Martullo-Blocher auf Höhenflug
Ruppig und selbstbewusst – so tickt die Ems-Chefin

Ihr wichtigster Absatzmarkt kriselt, doch Magdalena Martullo-Blocher erzielt mit ihrer Ems-Chemie Rekordmargen. Was ist das Erfolgsgeheimnis der ebenso patronalen wie bodenständigen Unternehmerin?
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Super-Magda: Die Ems-Chefin führt ihre Firma zu neuer Stärke.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

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von Erik Nolmans
Bilanz

Mehr als 2000 Personen sind der Einladung von Magdalena Martullo-Blocher ins Festzelt der Ems-Chemie im bündnerischen Domat/Ems gefolgt. Es ist Samstag, der 8. August, ein schöner Sommertag. Das von ihr geführte Industrieunternehmen hält die jährliche Generalversammlung ab. Es ist mehr Volksfest als Wirtschaftsevent, eröffnet wird das Ganze mit Appenzeller Naturjodel vom Bergwaldchörli Enggenhütten.

Dann kommen die versammelten Aktionäre, darunter viele Kleinanleger aus der Region, in den Genuss von Präsentationen einiger Anwendungen von Ems-Spezialkunststoffen.

Artikel aus der «Bilanz»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Bilanz» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du unter bilanz.ch.

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Roboter trägt Künzli-Schuhe

Auch ihr Mann, Roberto Martullo, ist auf der Bühne im Einsatz. Er muss einen Stöpsel herausziehen, damit ein Gewicht auf Ems-Kunststoff fällt, um die Qualität der Materialien zu beweisen. Dann der Höhepunkt: Bestückt mit roten Sneakers der Schweizer Schuhfirma Künzli, betritt der humanoide Roboter «Gigi» die Bühne und gratuliert Roberto Martullo zu dessen Einsatz. Ein Marketinggag im doppelten Sinn, denn einerseits ist der Gatte der Chefin seit Herbst 2024 Besitzer der ikonischen Schuhmarke, andererseits zeigt der Roboter auch, wie weit das Produktspektrum der Firma Ems ist.

Hochleistungskunststoffe finden Verwendung bei Robotern für Fingerknochen, Handballen, Gesichtsmasken oder Zahnräder, die für die Gelenkbewegung sorgen. Die Stimmung ist toll, die Leute haben Freude und dürfen bald zum dreigängigen Bündner Mittagsmenü schreiten: 115 Kilo Salat, 630 Kilo Rindskopfbäggli und 520 Kilo Kartoffeln werden an die 2198 Aktionäre serviert, zum Dessert gibt es 160 Kilo Erdbeer-Rhabarber-Kompott. Auch ihr Vater, SVP-Doyen und Ex-Bundesrat Christoph Blocher, der die Firma einst leitete, ist anwesend. Er gehe seit Jahren an die Generalversammlung, erzählt er, «mein Herz ist immer noch bei Ems».

Es ist diese Atmosphäre, in der sich die Firmenchefin wohlfühlt, sie, die patronale Unternehmerin, bodenständig, in der Region verankert und stolz auf ein Unternehmen, das auch in der Schweiz noch Industrieproduktion betreiben kann.

Hochmodern: Die Hochleistungskunststoffe von Ems kommen etwa bei Robotern zum Einsatz.
Foto: PD

Und das erst noch äusserst erfolgreich: Das 1936 gegründete Unternehmen, das sie seit 2004 führt, ist in den Geschäftsbereichen Hochleistungspolymere und Spezialchemikalien tätig. Hauptabnehmer ist zu über 60 Prozent die Autoindustrie. Und die steckt nun schon seit mehreren Jahren in der Krise. Umso erstaunlicher ist es, dass Martullo es dennoch schafft, Preiserhöhungen für ihre Produkte durchzusetzen und ihre Betriebsgewinnmarge auf rekordhohe 30,6 Prozent hochzuschrauben – solch hohe Margen kennt man in der Industrie höchstens von den Pharmamultis.

Der Aktienkurs ist seit Anfang Jahr um 41 Prozent nach oben geschossen (Stand 21. August) und gehört damit zu den Top-Performern im Schweizer Aktienmarkt. Auch zur eigenen Freude: Der Wert des Aktienpakets von Magdalena Martullo-Blocher, die zusammen mit ihren Schwestern Rahel Blocher und Miriam Baumann-Blocher eine komfortable Mehrheit von rund 60 Prozent am Unternehmen hält, ist um rund 1,6 Milliarden Franken angestiegen.

