Glarner Ski-Ort Braunwald vor dem Aus
Einheimische proben Aufstand gegen Bergbahnenchef

Das Skigebiet von Braunwald GL steht vor dem Aus: Bergbahnen-Chef Richi Bolt (57) will die Skilifte stilllegen. Das Dorf wehrt sich gegen das Aus für den Wintersport – die Zukunft des Dorfs steht auf dem Spiel.
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Notstopp im Skigebiet Braunwald: Ab nächster Saison soll es keinen Skibetrieb mehr geben.
Foto: Philippe Rossier

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Skilifte in Braunwald GL werden dauerhaft geschlossen, endgültiger Entscheid im Juni 2026
  • Einheimische kritisieren Verwaltungsrat, befürchten wirtschaftlichen Kollaps ohne Skitourismus
  • Petition mit 130 Unterschriften fordert Erhalt eines Mini-Ski-Angebots

Nie mehr Ski fahren in Braunwald GL? Der Bügellift, die Schneekanonen oder der Sessellift im Glarner Kurort sind im Sommerschlaf. Wenn es nach Bergbahnen-Chef Richi Bolt (57) geht, werden sie auch nicht mehr aufwachen. Der Skibetrieb sei zu teuer, Schnee und Gäste gebe es für ein rentables Geschäft zu wenig. 

Seit Bolts Entscheid Mitte Juni formiert sich in Braunwald breiter Widerstand. Matthias Kappeler (44) und Fritz Schuler (57), zwei einheimische Unternehmer, kritisieren die Entscheidung scharf. «Kein Skifahren heisst keine Gäste», sagt Schuler. «Wenn wir keine Pisten haben, liegt Braunwald in zwei Jahren am Boden der Bedeutungslosigkeit.»

Richi Bolt, seit 2021 Verwaltungsratspräsident und Aktionär der Sportbahnen Braunwald AG. Er arbeitet sonst als Bergführer und besitzt mehrere Unternehmen.
Foto: Philippe Rossier

Blick besucht Braunwald im Hochsommer. Wer ins autofreie Dorf reist, muss von Linthal GL mit der Standseilbahn hoch. Die Kabine ist gut gefüllt. Oben auf 1256 Metern über Meer rollen Koffer zum Ausgang, Rucksäcke werden angeschnallt und ein E-Bike aus der Bahn geschoben. Gäste aus der Schweiz und dem Ausland spazieren in alle Richtungen. Zur Gondelbahn, zum Wanderweg, ins Hotel oder Chalet. 

Notstopp statt Wachstum

Was die Gäste nicht ahnen: Hinter der Ferienkulisse donnert und rumort es zünftig. Präparierte Skipisten und Skilifte soll das Glarner Dorf nicht mehr sehen, so will es Verwaltungsratspräsident und Aktionär Bolt. Er sagt: «Wir müssen die nachhaltige Wirtschaftlichkeit den klimatischen Veränderungen und den Gästebedürfnissen anpassen – per sofort.» 

Will die Existenz des Dorfs nicht dem Schicksal überlassen: Transportunternehmer Matthias Kappeler aus Braunwald.
Foto: Philippe Rossier

«Falsch», sagt Unternehmer Matthias Kappeler. «Wir sehen im Winter nicht zu wenig Schnee, sondern ein Versagen des Managements der Sportbahnen.» Die Zukunft Braunwalds dürfe nicht an Fehlentscheidungen der Sportbahnen hängen, sagt er. «Auf Kosten von uns Einheimischen fahren die Sportbahnen unsere Perspektive als Tourismusort an die Wand.» 

Im weissen Hemd und mit einer Aktentasche spaziert derweil Bolt um die Bergstation Grotzenbühl. Sie ist Teil seines Unternehmens, fungiert als Ausgangspunkt im Sommer und Winter. Zwei Sessellifte, zwei Gondelbahnen, ein Bügellift und rund 33 Kilometer Pisten gehören zu den Bergbahnen, die im Winter Defizite schreiben.

