Darum gehts
- Testkäufe zeigen: Nur 3 von 10 untersuchten Apotheken bieten auf Anhieb günstige Generika an
- Coop Vitality verlangt bis zu 10-mal mehr für ein koffeinhaltiges Präparat
- Die Kette Medbase bot bei den Tests direkt eine günstige Alternative an
Wer kennt es nicht: Man liegt zu Hause mit pochenden Kopfschmerzen, Schnupfen oder Fieber im Bett und wünscht sich einfach nur eine Linderung der Symptome. Oft greift man dann zu einem Schmerzmittel. Beliebt ist der Wirkstoff Paracetamol. Doch aufgepasst: Je nach Medikament unterscheiden sich die Preise stark.
Jetzt zeigt eine Auswertung des Konsumentenschutzes: Bei welcher Apotheke man sich mit einer Packung Paracetamol eindeckt, kann im Portemonnaie einen grossen Unterschied machen. Er hat Testkäufe von Paracetamol-Schmerzmitteln in jeweils zwei Filialen von insgesamt fünf grossen Schweizer Ketten in Bern und Zürich durchgeführt – bei Amavita, Benu, Coop Vitality, Toppharm und Medbase. Und der Konsumentenschutz kommt zum Schluss: In nur drei von zehn untersuchten Apotheken ist den Testpersonen auf Anhieb ein billigeres Generikum angeboten worden. Dazu gehören beide Medbase-Filialen sowie ein Standort von Amavita.
So kräftig wird abkassiert
Die Apotheken von Benu und Coop Vitality hätten eine preiswertere Alternative erst auf ausdrückliche Nachfrage hin empfohlen, heisst es beim Konsumentenschutz. Die getesteten Toppharm-Standorte hätten auch auf Nachfrage kein Generikum angeboten.
Am Ergebnis hat Sarah Lengyel, Leiterin Gesundheit beim Konsumentenschutz, keine Freude: «Dass nur gerade drei von zehn auf Anhieb ein günstiges Generikum anbieten, wirft kein gutes Licht auf die Beratung der Apotheken», sagt sie. Sie fordert darum mehr Transparenz: «Apotheken sollen aktiv auf günstigere Generika hinweisen und die Preisunterschiede offen nennen.»
So erklären sich die Apotheken
Ein Blick auf die Grafik, bei der die Preise pro Tablette aufgeführt sind, zeigt: Bei den beiden Coop Vitality Apotheken ist die Differenz zwischen der ersten und der günstigeren Empfehlung besonders krass. Der Konsumentenschutz erklärt dazu: «In beiden getesteten Filialen wird zuerst ein Präparat empfohlen, das zusätzlich Koffein enthält, was die Wirkung verstärken soll. Es kostet dafür aber zehnmal so viel wie ein preiswertes Generikum ohne Koffein.»
Bei Coop heisst es auf Anfrage, die Abgabe rezeptfreier Medikamente erfolge «aufgrund der im Kundengespräch identifizierten Situation und Bedürfnisse sowie der aktuellen Warenverfügbarkeit». Im konkreten Fall könne man nicht mehr nachvollziehen, weshalb ein Produkt mit Koffein empfohlen worden sei, sagt eine Sprecherin gegenüber Blick. Ähnlich tönt es bei Amavita: Auch hier erfolge die Wahl des Medikaments im Gespräch mit der Kundschaft und hänge unter anderem von Verfügbarkeit und individueller Situation ab.
Die Preisdifferenz in den zwei Medbase-Standorten, die beide direkt ein günstiges Generikum empfohlen haben, sei durch eine Rabattaktion von 20 Prozent in einzelnen Filialen zustande gekommen, erklärt eine Sprecherin. Benu verweist derweil auf seine Generika-Strategie: 80 Prozent der abgegebenen Medikamente in den Filialen seien Generika, betont eine Sprecherin. Man biete – «wenn immer möglich» – günstigere Alternativen an, sofern diese gewünscht und medizinisch gleichwertig seien. Bei Toppharm, ein genossenschaftlicher Zusammenschluss eigenständiger Apotheken, empfehle und fördere man aktiv die Nutzung von Generika, so eine Sprecherin. «Wir nehmen die Untersuchung zum Anlass, unsere Apotheken zu sensibilisieren und unsere Grundsätze zur transparenten Empfehlung von wirkstoffgleichen Präparaten nochmals zu bekräftigen.» Kundinnen und Kunden sollen jederzeit eine informierte Wahl zwischen gleichwertigen Optionen treffen können.