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Der Laden brummt. Dank «der starken Spezialitätenposition», «Kostendisziplin» und «vorausschauender Planung» sei es Ems gelungen, «in einem herausfordernden Marktumfeld» sowohl den Absatz wie auch das Betriebsergebnis zu steigern, heisst es im Pressecommuniqué zum Halbjahresergebnis, das am 10. Juli veröffentlicht wurde. Es gibt manche Mitbewerber in der Branche, nur Ems ist eben meist einen Tick besser, einen Tick innovativer und – gutschweizerisch – auch einen Tick zuverlässiger.

Massarbeit à la Ems-Chemie

Die Kundennähe ist legendär: In Domat/Ems stehen die Maschinen, die auch die führenden Klienten benutzen, um das Rohmaterial darauf zu testen. Ems verfügt in den Entwicklungszentren über zahlreiche spezialisierte Spritzgiessmaschinen und Extrusionsanlagen, einschliesslich spezieller Verfahrenstechnologien. Dort werden Werkstoffe getestet, Bauteile optimiert und Werkzeuge, Prototypen oder Nullserien hergestellt. Eine hochkarätige Entwicklungsabteilung schafft individuell angefertigte Kunststoffmischungen für gewisse Anwendungen – wie ein Schneider, der einen Massanzug näht.

«Wir sind hoch spezialisiert und entwickeln zusammen mit jedem Kunden spezifische Gesamtlösungen. Wir sind also nicht nur ein Materiallieferant», betont Martullo-Blocher. Man studiere die Markt- und Anwendungssituation der Kunden sehr genau und bringe dann eine Lösung, «die ihn insgesamt weniger kostet, weniger Energie braucht und weniger CO2 ausstösst». Das darf dann auch mal etwas mehr kosten: «Für unsere Materialien verlangen wir dafür auch einen höheren Preis. In der Schweiz haben wir hohe Kosten, den starken Franken und einen kleinen Heimmarkt. Wir müssen daher besser, schneller und weltweit tätig sein.»

Die hochwertigen Spezialkunststoffe von Ems sind so gut, dass sie im vermehrten Mass Metallteile ersetzen können – insbesondere für die Autoindustrie eine Chance, wird das Auto damit doch leichter und die Energieeffizienz besser. Metall ist teuer in der Verarbeitung und erfordert viel Energie. «Steigende Metallpreise machen den Ersatz durch Hochleistungskunststoffe noch wettbewerbsfähiger, das ist für Ems ein Vorteil», sagt Finanzanalyst Walter Bamert von der Zürcher Kantonalbank.

Wenn man mal mit einem wichtigen Bauteil bei einer Auto-Linie drin ist, dann bleibt man es meist über die Lebensdauer von Automodellen von rund sieben Jahren. So könne Martullo in den Verhandlungen mit der Autoindustrie «eine gewisse Gelassenheit» zeigen, so Bamert. Daneben baut Martullo auch in den Zukunftssektoren aus, nicht nur in Robotics, sondern etwa auch bei den Datencentern, «in jedem dritten Rechenzentrum der Welt sorgen wir für Kühlung», sagt sie.

Schon der Vater legte die Grundlagen für den Erfolg

Doch Ems-Kunststoffe finden sich auch in Produkten für jedermann, etwa in Brillengestellen oder Schwimmflossen. Eine Abdeckung für ein Handschuhfach in einem Auto wiederum muss grosse Hitze und Kälte aushalten, ohne brüchig zu werden. All dies erfordert sorgfältig zusammengestellte Materialien von Ems. Die Chefin weiss, dass ihre Firma viel zu bieten hat, und tritt in Verhandlungen entsprechend selbstbewusst auf: «Rohstoff-, Energie- und Transportkosten, aber auch Zölle verrechnen wir konsequent den Kunden. Dafür bleiben wir lieferfähig, was bei unseren Alleinstellungspositionen besonders kritisch ist.»

Letztlich sei entscheidend, «dass der Kunde selber einen grösseren Nutzen hat, als er insgesamt für unsere Lösung bezahlen muss.» Lieferfähigkeit sei heute in der Industrieproduktion ein entscheidender Wettbewerbsvorteil, sagt Sibylle Bischofberger, Finanzanalystin beim Investmenthaus Vontobel, und Ems habe den Ruf «eines sehr zuverlässigen Partners».

