Stillgelegte Ems-Chemie-Deponie
Streit um verschmutztes Grundwasser

Die Gemeinde Domat/Ems und der WWF fordern, dass die Ems-Chemie eine alte Deponie saniert. Von dort gelangt angeblich ein krebserregender Stoff ins Grundwasser. Der Kanton tritt aber auf eine Beschwerde der Einsprecher nicht ein.
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Die Ems-Chemie hat die Deponie in den Neunzigerjahren stillgelegt.
Foto: Keystone-SDA

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Trinkwasser in Domat/Ems mit Trichlorethylen belastet, als Ursache alte Deponie vermutet
  • Kanton sieht von Deponiesanierung ab, trotz Beschwerden von Gemeinde und WWF
  • Giftstoff-Konzentration im Trinkwasser unter Grenzwert wegen Verdünnung durch Quellwasser
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Andreas SchmidInlandredaktor

Der Emser Gemeindepräsident Erich Kohler (65, Mitte) ist besorgt, dass die Grundwasserreserven der Region verschmutzt werden. Rückstände von Trichlorethylen, einem nicht abbaubaren und krebserregenden Stoff, wurden im Trinkwasser festgestellt. Dieser stammt angeblich aus einer vor rund 30 Jahren stillgelegten Deponie der Ems-Chemie. Klar erwiesen ist die naheliegende Vermutung nicht, weshalb das Bündner Amt für Natur und Umwelt keine Sanierung der Deponie verfügte, sondern lediglich eine Überwachung.

Dagegen legten die Gemeinde Domat/Ems und die Umweltorganisation WWF Beschwerde beim Umweltdepartement von Regierungsrat Jon Domenic Parolini (67, Mitte) ein. Wie Blick erfuhr, hat dieses nun entschieden, nicht auf die Beschwerde einzutreten. Das Departement kam zum Schluss, sein juristisch als Zwischenentscheid geltender Befund sei nicht anfechtbar.

«Nichts aufs Spiel setzen»

Damit geht das formale Hickhack weiter, die Gemeinde prüft laut Kohler nun, ob sie dies vor dem Bündner Obergericht anfechten will. Der Präsident sagt, da eine weitere Verschmutzung des Grundwassers nicht wiedergutzumachen wäre, habe der Kanton eine intensive, engmaschige Überwachung und falls nötig eine Sanierung der Deponie zu veranlassen. Ein lasches Monitoring reiche nicht. «Da dürfen die Behörden nichts aufs Spiel setzen», sagt Kohler.

Das Departement will sein Nichteintreten auf die Beschwerde nicht kommentieren. Ein Sprecher der Ems-Chemie von CEO Magdalena Martullo (57) verweist an das zuständige kantonale Departement.

Für die Gemeinde und den WWF ist es unverständlich, dass der Kanton die Ems-Chemie nicht zur Sanierung der Deponie verpflichtet. Sie verweisen darauf, dass im Grundwasser-Pumpwerk das geförderte Trinkwasser mit Trichlorethylen belastet sei und dass weiter kontinuierlich Giftstoffe ins Wasser gelangten.

Sorge um Reserven

Deren Konzentration ist gemäss den Messungen derzeit gering, 10- bis 20-mal tiefer als die gesetzlich festgelegten Grenzwerte. Das liegt daran, dass das Trinkwasser mit Wasser aus Bergquellen vermischt ist.

Damit begründete Regierungsrat Parolini im Grossen Rat, dem Kantonsparlament, dass keine Sanierung der Deponie verfügt werden könne. Der Kanton müsse sich an die Altlastenverordnung des Bundes halten, es gebe keinen Ermessensspielraum, antwortete Parolini auf eine Anfrage von Anita Mazzetta (63, Grüne), die als Geschäftsführerin von WWF Graubünden mit der Gemeinde Domat/Ems auch juristisch gegen den Kanton vorgeht.

Gemeindepräsident Erich Kohler hatte vor zwei Jahren demonstrativ Wasser aus einem Dorfbrunnen getrunken, um zu zeigen, wie unbedenklich das sei. Davon sei er nach wie vor überzeugt, sagt Kohler. Doch im Kampf für eine Sanierung der Deponie gehe es ihm darum, dass auch die Grundwasserreserven sauber seien. Diese müsse man für die Zukunft sicherstellen.

Für den Kanton ist der Zusammenhang zwischen der Deponie und der Verschmutzung des Trinkwassers nicht eindeutig erwiesen, für die Beschwerdeführer ist die Deponie «eine tickende Zeitbombe». Die Auseinandersetzung darüber wird noch lange andauern.


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