Darum gehts
- Winfried Kretschmann (77) tritt als Ministerpräsident von Baden-Württemberg ab
- Cem Özdemir (60) könnte sein Nachfolger werden und Schweiz-Beziehungen weiter stärken
- Baden-Württemberg ist grosser Handelspartner der Schweiz
Der grosse Schweiz-Freund Winfried Kretschmann (77) tritt bald als Ministerpräsident von Baden-Württemberg ab. Regelmässig schwärmte der Grüne über den südlichen Nachbarn, und er reiste häufiger in die Schweiz als irgendwo sonst hin. Nun bekommt das Bundesland einen neuen Regierungschef.
Es ist einer der bekanntesten Politiker Deutschlands, der Winfried Kretschmann beerben könnte: Cem Özdemir (60). Die Grünen haben mit dem Schwaben die Wahl im Bundesland am Sonntag gewonnen – obwohl es lange danach ausgesehen hatte, als müssten sie sich der CDU geschlagen geben. Özdemir bekleidete bereits zahlreiche Spitzenämter. Er war Bundestagsabgeordneter und Parteichef der Grünen, später auch Landwirtschaftsminister auf Bundesebene. Mit ihm könnte die Schweiz nun erneut einen Freund als Regierungschef direkt ennet der Grenze gewinnen.
Partei feiert Erfolge der Schweiz-Partnerschaft
Das Parteiprogramm von Özdemirs Grünen lässt kaum andere Schlüsse zu: Von den Beziehungen zu unserem Land wird regelrecht geschwärmt! In der Grenzregion sei es «gelebter Alltag», am Morgen in Baden-Württemberg aufzuwachen, in der Schweiz zur Arbeit zu gehen und am Abend Freunde in Frankreich zu treffen. Die Schweiz sei für das Bundesland ein zentraler Partner.
Daher begrüsse man auch die politische Einigung zwischen dem Schweizer Bundesrat und der Europäischen Kommission über ein neues Vertragspaket. «Massgeblich dazu beigetragen» habe die Schweiz-Strategie der baden-württembergischen Landesregierung und «unser Einsatz als Brückenbauer zwischen der Schweiz und der EU», so die Grünen.
2024 habe man die Schweiz-Strategie aktualisiert, mit dem Ziel, die Verflechtung entlang der Grenze zu stärken. Heute sehe man viele Erfolge der guten Partnerschaft – zum Beispiel der grenzüberschreitende Nahverkehr.
Baden-Württemberg ist eng mit der Schweiz verflochten. Die Schweiz ist der zweitwichtigste Handelspartner des 11-Millionen-Bundeslands – sowohl bei Exporten als auch bei Importen. Im Jahr 2024 gingen Waren im Wert von 20,2 Milliarden Euro aus Baden-Württemberg in die Schweiz, Güter im Umfang von 18,7 Milliarden wurden eingeführt.
Die Schweiz als Erfolgsbeispiel
Der abtretende Landesvater Kretschmann kam in seinen Abschiedsreden mehrfach auf die Schweiz zu sprechen. Seine Botschaft: Europa soll von der Schweiz lernen. In einer Rede im Landtag – dem Parlament Baden-Württembergs – beschrieb er die Eidgenossenschaft als eine Art Gegenentwurf zu einem bröckelnden Europa: «Die Schweiz ist keine Schicksalsgemeinschaft, sie ist eine Willensnation.»
Kretschmann ist der erste und bislang einzige grüne Regierungschef eines deutschen Bundeslands. Zuvor war Baden-Württemberg jahrzehntelang fest in der Hand der CDU – der Partei von Bundeskanzler Friedrich Merz (70).
Eine erste Version dieses Artikels ist am 25. Februar 2026 erschienen. Er wurde umfassend aktualisiert.