Christoph und Silvia Blocher, die Eltern der Ems-Chefin.
Foto: keystone-sda.ch

Die Ausrichtung der Firma auf die heutige Positionierung und auch die Ausweitung auf die innovativen Geschäftsbereiche erfolgten durch Magdalena Martullo-Blocher. Die Grundlagen für den Erfolg hatte aber noch ihr Vater Christoph Blocher gelegt: «Ich konnte von meinem Vater ein gut gehendes, finanziell gut ausgestattetes Unternehmen übernehmen. Die Führungskultur war das Rückgrat für die Entwicklung.» Und stolz schiebt sie nach: Heute sei man aber «viel grösser, internationaler und noch profitabler».

Bei der von der Familie Oswald gegründeten Firma stieg der studierte Jurist Christoph Blocher 1969 als Werkstudent in der Rechtsabteilung ein, machte rasant Karriere und wurde zum Delegierten des Verwaltungsrats befördert. Als Gründer Werner Oswald 1979 starb und die Familie ihm 1983 den Auftrag gab, einen Käufer für das Unternehmen zu finden, entschied Christoph Blocher, die Firma mit Bankkrediten selber zu übernehmen.

Studierte Ökonomin

Als Blocher 2004 in den Bundesrat eintrat, beschloss er, sich aus seiner industriellen Rolle zurückzuziehen. Er hatte den Fokus der Firma radikal verschoben und verstärkt auf technische Kunststoffe gesetzt. Viele neue Produkte seien da gewesen, erzählt er BILANZ. Als daher der Übergang des Unternehmens an die vier Kinder anstand, sei Magdalena mit ihren Marketingkenntnissen für die Führung im Vordergrund gestanden und nicht Sohn Markus, ein promovierter Chemiker.

Der wiederum habe dann bei der späteren Aufteilung des Erbes zwischen den drei Schwestern und ihm Ems Dottikon bekommen, wo die Entwicklung neuer Produkte anstand und nicht die Vermarktung wie bei Ems. Auch dies wurde notabene eine Erfolgsgeschichte: Markus Blocher hat Dottikon in der Tat umgebaut und zu neuen Höhen geführt (siehe BILANZ 8/23: «Wachablösung»).

Magdalena, 1969 geboren, absolvierte an der Universität St. Gallen eine Ausbildung zur Ökonomin. Dann gings ins Marketing, zunächst zum US-Konzern Johnson & Johnson, dann zum Schweizer Getränkehersteller Rivella. Der Sprung auf den Chefsessel eines Grossunternehmens wie Ems war aber enorm und setzte viel Vertrauen seitens des Vaters voraus. Sie kannte allerdings Ems bereits, war 2001 eingetreten und amtete im Verwaltungsrat.

Magdalena Martullo-Blocher inmitten der Lernenden der Ems-Chemie.
Foto: PD

Kleine Crew in der Zentrale

Ihr Vater war für sie eine wichtige Identifikationsfigur, was aber nach gängigen psychologischen Kriterien auch Probleme mit sich bringt, denn ein junger Mensch muss sich abgrenzen gegenüber den Eltern. Sie hat ihren eigenen Weg gefunden, anders als der Vater zu sein. Denn sie ist anders – nämlich besser. Die Chancen stehen gut, den Vater unternehmerisch noch zu überflügeln. Als Christoph Blocher die Firma 2003 seinen vier Kindern übergab, war sie rund 2,5 Milliarden Franken wert, heute sind es über 18 Milliarden. Die Firma sei finanziell sehr solide aufgestellt, sagt Analystin Sibylle Bischofberger, man habe die Kosten im Griff und sei nicht fremdfinanziert, «die haben praktisch null Schulden».

Produziert wird nicht nur in Domat/Ems, sondern an weltweit 25 Standorten. Die eigentliche Firmenzentrale befindet sich allerdings in Herrliberg an der Zürcher Goldküste, wo wichtige Teile der Administration sind. Martullo verbringt hier viel Zeit, umgeben von einer kleinen Truppe enger Mitarbeiter. Generell ist die Struktur in ihrem Unternehmen auffallend «lean», die Geschäftsleitung besteht aus drei Personen, der Verwaltungsrat unter Präsident Bernhard Merki aus vier, inklusive Martullo als Vizepräsidentin. Die kleine Crew in der Zentrale bedeutet nicht nur kurze Führungswege, sondern für die Mitarbeitenden auch viel Arbeit, denn das kritische Auge der Chefin ist nah. Generell muss, wer direkt mit ihr zu tun hat, eine dicke Haut haben – sie gilt als sehr direkt und überschreitet schon mal die Grenze zur persönlichen Herabminderung. Ein Beispiel ist das bekannte Video zu den «Seven thinking steps», das zeigt, wie sie an einem Meeting einen Mitarbeiter, der seine Argumente vortrug, mit der Antwort «Dreamer, you dream, du» vor laufender Kamera blossstellte.

