • Über 60 Prozent der Trustpilot-Bewertungen sind vernichtend
  • Offizieller Firmensitz ist in Oftringen, nicht Luzern
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Lena Berger
Beobachter

Der Mann stupst die Frau sanft mit der Nase an. Beide lächeln. Gleich werden sie sich küssen. Vor dem Wasserturm, dem Wahrzeichen der Stadt Luzern. Romantischer geht es nicht.

Doch Moment! Warum stehen die beiden auf einer Wiese, wo da doch das Kopfsteinpflaster der Altstadt zu sehen sein müsste? Nun, weil dieser Onlineshop mit einem Bild wirbt, das von künstlicher Intelligenz generiert wurde. Und das ist nicht das Einzige, was hier nicht stimmt.

Artikel aus dem «Beobachter»

Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.

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Stucki Luzern heisst der Laden. «Wo Stil Zuhause ist», ist sein Slogan. «Mode, die Wärme, Eleganz und Schweizer Seele vereint», lautet das Versprechen.

Doch wer hier bestellt, erhält keine Schweizer Qualitätskleider, sondern Massenware aus Fernost.

Warum der Konsumentenschutz warnt

Der Schweizer Konsumentenschutz listet den Anbieter auf seiner Warnliste für problematische Dropshipping-Shops auf. Bei diesem Geschäftsmodell lagert der Verkäufer die Ware nicht selbst, sondern leitet die Bestellungen direkt an Dritthändler weiter, die die Pakete verschicken. Stucki Luzern taucht in der Liste auf, weil er gezielt eine lokale Verankerung suggeriert, es aber zahlreiche Meldungen gab, dass der Versand in Tat und Wahrheit direkt über Händler in China abgewickelt wird.

Auf dem Bewertungsportal Trustpilot fallen über 60 Prozent der Rezensionen vernichtend aus. «Chinaware mit Schweizer Preisen», warnt ein enttäuschter Kunde. Auch die Lieferzeiten und Retourenbedingungen sorgten bei ihm für massiven Ärger: «Ich warte schon gut zwei Wochen, und die Paketverfolgung zeigt eindeutig ‹Abflug aus China›.»

Ein weiterer Nutzer kritisiert das Problem mit den Rückerstattungen: «Trotz der CH-Adresse können Produkte, die nicht passen, nur nach Hongkong zurückgeschickt werden.»

Oftringen statt Luzern

Die Ortsangabe Luzern entpuppt sich bei genauerer Betrachtung der Website als Fassade. Der offizielle Sitz der Firma befindet sich in einem Wohnhaus im aargauischen Oftringen. Von dort aus steuert der Inhaber das Geschäft. 

Sein auf Google gelistetes Linkedin-Profil und der Eintrag auf der Wirtschaftsplattform Moneyhouse führen ins Leere. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Dropshipping-Shops steht immerhin ein Name im Impressum. Und der Mann – der nicht Stucki heisst – stellt sich der Kritik.

«Stucki Luzern» sei lediglich ein Markenname, der nicht als Hinweis auf ein stationäres Geschäft zu verstehen sei, schreibt er dem Beobachter. Die Adresse in Oftringen sei der offizielle Firmensitz. Er räumt ein, mit internationalen Logistikpartnern zusammenzuarbeiten, betont jedoch, dass Lieferzeiten kommuniziert würden und man nie eine ausschliesslich schweizerische Produktion zugesichert habe. «Wie in jedem Onlinehandel kommt es vereinzelt zu Reklamationen bezüglich Lieferzeiten, Grössen oder Produktqualität», schreibt der Betreiber. 

Den Verdacht, Bewertungen auf Trustpilot manipuliert zu haben – auffällig sind rund 30 Prozent Bestnoten bei 60 Prozent massiver Kritik –, weist der Shopbetreiber entschieden zurück. Positive wie negative Bewertungen seien das Resultat realer Erfahrungen.

So kannst du dich vor der Dropshipping-Falle schützen

Wie lässt sich erkennen, ob ein Shop echte Schweizer Qualität liefert oder ob er der Kundschaft – wie mit dem Rasenbild am Luzerner Wasserturm – etwas vorgaukelt? 

  • Impressum prüfen: Suche gezielt nach einer vollständigen Adresse und Telefonnummer. Fehlen diese oder wirken sie unplausibel, ist Skepsis angebracht.
  • AGB und Rücksendung checken: Wenn Waren auf eigene Kosten nach China retourniert werden müssen, übersteigen die Portokosten oft den Warenwert.
  • Bildersuche nutzen: Lade Produktfotos bei der Google-Bildersuche hoch. Finden sich die Bilder identisch auf Billigplattformen wie Temu oder Aliexpress, handelt es sich meist um Dropshipping zu stark überhöhten Preisen.
  • Sicher bezahlen: Kaufe nichts gegen Vorkasse, wenn du den Shop nicht kennst.
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