Darum gehts
- 62 Prozent der Marken im Centro Lugano Sud stammen aus dem Ausland
- Gehört zu einem fairen Wettbewerb
- Schweizer Kaufkraft zählt zu den höchsten Europas, lockt internationale Anbieter
Deutscher Rossmann, niederländischer Action, französischer Kiabi und chinesischer Miniso. Alle haben vor nicht allzu langer Zeit den ersten Schritt in die Schweiz gewagt und eigene Filialen eröffnet. Sie sind die bekanntesten Beispiele für eine Entwicklung im Detailhandel, die Einheimischen Angst macht: Ausländische Marken blasen zum Grossangriff auf alteingesessene Schweizer Geschäfte.
So zeigt eine Blick-Auswertung: In den neun grössten Schweizer Einkaufszentren kommt mindestens jeder dritte Laden aus dem Ausland. In der Mall of Switzerland in Ebikon LU sind von 60 Geschäften nur 32 aus der Schweiz. Im Centro Lugano Sud stammen sogar 62 Prozent aller vertretenen Marken von jenseits der Landesgrenze.
Mietermix ist entscheidend
Ob eine Marke aus der Schweiz, Spanien, Skandinavien oder den USA stammt, spielt für die Mall of Switzerland nur eine untergeordnete Rolle. «Der Anteil internationaler Marken ist aus unserer Sicht Ausdruck der heutigen Detailhandelslandschaft», sagt ein Sprecher gegenüber Blick. «Viele internationale Konzepte sind in der Schweiz etabliert und werden von den Konsumenten gezielt nachgefragt.»
So sieht das auch Marcel Stoffel (62). Er ist Detailhandelsexperte und Verfasser des Swiss Council Marktreports. Ein richtiger Mietermix sei entscheidend. «Jeder Quadratmeter muss heute einen Mehrwert für die Besucher schaffen», so Stoffel. «Ziel ist weder möglichst viel Internationalität noch möglichst viel Swissness», so der Experte zu Blick. Er weiss: «Ein Shoppingcenter ist dann besonders erfolgreich, wenn internationale Marken mit starken Schweizer, regionalen und lokalen Anbietern kombiniert werden.»
Und sowieso gilt für ausländische Geschäfte: Schweizerinnen und Schweizer haben mit die höchste Kaufkraft in Europa. Deshalb ist es für die Firmen nur logisch, sich in die Schweiz zu wagen.
Gleich lange Spiesse gefordert
Der Schweizer Detailhändlerverband Swiss Retail Federation stört sich nicht per se an den internationalen Marken. «Neue Anbieter kommen hinzu, Marktanteile verschieben sich, einzelne Anbieter verschwinden wieder. Das gehört zu einem fairen Wettbewerb», so Direktor Patrick Erny. «Bedingung dafür ist aber, dass er sich im Sinne gleich langer Spiesse auf ein gemeinsames Regelwerk für alle Marktteilnehmer stützt.»
In diesem Kontext kritisiert der Verband ausländische Onlineplattformen. Er hat sich vor allem auf den chinesischen Billigshop Temu eingeschossen. «Die Chinesen profitieren vom Zugang zum Schweizer Markt, ohne die hier geltenden Spielregeln einhalten zu müssen», beklagt sich Erny. Damit soll allerdings bald Schluss sein. Der Bund will die Regulierung von Temu und Co. deutlich verschärfen.