Ihr Stil ist nicht jedermanns Sache. In einem Interview mit der Zeitung «Blick», unter anderem auch über Co-CEO-Lösungen, sagte Rivella-Co-CEO Erland Brügger über die frühere Marketingchefin, mit der er studiert hatte: «Es braucht gegenseitiges Vertrauen und die Bereitschaft, bei Meinungsverschiedenheiten zu diskutieren und einen Konsens zu finden. Magda löst solche Dinge anders.» Andere Kommilitonen aus der HSG-Zeit erinnern sich, dass sie oft ganz vorn in der ersten Reihe sass, «sehr aktiv, sehr auffallend, sehr laut».

Bodenständig und eiskalt

In ihrem Firmenkonstrukt zeigt sie zudem noch ein anderes Gesicht als das an der Generalversammlung: Sie ist nicht nur bodenständige Firmenmutter, sondern auch eine eiskalt rechnende Managerin, die durchaus ihre eigenen Interessen im Auge hat – auch in Steuersachen.

Die Aktienmehrheit an Ems, die sie mit ihren beiden Schwestern Rahel und Miriam hält, ist in drei Gesellschaften gebunden, in der Emesta Holding und der Mamira Holding mit je 30,4 Prozent und in der Baumi Holding mit 10,1 Prozent. Die Gesellschaften haben ihre Adressen im Steuerparadies Freienbach im Kanton Schwyz, im Ortsteil Wilen bei Wollerau. Interessant an der Struktur ist noch etwas anderes: die subtile Machtverteilung. Denn keine der drei Schwestern hat die alleinige Mehrheit, auch Magdalena nicht. An Emesta und Mamira hält sie 49,9 Prozent, Rahel 49,1 Prozent und Miriam 1 Prozent (bei Baumi hält Miriam den Anteil alleine). Es braucht also in allen denkbaren Konstellationen zwei Schwestern, um eine Mehrheit zu haben.

Seit elf Jahren ist sie nicht nur Unternehmerin, sondern auch Politikerin: 2015 wurde sie ins Parlament gewählt, wo sie bald eine starke Stimme wurde (siehe Seite 36). In ihrer eigenen Partei, der SVP, ist das Bild wie in ihrem Unternehmen zwiespältig. Bewunderung über ihr gutes Gespür für die Anliegen des Volkes mischt sich oft mit Ärger über ihr ruppiges Verhalten im persönlichen Umgang: Auch bei den Parteikollegen nimmt sie kein Blatt vor den Mund.

Sie gilt als anderer Typ als ihr Vater, der ebenso hart politisiert, aber umgänglicher ist. «Meine Tochter ist manchmal etwas rabauzig», räumt sogar Christoph Blocher ein. Sie habe aber auch viel Charme und sei gesellig, klopfe etwa gerne mal einen Jass mit den Leuten, so der Vater. Man könne auch gut mit ihr lachen, sagen Vertraute, sie habe viel Humor. Andere betrachten ihre ruppige Art nicht nur als Nachteil. «Sie ist sehr direkt im Umgang, was ich an ihr schätze. Wenn sie etwas ärgert, weiss man, woran man ist», sagt Thomas Aeschi, Fraktionspräsident der SVP. Politisch gebe es zwischen Vater und Tochter keine Unterschiede.

Ein rebellisches Kind

Magdalena sei ein ziemlich rebellischer Teenager gewesen, erzählt Christoph Blocher. Vor allem mit der Mutter habe es viele Diskussionen gegeben. Gar nicht goutiert habe sie damals, dass die Eltern von ihr jeweils wissen wollten, wohin und mit wem sie am Wochenende abends ausging. Das habe sie als Einmischung und übermässige Kontrolle empfunden. Als Lösung habe man dann gemeinsam beschlossen, dass sie auf einem Zettel in einem verschlossenen Couvert notieren solle, was sie mache, die Eltern wiederum versprachen, das Couvert nur im Notfall zu öffnen.

