Darum gehts
Für einen Moment schien es, als ob Lindt die Lufthoheit am Schokoladenhimmel entgleiten könnte. Plötzlich räsonierte man in der süssen Welt des braunen Goldes nicht mehr über das Klingeln der Glöckchen von Osterhasen und das zart schmelzende Innenleben von Schokoladenkugeln, sondern über eine klebrig-knusprige Schokoladenobsession arabischer Provenienz. Die Dubai-Schokolade lieferte den Beweis, dass selbst Teenager klaglos 30 Franken für eine Tafel hinblättern, vorausgesetzt, man gibt ihnen das Gefühl, Teil einer besonders exklusiven Community zu sein.
Den Kilchberger «Maîtres Chocolatiers» blieb nichts anderes übrig, als auf den fahrenden Zug aufzuspringen und ihre eigene Dubai-Linie in die Regale zu bringen. Inzwischen aber haben sie selbst Grosses vor am Golf. Noch in diesem Jahr soll in Dubai das erste «Home of Chocolate» ausserhalb des Heimmarkts entstehen, ein Schaufenster für den erfolgreichsten Schweizer Schokoladenexport in der Glitzerwelt am Golf, Inbegriff für Prestige und Premium.
Dieser Artikel wurde erstmals im Angebot von handelszeitung.ch veröffentlicht. Weitere spannende Artikel findest du unter www.handelszeitung.ch.
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Lindt-Maître Ernst Tanner mag es gediegen, bald ist es wieder so weit. Am 16. April 2026 wird der Grandseigneur der süssen Versuchung im Zürcher Kongresshaus seinen Auftritt vor seinen Aktionären haben. Nebst dem traditionellen «Bhaltis», dem mehrere Kilo schweren Schoggi-Koffer, werden den Besitzern der exklusiven Lindt-Valoren 1800 Franken pro Aktie überwiesen, im Vorjahr waren es noch 1500 Franken. Wer einen Partizipationsschein hält, darf sich über 180 Franken freuen. Es ist die dreissigste Erhöhung in Folge, seit der heute 79-Jährige vor 33 Jahren in Kilchberg ZH die Leitung einer regionalen Schokoladenfabrik übernahm und sie zur globalen Umsatz- und Renditemaschine umbaute.
Es sind diese Dividendenperlen, die auch heuer die Schweiz zum Aktionärsparadies machen. Ein Geldregen von 64 Milliarden Franken geht in diesen Wochen über die Eigner nieder, ein neuer Rekordwert. Zum Vergleich: Die vierzig Dax-Konzerne in der ungleich grösseren deutschen Volkswirtschaft schaffen in diesen Tagen mit Ach und Krach nur 50 Milliarden Euro. Über die Jahre ist einiges zusammengekommen: Vor zehn Jahren zahlten Schweizer Unternehmen noch 49 Milliarden Franken – eine Delle gab es 2021, während Corona, sonst aber zeigt die Kurve stetig nach oben. Ein Geldsegen, von dem alle profitieren – Aktionäre, Pensionskassen, Steuerämter.
Am tiefsten greifen die drei Industriegiganten in ihre Kassen. Zusammen halten sie mit 23,4 Milliarden Franken ihre Shareholder bei Laune, auch das ist ein neuer Höchststand. Monsieur Nestlé beteiligt seine Investoren trotz Wachstumsschwächen und schmerzhaften Verwerfungen in der Chefetage im vergangenen Jahr mit 8,2 Milliarden an seinem Unternehmenserfolg, der Nahrungsmittelkonzern sichert sich den Verbleib im Klub der zuverlässigsten Dividendenzahler mit einem Plus von 5 Rappen, der Basler Pharmakonzern Roche legt wie schon im Vorjahr 10 Rappen drauf.
