Darum gehts
- G7-Gipfel startet am 15. Juni in Evian am Genfersee.
- Genfer Läden verbarrikadieren sich, Holz wegen grosser Nachfrage knapp.
- Genf richtet 6-Millionen-CHF-Hilfsfonds für mögliche Schäden ein.
Die grössten Wirtschaftsmächte des Westens kommen nächste Woche zusammen – und lassen damit Genfer Ladenbetreiber zittern: Der französische Präsident Emmanuel Macron (48) hat zum G7-Gipfel nach Évian am Genfersee geladen. Nächsten Montag beginnt das Treffen der sieben grössten Länder der Welt, wobei Russland seit dem Einmarsch in die Ukraine ausgeschlossen ist. Das weckt in Genf unschöne Erinnerungen.
Denn 2003 fand bereits der G8-Gipfel in Évian statt. Damals kam es in Genf zu massiven Krawallen: Gewaltbereite Demonstranten zerstörten Fensterscheiben, verwüsteten und plünderten mehrere Läden. Die Polizei musste Wasserwerfer und Gummischrot einsetzen. Das Ergebnis: Dutzende Festnahmen, viele Verletzte – und eine Schadenssumme in Millionenhöhe.
Genfer Schreinern geht das Holz aus
Entsprechend bereiten sich die Genfer Geschäfte auf erneute Sachschäden vor. Zahlreiche Läden verbarrikadieren ihre Fensterfronten mit Holzbrettern – insbesondere an der exklusiven und teuren Einkaufsmeile Rue du Rhône, dem Genfer Äquivalent zur Zürcher Bahnhofstrasse.
Die Nachfrage nach Holzbrettern ist so gross, dass einzelne Läden leer ausgehen. «Die Schreinereien sind ausgebucht oder verfügen kaum noch über Material», sagte Flore Teysseire, Generalsekretärin des Gewerbeverbands Genève Commerces, gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.
Der Genfer Stadtrat bewilligte vor drei Wochen eine Anti-G7-Demonstration am kommenden Sonntag auf dem rechten Rhoneufer. Seither wollen auch die dortigen Ladenbetreiber ihre Geschäfte schützen, finden aber eben oft kein Material mehr. Selbst in Lausanne fürchten sich Filialen vor Sachbeschädigungen.
Genf richtet Hilfsfonds ein
Die Geschäfte gehen wegen des G7-Gipfels von empfindlichen Einbussen bei den Einnahmen aus. Genau beziffern lässt sich der wirtschaftliche Schaden nicht. Der Kanton Genf steuert schon mal vorsorglich gegen. Er hat einen Hilfsfonds von 6 Millionen Franken eingerichtet, um Läden für allfällige Schäden durch Ausschreitungen zu entschädigen. Betroffene Unternehmen haben einen Anspruch auf Beträge zwischen 3000 und 100'000 Franken.
Szenen wie 2003 will die Schweiz möglichst verhindern. Neben der Polizei ist auch das Schweizer Militär involviert: Rund 4000 Angehörige der Armee sind während des G7-Gipfels im Assistenzdienst. Zudem ist vom 15. bis zum 17. Juni der Abschnitt der Autobahn A1 zwischen Meyrin GE und Bardonnex GE gesperrt. Die Strecke, die vom Flughafen Genf bis nach Frankreich führt und dabei das Stadtzentrum umgeht, ist eine der verkehrsreichsten der Schweiz. Auch das löst bei Genfer Unternehmen Besorgnis aus, weil einige von ihnen durch die Sperren die Anbindung an die Autobahn verlieren.