Die Lautstarke

Im Jahr 2015 wurde Magdalena Martullo-Blocher als Quereinsteigerin in den Nationalrat gewählt. Nicht für ihren Wohnkanton Zürich – sie lebt in Feldmeilen an der Goldküste –, sondern für Graubünden, wo sie mit ihrem Firmenstandort in Domat/Ems die grösste private Arbeitgeberin ist. Es war ein knappes Rennen gegen Josias Gasser von der Grünliberalen Partei (GLP) – sie gewann es und konnte für die SVP Graubünden einen zweiten Sitz im Kanton hinzugewinnen. In der Partei rückte sie bald in wichtige Funktionen vor. Sie ist in der Parteileitung der SVP Schweiz und dort für das Schlüsseldossier «Wirtschaftspolitik» zuständig. 2018 wurde sie nach dem Rücktritt ihres Vaters Christoph Blocher zur Vizepräsidentin der Partei gewählt.

Zu ihren Hauptanliegen zählt die Beziehung zur EU. «Die eigenen täglichen Erfahrungen in der EU und der dortige laufende Rückgang der Wirtschaft und des Wohlstands motivieren mich, gegen die unsäglichen EU-Verträge aus Bern zu kämpfen», sagt sie. Wohl bis in alle Zukunft müsste die Schweiz EU-Politik in ihr eigenes Recht übernehmen, warnt sie. Politisch liegt sie damit ganz auf der Linie ihres Vaters, den sie auch in aktuellen Themen unterstützt, etwa bei der 2022 lancierten Neutralitäts-Initiative, über die im September an der Urne entschieden wird. «Für die kleine Schweiz ist es besonders auch in der heutigen Zeit wichtig, neutral zu sein und sich nicht auf kriegerische Auseinandersetzungen und Machtspiele einzulassen.» Auch wirtschaftlich sei dies ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor, betont die Unternehmerin.

Im Parlament ist sie rasch zu einer starken Stimme geworden und amtet in der wichtigen Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK). Auch finanziell verkörpert sie Macht: Mit ihrem Vermögen von über fünf Milliarden Franken ist sie reicher als alle anderen 245 Parlamentarier zusammen.

Im Jahr 2015 wurde Magdalena Martullo-Blocher als Quereinsteigerin in den Nationalrat gewählt. Nicht für ihren Wohnkanton Zürich – sie lebt in Feldmeilen an der Goldküste –, sondern für Graubünden, wo sie mit ihrem Firmenstandort in Domat/Ems die grösste private Arbeitgeberin ist. Es war ein knappes Rennen gegen Josias Gasser von der Grünliberalen Partei (GLP) – sie gewann es und konnte für die SVP Graubünden einen zweiten Sitz im Kanton hinzugewinnen. In der Partei rückte sie bald in wichtige Funktionen vor. Sie ist in der Parteileitung der SVP Schweiz und dort für das Schlüsseldossier «Wirtschaftspolitik» zuständig. 2018 wurde sie nach dem Rücktritt ihres Vaters Christoph Blocher zur Vizepräsidentin der Partei gewählt.

Zu ihren Hauptanliegen zählt die Beziehung zur EU. «Die eigenen täglichen Erfahrungen in der EU und der dortige laufende Rückgang der Wirtschaft und des Wohlstands motivieren mich, gegen die unsäglichen EU-Verträge aus Bern zu kämpfen», sagt sie. Wohl bis in alle Zukunft müsste die Schweiz EU-Politik in ihr eigenes Recht übernehmen, warnt sie. Politisch liegt sie damit ganz auf der Linie ihres Vaters, den sie auch in aktuellen Themen unterstützt, etwa bei der 2022 lancierten Neutralitäts-Initiative, über die im September an der Urne entschieden wird. «Für die kleine Schweiz ist es besonders auch in der heutigen Zeit wichtig, neutral zu sein und sich nicht auf kriegerische Auseinandersetzungen und Machtspiele einzulassen.» Auch wirtschaftlich sei dies ein sehr wichtiger Erfolgsfaktor, betont die Unternehmerin.

Im Parlament ist sie rasch zu einer starken Stimme geworden und amtet in der wichtigen Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK). Auch finanziell verkörpert sie Macht: Mit ihrem Vermögen von über fünf Milliarden Franken ist sie reicher als alle anderen 245 Parlamentarier zusammen.

