Darum gehts
«Das Handwerk hat goldenen Boden»: So lautet das bekannte Sprichwort. Dennoch sind die Zahlen von Lehrabschlüssen bei Coiffeuren und Coiffeusen in den vergangenen Jahren rückläufig.
Doch während die Branche über Nachwuchsmangel klagt, kann sich der Zürcher Coiffeur-Betreiber Andrew Tresch (39) vor Bewerbungen kaum retten, wie er beim Empfang von Blick in seiner Filiale beim Hauptbahnhof Zürich erzählt.
Der Coiffeurbranche geht der Nachwuchs aus. Während 2020 noch 1015 Lehrlinge ihre Coiffeurlehre abschlossen, waren es drei Jahre später lediglich noch 780. Neuere Zahlen gibt es nicht. Gleichzeitig sind die Ausstiegsquoten mit fast 40 Prozent extrem hoch. Dass die Ausbildung zum Coiffeur und zur Coiffeuse EFZ auf immer weniger Interesse stösst, zeigen auch Zahlen des Stellenportals Yousty. Dort liegt der Beruf nur auf Platz 29 bei den Suchanfragen von Lernenden. Ein Grund für den Nachwuchsmangel dürfte der geringe Lohn sein. So verdient man als lernende Coiffeuse im 1. Lehrjahr zwischen 390 und 700 Franken im Monat, im 2. Lehrjahr zwischen 510 und 800 Franken und im 3. Lehrjahr zwischen 680 und 1000 Franken. Nach der Ausbildung liegt der Lohn dann im Schnitt zwischen 3800 und 4000 Franken. Aufs Image der Lehre geschlagen hat offenbar auch, dass der Coiffeur-Nachwuchs vielerorts als billige Assistenz eingesetzt wurde.
Der Coiffeurbranche geht der Nachwuchs aus. Während 2020 noch 1015 Lehrlinge ihre Coiffeurlehre abschlossen, waren es drei Jahre später lediglich noch 780. Neuere Zahlen gibt es nicht. Gleichzeitig sind die Ausstiegsquoten mit fast 40 Prozent extrem hoch. Dass die Ausbildung zum Coiffeur und zur Coiffeuse EFZ auf immer weniger Interesse stösst, zeigen auch Zahlen des Stellenportals Yousty. Dort liegt der Beruf nur auf Platz 29 bei den Suchanfragen von Lernenden. Ein Grund für den Nachwuchsmangel dürfte der geringe Lohn sein. So verdient man als lernende Coiffeuse im 1. Lehrjahr zwischen 390 und 700 Franken im Monat, im 2. Lehrjahr zwischen 510 und 800 Franken und im 3. Lehrjahr zwischen 680 und 1000 Franken. Nach der Ausbildung liegt der Lohn dann im Schnitt zwischen 3800 und 4000 Franken. Aufs Image der Lehre geschlagen hat offenbar auch, dass der Coiffeur-Nachwuchs vielerorts als billige Assistenz eingesetzt wurde.
Die Branche ist tot, es lebe die Branche
Dem Zürcher rennen die Bewerberinnen – und Bewerber! – die Türen ein. «180 Bewerbungen auf acht Stellen haben wir alleine in diesem Jahr erhalten», sagt er.
Tresch studierte an der Universität Zürich Betriebsökonomie und steht daher nicht selbst mit Schere und Föhn im Salon. Er kümmert sich gemeinsam mit seiner Schwester Jennifer um die Geschäftsführung.
Insgesamt vier Filialen unter den Marken André Joe Coiffeure und McCoiffure leiten die Geschwister bereits in zweiter Generation gemeinsam. Etwa 130 Kundinnen und Kunden werden hier pro Tag frisiert. Damit er diese Zahl auch in Zukunft bewältigen kann, legt der Geschäftsführer besonderen Wert auf die Ausbildung eigener Lernender, wie er sagt.
