Darum gehts
- SNB-Präsident Schlegel belässt Leitzins bei 0 Prozent
- Experten erwarten Zinswende innerhalb der nächsten Monate
- Schlegel informiert um 10 Uhr via Medienkonferenz über seinen Entscheid
Negativzinsen sind vom Tisch
An den vergangenen Zinsentscheidungen der SNB waren die vieldebattierten Negativzinsen immer ein Thema. Kommen sie, kommen sie nicht? Diese Diskussion ist vom Tisch. Negativzinsen sind im jetzigen Umfeld nicht denkbar. Das zeigt sich auch an der Medienkonferenz. Das Wort war heute noch nicht zu hören.
«Gewisse Unschärfen möglich»
Beim letzten Leitzinsentscheid habe Schlegel die Inflation unterschätzt, bemerkt ein Journalist. Er ging von einer Teuerung von 0,6 Prozent aus, aktuell liegt sie mit 0,8 Prozent leicht darüber. Seine Frage lautet darum: Wie zuversichtlich ist Schlegel, dass seine jetzige Inflationsprognose zutrifft?
«Wie der Markt gehen auch wir davon aus, dass sich die Energiepreise im nächsten Jahr wieder zurückbilden werden», gibt sich Schlegel zuversichtlich. Dann nehme eben auch der negative Einfluss auf die Inflation über die Zeit ab.
Und: «Unsere Inflationsprognosen erstellen wir jeweils mit hochwissenschaftlichen Modellen. Aber ich möchte darauf hinweisen, dass die Unsicherheit gerade extrem gross ist», bemerkt Schlegel. «Bei den Prognosen ist es also möglich, dass gewisse Unschärfen entstehen.»
Gibts in Zukunft aggressivere Schritte?
Ein Journalist fürchtet, dass die SNB die Zinswende mit dem heutigen Entscheid verschläft und in Zukunft grössere Schritte nötig sind. Schlegel ist da anderer Meinung. «Die Inflationsprognose zeigt klar, dass die Teuerung im Verlauf des Jahres 2027 wieder sinkt.» Darum ist eine Erhöhung heute nicht nötig.
«Wir sehen, dass der Immobilienmarkt angespannt ist»
Die zweite Frage von Blick-Schmidt dreht sich um den UBS Bubble Index, der vor zwei Tagen erschienen ist. Zürich ist dort neuerdings auf dem unrühmlichen ersten Platz gelandet. Heisst: Keine Stadt der Welt ist so stark von einem Immobilien-Kollaps bedroht wie Zürich. Schmidt will darum wissen, wie das SNB-Direktorium die derzeitige Lage auf dem Immobilienmarkt einschätzt, und ob es Handlungsbedarf gibt.
Dazu antwortet Vizepräsident Martin: «Wir sehen, dass der Immobilienmarkt angespannt ist. Das soll aber nicht heissen, dass wir dort Eingriffe planen.»
Woher kommt die steigende Inflation genau?
Blick-Wirtschaftsredaktor Martin Schmidt möchte vom SNB-Chef wissen, welche Faktoren die Inflation in letzter Zeit angetrieben haben. «Der dominierende Faktor sind derzeit klar die Erdölprodukte.» Heisst: Benzin- und Diesel-, oder Heizölpreise. «Bei den übrigen Kategorien sieht man eigentlich relativ wenig Entwicklung. Klar, die Abwertung des Frankens hat einen gewissen Einfluss, spielt aber im Vergleich zu den Energiepreisen eine geringe Rolle.»
Auch UBS ist ein Thema
Eine Journalistin möchte vom Vizepräsidenten wissen, was die SNB zum gestrigen Entscheid des Ständerats zur Kapitalregelung für die UBS denkt. Martin stellt klar: «Es ist nicht unsere Aufgabe, eine Meinung dazu zu haben.» Die SNB verfolge die Situation und ihre Auswirkungen auf die finanzielle Stabilität in der Schweiz. «Wir nehmen den Entscheid des Parlaments zur Kenntnis und respektieren den Entscheid.»
Einfluss von anderen Nationalbanken
Die europäische Zentralbank und die Fed haben kürzlich ihre Zinsen erhöht. Ein Medienschaffender will wissen, ob das einen Einfluss auf die Pläne der SNB hat. «Natürlich kommentiere ich die Leitzinsentscheide von anderen Zentralbanken nicht», so Schlegel.
«Unser Mandat ist die Preissstabilität in der Schweiz und die Berücksichtigung der konjunkturellen Entwicklung.» Aber: «Was im Ausland passiert, ist für die Schweiz sehr relevant. Wir sind keine Insel.»
Fragerunde ist eröffnet
Nach den Statements des Direktoriums sind die Journalisten am Zug. Ein Medienschaffender versucht, von Schlegel eine Prognose für die Zukunft zu erhalten. Dieses Spiel macht Schlegel nicht mit: «Wir machen keine Prognosen.» Das Gremium treffe sich erneut im Dezember und beurteilt die Situation.
Inflation noch zu tief für eine Erhöhung
Schlegel übernimmt erneut. Seine Worte zeigen: Aus Sicht der SNB ist die Inflation aktuell noch zu tief, um eine Zinserhöhung vorzunehmen. «Wir werden die Lage daher weiter beobachten und die Geldpolitik wenn nötig anpassen.» Auch diesen Satz bekommen die Medienschaffenden gefühlt an jeder SNB-Sitzung zu hören.
Und die Schweizer Wirtschaft?
Die Aussichten zur Wirtschaft in der Schweiz liefert Petra Tschudi. «Das BIP wuchs im zweiten Quartal ausserordentlich stark.» Dafür ist unter anderem eine kräftige Entwicklung in Pharma-Bereich verantwortlich. Doch auch sonst sei das Wachstum breit abgestützt. Das bestätigen Gespräche der SNB mit verschiedenen Firmen.
«Für die nächsten Quartale erwarten wir ein moderates Wachstum», so Tschudi. Für das Gesamtjahr 2026 sieht die SNB aktuell ein Wachstum zwischen 1,5 und 2 Prozent.
Martin Schlegel (50) verzichtet auf die Überraschung. Der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB) belässt den Leitzins bei 0 Prozent. Bereits seit Juni 2025 herrscht in der Schweiz damit der gleiche Zins.
Spannung gab es im Vorhinein trotzdem. Denn dass die Wende kommt, ist für viele Experten eigentlich fix – einfach noch nicht heute. Ein Grund dafür ist die zuletzt leicht gestiegene Inflation: Im August lag sie bei 0,8 Prozent, im Vergleich zum Vormonat ist sie um 0,4 Prozent gestiegen. Zudem ist SNB-Chef Schlegel dafür bekannt, lieber zu früh als zu spät an der Zinsschraube zu drehen. Das tut er jetzt aber noch nicht.
Um 10 Uhr erklärt Präsident Schlegel seinen Entscheid an einer Medienkonferenz im historischen Kaiserhaus in Bern. Blick berichtet live im Stream und im Ticker.