Darum gehts
- G7-Gipfel im Juni 2026 in Evian nahe Genf sorgt für Spannungen
- Genf fordert Frankreich zur Übernahme von Demonstrationen auf
- 2003 zahlte Frankreich 15 Millionen Euro nach Ausschreitungen
Die Ereignisse verstörten: 2003 kam es rund um den G8-Gipfel im französischen Evian in Genf zu massiven Krawallen. Zerstörte Fensterscheiben, mehrere Läden wurden zerstört und geplündert, die Polizei setzte Wasserwerfer und Gummischrott ein. Es gab Dutzende Festnahmen, einige Verletzte. Und in Genf wächst die Angst, dass sich die Bilder wiederholen könnten.
Denn der französische Präsident Emmanuel Macron (48) hat im Juni wieder nach Evian auf der anderen Seite des Genfersees geladen. Der G7-Gipfel bringt die Staatslenker der sieben grössten Länder der Welt zusammen. Russland ist seit seinem Einmarsch in die Ukraine nicht dabei. Die meisten Staatschefs dürften über den Flughafen Genf anreisen.
Gegendemonstrationen in Frankreich?
Fast schon traditionell wird es auch grosse Gegendemonstrationen geben. Dafür zuständig soll aber Frankreich sein, fordert die Genfer Staatsrätin Carole-Anne Kast (51, SP). Genf oder die Schweiz sei weder die Organisatorin noch Beteiligte des Gipfels.
Bereits jetzt hatte eine Koalition am 14. Juni 2026 in Genf eine Demonstration angekündigt. Demokratischer Protest müsse zugelassen werden, sagte Kast im Westschweizer Fernsehen RTS. Aber man sei der Ansicht, «dass es Aufgabe der Gastgeberländer ist, all dies zu organisieren». Man habe diese Forderung bei Frankreich bereits schon vor Monaten platziert – konkrete Zusagen fehlen noch.
Ob solche Demonstrationen gar nicht erst erlaubt werden sollen, darüber gibt es unterschiedliche Meinungen. Das Genfer FDP-Gemeinderatsmitglied Maxime Provini plädiert für ein Verbot. Es sei die «vernünftigste Lösung», sagte er in der RTS-Sendung «Forum». Ihm widersprach Sylvain Thévoz von der SP. Wenn es keine Anzeichen für eine Eskalation gebe, müsse man das verfassungsmässig garantierte Demonstrationsrecht verteidigen.
Frage nach den Kosten
In Genf stellt sich zudem noch die Kostenfrage. Um die Sicherheitskosten zu decken, erwartet man in Genf eine finanzielle Unterstützung vom Nachbarn. Immerhin: 2003 bezahlte Frankreich 15 Millionen Euro an die Schweiz. Wegen der Ausschreitungen waren es 3 Millionen mehr als ursprünglich vorgesehen.
Auch der Bund ist involviert. In der vergangenen Woche haben National- und Ständerat einem Armeeeinsatz zugestimmt. Bis maximal 5000 Soldatinnen und Soldaten dürfen eingesetzt werden, unter anderem zum Schutz des Luftraumes. Die Delegationen werden in Frankreich übernachten, kündigte Verteidigungsminister Martin Pfister (62) an. «Deshalb gehen wir davon aus, dass wir am Boden weniger Unterstützungsleistungen anbieten müssen, die Kooperation im Luftbereich aber gleich intensiv bleiben wird.»