Darum gehts
- In der Schweiz starten rund zwei Drittel der Jugendlichen eine Berufslehre
- In Genf sind es nur 15 Prozent, in Glarus 83 Prozent
- Umfrage: Oftmals ist es Unwissenheit, wenn sich Jugendliche gegen eine Berufslehre entscheiden
Die Schweiz gilt als Weltmeisterin, was die Berufsbildung betrifft. Die Berufsbildung gilt als wichtiges Fundament für den Einstieg in die Arbeitswelt – und die Wirtschaft ist dringend auf genügend Fachkräfte angewiesen.
Nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit steht Jugendlichen der Weg in die Allgemeinbildung (beispielsweise Gymnasium) oder in die Berufsbildung offen. Im Jahr 2024 entschieden sich rund zwei Drittel der Abgänger für die Berufsbildung – also eine Berufslehre in einem Lehrbetrieb oder eine vollschulische Berufsbildung. Das zeigen Zahlen des Bundesamts für Statistik.
Röstigraben bei Berufslehre
Schaut man sich den dualen Bildungsweg an, sind es schweizweit noch immer rund 60 Prozent der unter 20-Jährigen, die sich im ersten Ausbildungsjahr für die Berufslehre entscheiden. Doch die kantonalen Unterschiede sind riesig, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet.
So zeigt eine spezielle BFS-Auswertung einen richtiggehenden Röstigraben. Im Kanton Genf starteten im Schuljahr 2024/25 nur knapp 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler eine Berufslehre, im Kanton Waadt 35 Prozent. Weniger als die Hälfte sind es auch in Neuenburg (47 Prozent), Jura und Freiburg (je 49 Prozent), aber auch im Tessin (37 Prozent) und Basel-Stadt (45 Prozent).
Ganz anders in den Spitzenreiterkantonen: In Glarus starteten 83 Prozent eine Berufslehre, in Obwalden und Nidwalden je 78 Prozent. Aber auch in Zürich mit 70 Prozent und Bern mit 67 Prozent liegen die Werte über dem Durchschnitt.
Unwissen sorgt für tiefere Werte
Der Hauptgrund für die tieferen Werte in der Romandie sei oftmals Unwissen, wie eine GFS-Umfrage zeigt, die der Kanton Waadt in Auftrag gegeben hat. Jugendliche, die keine Lehre machten, hätten diese Option oft gar nie in Betracht gezogen.
«Es gibt grossen Bedarf bei der Aufklärungsarbeit», wird Susana Camarda, Leiterin des kantonalen Amts für Berufs- und Weiterbildung, im «Tages-Anzeiger» zitiert. «Viele Jugendliche kennen nur die gängigsten Berufslehren – wie das KV und die medizinische Praxisassistenz. Sie wissen nicht, welche Berufe ihnen offenstehen und zu ihnen passen würden.» Zudem würden viele Eltern befürchten, dass die Kinder später nicht gut verdienen würden.
Sowohl Genf als auch die Waadt versuchen, den Schulabgängern die Lehre schmackhafter zu machen. Letzterer Kanton etwa mit Videos auf Tiktok und Instagram, die Einblicke ins Berufsleben geben.