Änderungen des Ausbildungskonzepts
Statt auf bessere Bewerber zu warten, entschied sich Tresch nach der Coronakrise dazu, bei der Ausbildung seiner Lernenden neue Wege einzuschlagen. «Wir wollten dem Trend nicht weiter zuschauen», sagt er.
Seither bietet er seinen Lernenden jährlich die Möglichkeit zu externen Weiterbildungen, die vom Betrieb gezahlt werden. Dazu zählen Kurse, «wie man das Telefon professionell abnimmt, aber auch fachliche Kurse», erklärt Tresch.
Dass sich diese auszahlen, kann Lara Mendes (20) bestätigen. Die Coiffeuse schloss in diesem Jahr ihre Ausbildung ab und arbeitet seither als Festangestellte im Betrieb. Sie habe nicht nur von den fachlichen Kursen profitiert, sondern auch von Kursen rund um die Beratung von Kundinnen. «Am Anfang war ich noch sehr schüchtern, aber durch den Umgang mit Kunden konnte ich mich im sozialen Bereich weiterentwickeln», sagt Mendes zu Blick.
Doch nicht nur in die Förderung der Lernenden wird investiert. «Gemeinsam mit einem externen Partner haben wir für unsere Führungspersonen einen Workshop zum modernen Umgang mit der jüngeren Generation entwickelt», erklärt Tresch.
Bewerberanzahl fast verdreifacht
Dank des neuen Konzepts ist die Anzahl an Bewerbern um ein Vielfaches angestiegen. Vor der Anpassung erhielt er zwischen 40 und 50 Bewerbungen, in diesem Jahr mehr als dreimal so viele.
Von den Bewerberinnen und Bewerbern ist er mit 120 persönlich in Kontakt getreten. Die grössere Anzahl an Bewerbenden erhöhe zwar nicht zwangsläufig die Qualität, allerdings sei die Auswahl grösser, um passende Lernende zu finden, so Tresch.
Einladungen zum Schnuppertag
50 davon hat er schliesslich zu einem Schnuppertag eingeladen. Und auch hier geht er andere Wege. Er will die Schnuppernden noch mehr für den Beruf begeistern. Darum haben sie damit angefangen, die Mütter der Schnupperlernenden zu einem Gratisservice einzuladen. Dabei dürfen die Lernenden gleich mit Hand anlegen.
«Dies hat gleich einen doppelt positiven Effekt», so Tresch. Zum einen gehen die Lernenden nach Hause und sehen, was sie geschafft haben, und zum anderen wurde bereits ein Draht zwischen den Eltern und dem Betrieb hergestellt.
Ein guter Draht zu den Eltern ist für Tresch ohnehin sehr wichtig. «Während einer dreijährigen Lehre sitzen wir alle zusammen im gleichen Boot. Es sind nicht nur der Betrieb und der Lernende, es sind auch die Eltern.»
Noten sind kein Ausschlusskriterium
Während Wirtschaftsverbände sich zuletzt über einen «Sinkflug der Grundkompetenzen bei Schulabgängerinnen und Schulabgängern» beklagten, sind Schulnoten für Tresch bei der Auswahl der Lernenden nicht entscheidend. «Wir machen keine Vorauswahl nach Noten, wir wollen jedem Bewerber eine Chance geben. Für uns ist wichtig, dass wir das Potenzial eines Lehrlings erkennen.»
Dieses Potenzial habe er auch bei seiner ehemaligen Auszubildenden Lara Mendes erkannt. Sie schloss als Zweitbeste des Kantons Zürich ab. «Während ich in meiner Schulzeit in Deutsch und Mathe Schwierigkeiten hatte, lagen meine Stärken schon immer in handwerklichen Fächern», erzählt die 20-Jährige.
Genau dank Lernenden wie ihr habe sich Tresch vor fünf Jahren bewusst dazu entschieden, sein Ausbildungskonzept umzustellen und weiterhin Lernende auszubilden. Die Nachwuchsförderung sei schliesslich das, was seinen Betrieb ausmache, und darin lohne es sich, zu investieren.