Darum gehts
- Die Nutzung der App Quickzoll stieg 2025 um 130 Prozent stark an
- Neue Wertfreigrenze von 150 Franken zeigt offenbar kaum Einfluss auf Einkaufstourismus
- 2025 registrierte der Bund 61,2 Millionen Einfuhren, drei Millionen mehr als im Vorjahr
Hat das die Einkaufstouristen gebremst? Oder kaufen Herr und Frau Schweizer jenseits der Grenze ein wie immer – trotz der Knüppel, die ihnen der Bund im letzten Jahr zwischen die Beine geworfen hat?
Zur Erinnerung: Anfang 2025 sank die Wertfreigrenze von 300 auf 150 Franken. Wer seither auf der anderen Seite der Grenze einkauft und Fleisch, Kleider oder Kosmetikware im Gepäck in die Schweiz zurückbringt, muss bereits ab 150 Franken Mehrwertsteuer zahlen.
Nun zeigt sich: Seit Einführung der tieferen Grenze ist die Nutzung der App Quickzoll – auf ihr kann jeder die Waren selbst anmelden, ohne am Grenzposten halten zu müssen – explodiert. Waren 2024 noch 83’970 Anmeldungen eingegangen, hat sich diese Zahl 2025 auf 192’492 erhöht. Es ist eine satte Zunahme von rund 130 Prozent. Diese Zahlen nennt das Bundesamt für Zoll und Grenzschutz (BAZG) auf Anfrage von Blick.
Das liege aber nicht nur an der Senkung der Wertfreigrenze, «sondern auch an der zunehmenden Bekanntheit der App», so der Bund. Tatsache ist aber: Einen so hohen Sprung hat die Nutzung der App noch nie gemacht.
Offen bleibt damit, ob der Einkaufstourismus durch die Massnahme wirklich gebremst werden konnte. Klare Zahlen fehlen. Denn der Bund erhebt – über die App hinaus – weder die «Gesamtanzahl der Verzollungen im Reiseverkehr» noch die Gesamteinnahmen an der Grenze.
Steigende Kosten in der Schweiz
Eine Studie der Universität St. Gallen stellte im vergangenen Herbst eine Zunahme des Einkaufstourismus fest – trotz tieferer Freigrenze. Insbesondere Lebensmittel kauften Schweizer öfter auf der anderen Seite der Grenze ein. «Die Absenkung der Zollfreigrenze hatte in dieser Warengruppe kaum Einfluss», heisst es in der Studie.
Der Grund für den Einkaufstourismus: «Viele Haushalte in der Schweiz zahlen für Energie und Krankenkasse mehr.» Die schlechte Konsumstimmung fördere das Einkaufen jenseits der Grenze – «trotz einer Verteuerung der Waren im benachbarten Ausland». Mehr als die Wertfreigrenze, so die St. Galler Studie, halten volle Züge oder überfüllte deutsche Läden die Schweizer Einkaufstouristen vom Gang über die Grenze ab. Diese überschätzten zudem oft, wie viel sie sparen.
Gewerbe spürt keinen deutlichen Effekt
Klar für die Senkung auf 150 Franken ausgesprochen hat sich das Gewerbe in Grenznähe. «Wir wären auch für eine weitere Senkung», sagt Matthias Hotz, Präsident der Vereinigung TG Shop. Diese vertritt die Thurgauer Fachgeschäfte. «Wir wollen einzig gleich lange Spiesse und einen fairen Wettbewerb. Es sollte keine steuerfreien Einkäufe geben», so Hotz. Zudem seien die Löhne in der Schweiz deutlich höher.
Bilanz zu ziehen nach einem Jahr Wertfreigrenze sei schwierig, sagt Hotz. Einen deutlichen positiven Effekt haben die Fachgeschäfte zwar nicht gespürt. Das müsse aber nicht heissen, dass die Wertfreigrenze nicht wirken würde. «Im Moment sind die Kunden aufgrund der weltpolitischen Lage sehr zurückhaltend mit Einkäufen. Sie sparen eher», sagt Hotz. Zudem habe auch der Euro-Kurs einen grossen Einfluss auf das Einkaufsverhalten. Zurzeit ist die Währung im Nachbarland schwach, was das Einkaufen nochmals günstiger macht.
Auch der Päckli-Import boomt
Laut der St. Galler Studie liess sich noch ein weiterer Effekt feststellen: Mit der Senkung der Wertfreigrenze lassen sich weniger Schweizer die deutsche Mehrwertsteuer zurückerstatten – möglicherweise weil die Ersparnis in Franken geringer ist als zuvor. Das Hauptzollamt in Singen sagt denn auch auf Anfrage von Blick: «Auswirkungen, die direkt auf die Absenkung der Einfuhrfreigrenze auf 150 Schweizer Franken für Wareneinfuhren in die Schweiz zurückführen lassen, nehmen wir derzeit nicht wahr.»
Neueste Zahlen des Bundes zeigen: Nicht nur der Einkaufstourismus boomt, sondern auch das Bestellen von Ware im Ausland grundsätzlich. 61,2 Millionen Einfuhren zählte der Bund bei den Zollanmeldungen, drei Millionen mehr als im Jahr zuvor.