Darum gehts
- Konsumentenschutz geht gegen 96 illegale Dropshipping-Shops aus mehreren Ländern vor
- Mindestens 61 Shops gehören vier Firmen in der Schweiz, den Niederlanden, Polen, und den VAE
- 8000 Werbeanzeigen, bereits drei Strafbefehle gegen Betreiber erlassen
Es ist schnell passiert, wenn man nicht auf der Hut ist! Beim Surfen im Internet findet man das T-Shirt, das man schon lange sucht. Die Homepage erscheint seriös und hat eine Schweizer Domain – und schon ist das begehrte Kleidungsstück bestellt. Die Ware kommt dann aber direkt aus China, qualitativ entspricht sie nicht den Versprechungen und ist erst noch massiv überteuert. Reklamieren bringt nichts, eine Kontaktadresse gibt es nicht. Und vor allem: Das Geld ist futsch. Selbst das Porto für eine Rücksendung ist hinausgeworfenes Geld.
Diese sogenannten Dropshipping-Shops, die vor allem in den sozialen Medien aggressiv um zahlungskräftige Kundschaft buhlen, sind dem Konsumentenschutz ein Dorn im Auge. Er führt eine schwarze Liste mit entsprechenden Homepages. Und geht jetzt auch juristisch gegen illegale Dropshipping-Shops vor, die sich als schweizerische Ladengeschäfte tarnen und Konsumentinnen und Konsumenten mit Ramschware in die Falle locken. Recherchen der Stiftung für Konsumentenschutz zeigen: Hinter vielen dubiosen Online-Shops steckt ein professionell organisiertes Netzwerk. Und dem soll es jetzt an den Kragen gehen.
Aus Polen und den Niederlanden
Die Recherchen zeigen das wahre Ausmass des Problems: Mindestens 61 Dropshipping-Shops lassen sich vier Unternehmen zuordnen. Sie haben ihren Sitz in der Schweiz, den Niederlanden, Polen und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Insgesamt identifizierten die Konsumentenschützer sogar 96 Homepages. Auf Social Media wurden über 8000 Werbeanzeigen geschaltet, um möglichst viele Käufer anzulocken.
«Unsere Auswertung zeigt, dass viele Dropshipping-Shops nicht etwa einzelne, von Privatpersonen betriebene Websites sind. Dahinter steckt ein zunehmend professionell organisiertes Netzwerk von Betrügerinnen und Betrügern», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Konsumentenschutzes. Besonders perfide: Die Betreiber agieren extrem flexibel. Shops werden innert Stunden offline genommen und unter neuen Domains wieder hochgezogen. Teilweise werden die professionell gestalteten Seiten sogar weiterverkauft – ein lukratives Geschäft im Hintergrund.
Drei Strafbefehle erlassen
Doch der Druck wächst. «Wir haben 17 angeblich ‹schweizerische› Online-Shops abgemahnt, die gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstossen. Acht uneinsichtige Betreiber haben wir angezeigt», sagt Sara Stalder. Das hat Folgen: Nach den Strafanzeigen wurden bereits drei Strafbefehle gegen Verantwortliche erlassen, fünf weitere Verfahren laufen noch. Illegale Dropshipping-Shops verstossen gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG).