Darum gehts
- Braunwalds Skibetrieb durch Aktionäre infrage gestellt, Generalversammlung morgen im Fokus
- Unterschriftensammlung mit fast 5500 Unterstützenden zeigt breite Unzufriedenheit
- Braunwald zählt nur rund 266 Einwohner, Wintersport wirtschaftlich überlebenswichtig
Der Kampf in Braunwald GL geht in die nächste Runde: Auf die Verantwortlichen der Bergbahnen des Glarner Kurorts wartet am Mittwochnachmittag eine ungemütliche Generalversammlung. Der Auslöser: Die Bergbahnen um Chef Richi Bolt (57) verkündeten im Juni das Ende des Skibetriebs. Der Entscheid trifft im Ort auf breiten Widerstand.
Auch eine Gruppe der Aktionäre des Bergbahnbetreibers will den Entscheid nicht auf sich sitzen lassen. In einem offenen Brief fordert die Bewegung «Bruuwald zäme», dass der Verwaltungsrat der Sportbahnen Braunwald AG das Skibetrieb-Aus noch einmal überdenkt. Aus ihrer Sicht ist der Wintersport für das rund 266 Einwohner zählende Dorf überlebenswichtig.
Die ordentliche Generalversammlung der Sportbahnen Braunwald AG findet am Mittwoch, dem 26. August 2026, um 13.30 Uhr statt. Blick ist live dabei.
Die ordentliche Generalversammlung der Sportbahnen Braunwald AG findet am Mittwoch, dem 26. August 2026, um 13.30 Uhr statt. Blick ist live dabei.
Doch der Skibetrieb in Braunwald ist nicht mehr wirtschaftlich – schon länger nicht mehr. Der Beschluss ist also die Konsequenz von jahrelangen Verlusten nach mehreren schlechten Wintern in Folge. «Wenn wir nochmals eine defizitäre Skisaison riskieren würden, könnte das den Konkurs bedeuten», warnte Bergbahnen-Chef Bolt gegenüber Blick.
Vorschneller Entscheid trifft auf finanzielle Fragezeichen
An der Generalversammlung der Sportbahnen Braunwald AG sollen Verwaltungsrat und Geschäftsleitung Rede und Antwort stehen, verlangt die Gruppe «Bruuwald zäme». Um ihrer Forderung zusätzliches Gewicht zu verleihen, hat sie eine Unterschriftenaktion lanciert: Ursprünglich lag das Ziel bei 100 Unterschriften – mittlerweile haben fast 5500 Menschen unterschrieben.
Laut Mitinitiant Andres Eberhard (43) ist das Ziel klar: Der Skibetrieb muss gerettet werden. Die bisherigen Erklärungen der Sportbahnen reichen ihm nicht aus. «Es ist uns auch bewusst, dass die Schneeverhältnisse künftig schwieriger werden», sagt Eberhard gegenüber Blick. Doch dafür könnte man auch zu anderen Lösungen greifen. Ein anderer Grund sticht der Gruppe noch eher ins Auge: «Die finanzielle Lage ist schon seit Jahren prekär – vor allem auch weil die Kosten stark angestiegen sind.»
«Es hängen viele Existenzen davon ab»
Dass man ohne eine fundierte Untersuchung der verschiedenen Möglichkeiten die Bahnen und den Skibetrieb einstellt, sei für Braunwald katastrophal, betont Eberhard. «Es hängen viele Existenzen davon ab, von der Skischule über das Gewerbe bis hin zu Hotels und Gastrobetrieben, das ganze Dorf hängt an diesen Bahnen», so der Mitinitiant des offenen Briefs. «Wir finden den Entscheid vorschnell und überstürzt. Wenn die Bahnen einmal weg sind, sind sie weg.»
Im Vorfeld der Generalversammlung (GV) habe es hinter den Kulissen schon Verhandlungen gegeben, sagt Eberhard. «Da konnte man sich bislang nicht finden», so der Ferienwohnungsvermieter. Ob die Gruppe «Bruuwald zäme» bei der GV etwas bewirken kann, ist fraglich. Denn Bergbahnen-Chef Bolt ist gleichzeitig Hauptaktionär der Sportbahnen. Er hat also das letzte Wort. Für die Generalversammlung am Mittwoch rechnet die Gruppe mit geladener Stimmung: «Der Unmut der Aktionärinnen und Aktionäre wird sich dort sicherlich zeigen – und hoffentlich ein starkes Zeichen sein, dass viele mit diesem Entscheid nicht einverstanden sind.»