Darum gehts
- Trump will 25 Prozent Strafzölle auf Iran-Geschäfte weltweit einführen
- Schweiz exportierte 2024 Güter im Wert von 212 Millionen Franken
- Iranische Inflationsraten liegen zwischen 30 und 40 Prozent jährlich
Donald Trump (79) hat wieder einmal seinen berüchtigten Zollhammer ausgepackt: Am späten Montag kündigte er Strafzölle von 25 Prozent auf alle Länder an, die Geschäfte mit dem Iran machen. Damit will der US-Präsident maximalen Druck auf das iranische Regime ausüben. Ob die neuen Strafzölle auch für die Schweiz gelten, ist derzeit unklar.
Klar ist: Die Schweiz hat noch bis Ende März Zeit, den finalen Zoll-Deal mit den USA auszuhandeln und wird sich hüten, die US-Administration unnötig gegen sich aufzubringen.
Pharma- und Chemiebranche an der Spitze
Trump spricht auf seinem Kurznachrichtenportal Truth Social von «allen Waren». Die Schweiz exportiert derzeit in erster Linie Güter aus den Bereichen Pharma, Medizinaltechnik, Präzisionsinstrumente, Uhren, Maschinen und Landwirtschaftsprodukte in den Iran. 2024 belief sich das Volumen gemäss Staatssekretariat für Wirtschaft auf 212 Millionen Franken. Die Importe fielen mit rund 17 Millionen verschwindend klein aus und entfallen vorwiegend auf den Landwirtschafts- und den Textilbereich. Zum Dienstleistungssektor sind keine Zahlen bekannt.
Zum Vergleich: Die Zahlen zum Export aus Deutschland in den Iran bewegen sich in etwa auf Schweizer Niveau. Der grosse Nachbar importierte 2024 jedoch Waren im Wert von 1,3 Milliarden Euro aus dem Iran.
Schweizer Firmen haben sich zurückgezogen
Die Schweiz betreibt seit vielen Jahren Handel mit dem Iran. Der hiesige Aussenhandel mit dem Gottesstaat ist in den letzten zehn Jahren aber aufgrund der mehrfach verschärften Sanktionen massiv eingebrochen. Die meisten Schweizer Firmen und Banken haben sich aus dem iranischen Markt zurückgezogen, schreibt das Seco im aktuellsten Iran-Bulletin.
Die EU straft den Iran für seine schweren Menschenrechtsverletzungen und auch für seine Militärhilfe für Russland ab. Die USA wollen mit den Sanktionen verhindern, dass der Iran Atomwaffen entwickelt und Terrorismusorganisationen finanziert.
Der Bundesrat übernimmt nicht alle Sanktionen der EU und der USA. Dies wird mit der neutralen Vermittlerrolle der Schweiz im Iran begründet. So werden die Interessen der Amerikaner im Iran durch die Schweizer Botschaft vertreten. Die Schweizer Behörden haben die Sanktionen aber zuletzt Ende 2025 deutlich verschärft.
Heikle Dual-Use-Güter
Verboten sind neben Maschinen für die Erdölindustrie insbesondere Dual-Use-Güter, also Produkte, die auch zu Kriegszwecken umgenutzt werden können. Der Iran importiert solche Güter jedoch verdeckt über Dritte, wie der US-Nachrichtensender CNN 2023 publik machte. So landeten aus mehreren westlichen Ländern Komponenten, die in Kriegsdrohnen verbaut wurden, im Iran – unter anderem auch aus der Schweiz.
Die westlichen Sanktionen treffen den Iran hart. Die humanitäre Situation im Land ist äusserst kritisch: Die Bevölkerung erlebt eine schwere Wirtschaftskrise, die am Ursprung der derzeitigen Massenproteste steht. Die jährlichen Inflationsraten liegen zwischen 30 und 40 Prozent. Je nach Schätzungen leben mehr als die Hälfte der Bewohner unter der Armutsgrenze.
Dank dem Swiss Humanitarian Trade Arrangement bestand für die Schweiz beim Export von humanitären Gütern in den Iran bis anhin Rechtssicherheit, ohne US-Sekundärsanktionen befürchten zu müssen. Mit Trump im Weissen Haus könnte sich das nun ändern.