Novartis, der aufstrebende Star
Richtig krachen lässt es hingegen Novartis. Das Spitzenduo mit Vas Narasimhan und Präsidentenneuling Giovanni Caforio erhöht dieses Jahr um 20 Rappen auf 3.70 Franken – ein Plus von fast 6 Prozent. Das macht die Basler zu einem der drei aktionärsfreundlichsten Pharmakonzerne weltweit und zum aufstrebenden Star der Dreiergilde, auch dank üppiger Aktienrückkaufprogramme, von denen sie gerade wieder eins aufgelegt haben – Wert: 10 Milliarden Franken.
Dem Basler Langzeit-CEO bescherte der hausgemachte Geldsegen nochmals einen Zustupf von 1,2 Millionen Franken – zusätzlich zu den 24,9 Millionen Franken, mit denen er Anfang Jahr die Neider mobilisierte. Für den inzwischen pensionierten Finanzchef Harry Kirsch, bei dem sich in seinen 13 Jahren als Finanzchef 456'069 Novartis-Aktien (Stand Ende 2025) angesammelt haben, fallen sogar 1,7 Millionen Franken an.
Noch mehr gibt es für Narasimhans ehemaligen CEO-Kollegen Severin Schwan. Der zum Verwaltungsratspräsidenten avancierte ehemalige Roche-Konzernchef sitzt auf einem Berg von 357 655 Roche-Titeln; sie spülten im März zusätzlich zu seinem stattlichen präsidialen Honorar von 5,7 Millionen Franken nochmals 3,5 Millionen ins Depot. Da nehmen sich die 2,5 Millionen Franken, die Wieder-UBS-CEO Sergio Ermotti aus seinen rund 2'255'862 Aktien zieht, fast schon bescheiden aus.
Zu den Bezügern der Königsklasse gehören klar die Roche-Erbenfamilien. Die beiden Familienzweige um Vizepräsident André Hoffmann und Jörg Duschmalé hielten – so der Stand Ende Jahr – 69,3 Millionen oder 65 Prozent der stimmberechtigten Aktien. Diese berechtigten sie dazu, Dividenden in der Höhe von 679,3 Millionen Franken zu beziehen. Die nicht mehr zum Familienpool gehörenden Maja Oeri und ihr Sohn Melchior haben mit ihren je 3,8 Prozent der Aktien je 39,7 Millionen Franken an Dividenden zugute.
305,2 Millionen Franken für die Blocher-Schwestern
Auch die drei Blocher-Schwestern Magdalena Martullo, Muriel und Rahel Blocher dürfen sich auf einen üppigen Zahltag freuen: Ihre 70,9-Prozent-Beteiligung an der Ems-Chemie bringt ihnen im laufenden Jahr 305,2 Millionen Franken ein, der Bündner Chemiegigant lässt dieses Jahr 18.40 Franken pro Aktie springen; 3.75 Franken fallen in die Kategorie Einmalzahlung. Die Sonderdividenden sind das Markenzeichen der Konzernchefin Martullo-Blocher; sie machen es möglich, in fetten Jahren den Geldhahn weit aufzudrehen, ohne sich für die Zukunft auf ein zu hohes Niveau festzulegen. Es ist Erwartungsmanagement par excellence. Auch sonst ist einiges speziell, so wird etwa die EMS-Dividende traditionell nach der Sommerpause erst Mitte August ausbezahlt.
Unbestrittener Dividendenkönig bleibt der Logistiker Klaus-Michael Kühne, obgleich die Turbulenzen mit Zöllen, Kriegen und Krisen auch dieses Jahr ihren Tribut in Form von weniger Ausschüttungen fordern: Der Konzern zahlt zurzeit noch 6 Franken pro Aktie, vor zwei Jahren waren es deren 10. Die 55,4 Prozent, mit denen der Wahlschweizer von Schindellegi SZ sein Imperium kontrolliert, bringen ihm nun 401,4 Millionen Franken ein. Rechnet man allerdings seine Beteiligungen an Hapag-Lloyd und an der Lufthansa hinzu, bewegt sich sein privater Cashflow aus Dividenden im Jahr 2026 auf die Marke von 700 Millionen zu. Damit kann er die 400 Millionen leicht verkraften, die er beim fallierten René Benko verlor.