DCX STORY: doc870kiwd1cyx7jx85brn [VA BRAUNWALD VERWALTUNGSRATmp4]

Bis vor einem Jahr plante der Verwaltungsrat um Richi Bolt hier einen «Wachstumskurs», wie er sagt. Hätte die Glarner Landsgemeinde im Mai 2025 einer direkten Erschliessung des Skigebiets vom Tal in Linthal aus zugestimmt, hätte Bolt das Skigebiet ausbauen und Investitionen tätigen wollen. Daraus wurde nichts.

Schlitteln statt Ski

«Wenn wir nochmals eine defizitäre Ski-Saison riskieren würden, könnte das den Konkurs bedeuten», warnt Bolt heute. Statt Ski-Tourismus will er neu mit «Slow-Tourismus» – wie Schlitteln oder Schneeschuhwanderungen – die Sportbahnen mit einer Gondel im Winter zum Erfolg bringen. «Ich bin überzeugt, dass das klappen wird», sagt Bolt zu Blick. Eine externe Studie stützt diese Entscheidung.

«Schlitteln und wandern können Gäste bereits heute, aber deswegen kommen sie im Winter nicht zu uns», ist Matthias Kappeler überzeugt. Mit dieser Einschätzung ist der 44-Jährige nicht allein. Recherchen zeigen: Einheimische, das Gewerbe und Aktionäre der Sportbahnen tragen Bolts «Slow»-Strategie nicht mit.

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Dass sich Braunwald um seine Zukunft Gedanken machen muss, bestätigen zahlreiche Personen aus dem Umfeld der Sportbahnen, mit denen Blick sprach. Aber: «Die Bahn ist systemrelevant und funktioniert nicht wie ein Start-up im Alleingang», sagt Kappeler. Ob Bahn, Gewerbe, Vermarktung oder Hotellerie – alle müssten an einem Strick ziehen, meint er. Fritz Schuler ergänzt: «Dem Verwaltungsrat geht es ums Geld und nicht um eine Strategie für Braunwald.» 

Richi Bolt: «Der Skibetrieb in Braunwald war seit Jahren hoch defizitär – auch unsere Partner wussten das.» Obwohl das definitive Ski-Aus seit Anfang Jahr im Verwaltungsrat klar war, wie Bolt Blick bestätigt, erfuhren Bevölkerung, Gewerbe und Aktionäre erst im Juni davon. 

Vertrauen in Sportbahnen-Chef verloren

Einheimische und Stammgäste wollen jetzt retten, was es noch zu retten gibt. Schuler und Kappeler heckten zusammen mit dem Skischulchef einen Notplan für die Skischule aus. «Wir wollen den Skilift Mattwald übernehmen, damit ein Mini-Ski-Angebot bleibt», sagt Schuler. Die Finanzierung und Infrastruktur für den Betrieb seien vorhanden. Rund 130 Personen unterschrieben eine Petition.

Darauf angesprochen erteilt Richi Bolt eine Absage: «Ich bin von diesen Plänen nicht überzeugt.» Sein Fokus liege woanders. «Wir versuchen, zu verwerten, was wir verwerten können», sagt der Bergbahnenchef und meint den Verkauf der Anlagen. 

Die Einheimischen um Kappeler und Schuler fühlen sich vor den Kopf gestossen. Die Existenz des Dorfs stehe auf dem Spiel. Kappeler: «Der von Bolt verursachte Kollateralschaden ist riesig, das Vertrauen zerbrochen.» 

Bauer und Landbesitzer Fritz Schuler aus Braunwald kennt die Tücken des Braunwalder Skigeschäfts. Er ist überzeugt, dass es funktionieren könnte.
Foto: Philippe Rossier

Die beiden Kleinaktionäre geben sich kämpferisch. Ihre Ass-Karte ist ihr Land. Die Sportbahnen seien für neue Projekte auf ihr Wiesen angewiesen. Doch: «Wer die Zukunft von Braunwald begräbt, unterstützen wir nicht», sagt Schuler. 

Sie sagen, was viele im Dorf nur hinter vorgehaltener Hand fordern: «Mit der aktuellen Führung sehen wir keine Perspektive.» Man probt den Aufstand gegen den Bergbahnchef. Spätestens an der Generalversammlung im August soll Bolt die Quittung für seinen Ski-Schluss kassieren. 

Andererseits: Die Bergbahnen gaben am Mittwoch einen Verlust für die letzte Wintersaison von 1,6 Millionen Franken bekannt.

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