Heute, als dreifache Mutter, sieht sich Magdalena Martullo auf der anderen Seite der Diskussion. Sie und Roberto Martullo haben drei Kinder, Samira (24), Matteo (22) und Tamara (19). Die älteren beiden sind bereits ausgezogen, Sohn Matteo versucht sich bereits selber als Unternehmer: Der HSG-Student hat mit zwei Studienkollegen ein Start-up im Schuhbereich gegründet. Die sich im Aufbau befindende Firma Zaffiro sieht sich als junge Schweizer Businessschuhmarke, die ihre Produkte per Onlinevertrieb an die Konsumenten bringen will.

Die Älteste, Samira, scheint das rebellische Gen von der Mutter geerbt zu haben: Sie soll sich politisch der Juso und den Grünen nahe sehen – dies in einer Familie, die wie wenige andere für rechtskonservatives Politisieren steht. Vater Roberto nimmt es locker: «Kein Problem, unsere Kinder sind ja alles eigenständige Personen.» Ob er seine Enkelin nicht zur Rede stellen und vom «falschen Weg» abbringen wolle, fragt BILANZ Grossvater Christoph Blocher. Nein, nein, winkt er ab: «Es ist ja kein falscher Weg. Nur ein anderer.»

Offene Nachfolge

Wie sie ihren Mann kennengelernt hat, wurde schon wiederholt in den Medien beschrieben: Magdalena war bei Rivella, Roberto, der Präsident des Schweizerischen Marketingclubs des Kantons Aargau war und Firmenführungen organisierte, habe sie angefragt für eine Besichtigung des Unternehmens. Dazu kam es nicht, aber die beiden verabredeten sich zum Mittagessen. Ein Jahr später waren sie verheiratet. Seine Karriere verlief eher wechselhaft, der gelernte Elektronikmechaniker war unter anderem Headhunter. Dreimal kandidierte er für die SVP für den Zürcher Kantonsrat, wurde aber nicht gewählt.

Erst jetzt, da die Kinder erwachsen sind und er auch mehr Zeit hat, dreht er richtig auf. 2024 kaufte er die Mehrheit an der Schweizer Schuhfirma Künzli, bekannt durch ihre fünf Streifen, aber auch durch ihre orthopädischen Sportschuhe. Er rettete die Arbeitsplätze und will der Firma nun zu neuem Glanz verhelfen. Das Gleiche hat er mit einer anderen Ikone der Schweiz vor, mit der Schuhmarke Bally, die dem knallharten US-Investor Michael Reinstein gehört. Die Verhandlungen sind im Gang.

Für den eingangs beschriebenen Auftritt von «Gigi» sei Mobilitätstüftler Frank Rinderknecht auf ihn zugekommen, der mit dem Roboter der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften auf Schweiz-Tournee ist und gute Schuhe für «Gigi» suchte, erzählt Martullo. «Unsere Schuhe haben natürlich Supersohlen», sagt er, aber es sei auch aus Marketingsicht eine Win-win-Situation: «Eine Schweizer Firma, die einer anderen Schweizer Firma hilft – das ist doch eine gute Sache.» In der Tat hat Roberto Martullo für sein Engagement für kriselnde Schweizer Traditionsunternehmen viel Sympathie geerntet – und damit indirekt auch das Image seiner Frau aufgewertet, denn was Roberto Martullo macht, steht genau für die Werte, die sie politisch vertritt. Das hilft auch ihrer Glaubwürdigkeit.

Mit 57 Jahren ist sie noch voll im Saft, keiner kann sich vorstellen, dass sie bald aufhört. Aber die Firma ist sehr stark auf sie zugeschnitten und hat, wie Firmenkenner sagen, ein «Key Person Risk». Sie sagt dazu: «Das bin nicht nur ich. Wir haben 2600 Mitarbeitende mit vielen Stärken. Bei meinem Vater konnte man sich auch keine Nachfolge vorstellen. Ich mache sie nun bereits seit 22 Jahren.»

Als sie ein Teenager war, liess sie viele wissen, dass sie niemals in die Ems und niemals in die Politik wolle. Heute macht sie beides. Was sagen ihre eigenen Kinder, wie stellen die sich zum jetzigen Zeitpunkt zu dieser Frage? «Meine Kinder sind noch in Ausbildung und haben sich noch nicht festgelegt. Wir sind in unserer Familie alle Unternehmer geworden, mein Vater, meine drei Geschwister, mein Mann. Wir hatten aber nie Druck. Mein Sohn hat bereits mit einem Start-up begonnen. Wir werden sehen.»

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