Strom, Gift, Feuer
Darum werden gerade so viele Produkte zurückgerufen

Fast täglich werden in der Schweiz Produkte zurückgerufen. Meist freiwillig durch die Unternehmen, manchmal geht es gar nicht anders. Doch was steckt dahinter, dass es immer mehr Rückrufe werden?
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Fast täglich werden gefährliche Produkte zurückgerufen. Jüngstes Beispiel: Salmonellen im Weichkäse einer Zentralschweizer Käserei. (Symbolbild)
Foto: Keystone

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Rückrufe gefährlicher Produkte in der Schweiz nahmen seit 2020 um 50 Prozent zu
  • Von Januar bis März 2026 bereits 72 Produkte zurückgerufen, neuer Höchstwert erwartet
  • Zwei Drittel der Rückrufe betreffen Lebensmittel
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Sven SchumannRedaktor Wirtschaft

Dieser Rückruf sorgte zuletzt am meisten für Aufmerksamkeit: Am Karfreitag warnten Migros und Coop die Öffentlichkeit, dass Salmonellen in einem Weichkäse nachgewiesen wurden. Mehrere Produkte der Lieferantin, einer Zentralschweizer Käserei, sind betroffen und wurden zurückgerufen. Nach dem verlängerten Osterwochenende veröffentlichte die zuständige Behörde die Meldung auf ihrem eigenen Warnservice, Recallswiss genannt.

Dieser wird seit 2020 vom Büro für Konsumentenfragen (BFK) betrieben. Ziel: Konsumentinnen und Konsumenten schnell und zentralisiert vor gefährlichen Produkten warnen. Abonnenten des Recallswiss-Newsletters erhalten derzeit fast täglich Benachrichtigungen zu potenziell gefährlichen Produkten.

Eine diverse Palette an Gefahren

Eine Blick-Auswertung der Rückrufe von Recallswiss zeigt: Die Fallzahlen nehmen kontinuierlich zu. Während 2020 noch vor 123 Produkten gewarnt wurde, waren es 2025 schon 180 – jeden zweiten Tag eine Meldung. Dies bedeutet einen Anstieg um fast 50 Prozent in dieser Zeit.

Und die Zahlen steigen weiter: 2026 warnte Recallswiss von Januar bis März bereits vor 68 Produkten. Setzt sich der Trend fort, wird es auch 2026 einen neuen Höchstwert geben.

Die Gefahren, die von den Produkten ausgehen, sind vielfältig: Neben den Salmonellen im Käse warnt das BFK unter anderem vor Rasenmähern mit Brandgefahr, Skischuhen mit Rissen, Metall im Schoggi-Riegel oder IKEA-Lampen mit Stromschlaggefahr.

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Hauptsächlich Lebensmittel betroffen

Die Aufschlüsselung der Daten von Recallswiss zeigt auch, dass Lebensmittel den grössten Teil ausmachen. Etwa zwei Drittel der Warnungen spricht demnach das Bundesamt für Lebensmittel und Veterinärwesen (BLV) aus.

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Als weiteres Beispiel ist der Babymilch-Skandal von Anfang Jahr in Erinnerung. Mit Cereulid verunreinigte Produkte verunsicherten Eltern auf der ganzen Welt. Es besteht der Verdacht, dass Dutzende Säuglinge nach dem Trinken der Milch erkrankt sind. Und auch hier warnte der Bund – allerdings erst verspätet. Damals reagierten die Konzerne zu langsam, verteidigte Michael Beer (60), Vizedirektor des BLV, den Bund damals im Blick.

Bessere Kontrollen, mehr Rückrufe?

Aber warum steigt die Zahl der Rückrufe? Lars Fieseler, Professor für Lebensmittelmikrobiologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, sieht den Grund in der verbesserten Kontrolle. Die zur Verfügung stehende Analytik werde immer präziser. Heute werden darum Fälle frühzeitig erkannt, die früher unentdeckt geblieben wären. Fieseler betont: «Nur weil es mehr Fallmeldungen gibt, lässt sich nicht darauf schliessen, dass die Qualität abnimmt.»

Achtung Onlineshops

Es werden aber nicht nur Lebensmittel zurückgerufen. Bei Produkten wie Elektronik oder Spielzeug liegt der Verdacht nahe, dass die niedrige Qualität von Billigimporten aus China die Zahl der Rückrufe in die Höhe treibt. Gerade Onlineshops wie Temu oder Shein stehen in der Kritik.

Dies bestätigen auch die Konsumentenschützer auf Anfrage. Gemäss Babette Sigg (63), Geschäftsführerin des schweizerischen Konsumentenforums, nehmen die Reklamationen aufgrund mangelhafter Produkte zu. Die ausländischen Onlineshops spielten dabei eine wichtige Rolle. Sigg bilanziert: «Die Rückrufe sind das Business des Bundes – die verärgerten Kunden das unsere.»

Auch Sara Stalder (59), Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, rät auf Anfrage von Blick zur Vorsicht beim Einkauf in Onlineshops. Die einfache Regel «Einkauf in den Verkaufsläden gleich sichere Produkte» gelte aber nicht. Immerhin: Beim Kauf in den Läden sei ein Kontakt vorhanden, an den man sich im Falle einer Reklamation oder eines Rückrufs wenden könne.

Die grösste Herausforderung liegt weiterhin darin, dass die Konsumenten rechtzeitig vom Rückruf erfahren. Dafür muss sie die Meldung über die Medien oder den Warndienst des Bundes erreichen, bevor sie die gefährlichen Produkte essen oder gebrauchen. Dabei hilft das Abo bei Recallswiss – wenn dann rechtzeitig informiert wird.

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