Auch der Fiskus profitiert
Alle profitieren, nicht nur die Grossaktionäre. Die öffentliche Hand langt als Anteilseigner kräftig zu – die Kantone bei den Elektrizitätswerken, der Bund bei der Swisscom. Die Bundesbeteiligung liefert dieses Jahr fast 687 Millionen Franken in die Kassen von Finanzministerin Karin Keller-Sutter ab, 106 Millionen mehr als im Vorjahr. Klar, dass sich die Politik an das marktwirtschaftliche Unding einer staatlichen Telekom-Beteiligung klammert, denn wer schlachtet schon eine Gans, die goldene Eier legt?
Der Fiskus profitiert doppelt und dreifach. Die Besteuerung der Dividenden lässt Lohnabhängige, Unternehmer und Pensionäre die Progressionsleitern hochklettern. Zahlen zu den Steuererträgen aus den Dividenden gibt es weder beim Bund noch bei den Kantonen, aber das Geld fliesst; je nach Progressionsstufe streicht der Fiskus einen Fünftel bis einen Drittel ein. Klar ist, der Staat langt bei den Dividenden gleich doppelt zu. Diese gelten nicht als Aufwand und sind deshalb von den Unternehmen bereits als Gewinn besteuert, wenn sie bei den Aktionären ankommen. Gnade lässt der Staat bei den Investoren walten, die 10 Prozent oder mehr eines Unternehmens halten, alles andere ginge an die wirtschaftliche Substanz der Unternehmen.
Einen neuen Sieger gibt es bei den Dividendenrenditen: Der Telefonanbieter Sunrise, der nach der Abspaltung von Liberty Global wieder eigenständig an der Börse firmiert, zahlt seinen Eignern dieses Jahr eine Dividende von rund 7,4 Prozent – letztes Jahr stand hier noch Mitbewerber Swisscom zuoberst auf der Liste. Auch Mobilezone schneidet trotz unternehmerischer Turbulenzen hervorragend ab, ebenso wie der Basler Spezialchemiekonzern Clariant. Dort versucht man, die darbenden Aktionäre mit einer Rendite von über 5 Prozent bei der Stange zu halten, während der Aktienkurs seit Jahren seitwärts dümpelt. Es ist Schmerzensgeld für treue Anleger. Wer als Kleinanleger beim Spiel mit den Dividenden mitmachen will, der sollte sich deshalb nicht von einzelnen Spitzenrenditen blenden lassen, oft sind sie Kehrseite mauer Kurse.
Topkonzern, Toprendite
Vier SMI-Konzerne schaffen es in die Top zwanzig der Unternehmen mit den besten Dividendenrenditen, zu ihnen zählt die Partners Group. Die Zuger Investmentgesellschaft der drei Gründer Alfred Gantner, Marcel Erni und Urs Wietlisbach zahlt 46 Franken pro Aktie – satte 10 Prozent mehr als im Vorjahr. In Kombination mit tieferen Kursen als im Vorjahr treibt das die Rendite nach oben. Das Trio schafft es so auch dieses Jahr locker in den Klub der Aktionäre, die Dividenden von 100 Millionen Franken beziehen. Es ist der Beweis, dass man im Kanton Zug nicht nur Steuern sparen, sondern auch Vermögen in atemberaubender Geschwindigkeit vermehren kann. In der Liga gleich unter der Königsklasse spielen zudem Unternehmerlegenden wie Liftbauer Alfred Schindler, Johann Rupert (Richemont) und Thomas Schmidheiny, deren Dividendenbezüge ebenfalls die 100-Millionen-Franken-Grenze knacken.
Die Dividendenparty 2026 ist im vollen Gang, bald werden auch noch die 8,2 Milliarden Franken fliessen, die der Nestlé-Konzern seinen Aktionären zukommen lassen wird. Und wenn die Prognosen der Analystinnen und Analysten für das laufende Geschäftsjahr stimmen, dann war dieser Dividendenfrühling nur der Vorgeschmack auf das, was nächstes Jahr kommen könnte.