Schweizer Einkaufstouristen in Deutschland können aufatmen
Ist die Horror-Bagatellgrenze von 175 Euro vom Tisch?

Aufatmen bei Schweizern und Grenzhandel: Deutschland begräbt die umstrittene 175-Euro-Bagatellgrenze wohl endgültig. Vorest wird die geltende 50-Euro-Limite beibehalten.
Kommentieren
1/6
Seit 2020 gilt für Einkaufstouristen in Deutschland: Wer für weniger als 50 Euro einkauft, erhält die Mehrwertsteuer nicht zurück.
Foto: Keystone

Darum gehts

  • Deutschland belässt Bagatellgrenze wohl bei 50 Euro für Schweizer Einkaufstouristen
  • Bundesfinanzministerium erwägt langfristig eine Abschaffung der Steuergrenze
  • Schweizer Käufer geben jährlich 2,5 Milliarden Euro in Baden-Württemberg aus
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.

Schweizer Einkaufstouristen und der grenznahe Detailhandel können aufatmen: Deutschland verzichtet wohl endgültig auf eine Anhebung der Bagatellgrenze bei der Mehrwertsteuer-Rückerstattung. Eine Rückerstattung erst ab 175 Euro sei «vom Tisch», sagte der Konstanzer CDU-Bundestagsabgeordnete Andreas Jung (50) der Regionalzeitung «Südkurier». Das Blatt schrieb selbst von einer «Horror-Bagatellgrenze». Stattdessen soll die Abwicklung rasch digitalisiert werden.

Der Hintergrund sorgt immer wieder für Debatten: Seit 2020 gilt für Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten in Deutschland eine Bagatellgrenze von 50 Euro. Darunter wird keine Mehrwertsteuer zurückerstattet. Immer wieder forderten der Bundesrechnungshof – also die Finanzkontrolle in Berlin – und Finanzpolitiker eine Erhöhung, zuletzt noch im Oktober 2025. Dagegen formierte sich im deutsch-schweizerischen Grenzgebiet massiver Widerstand von Handel, Wirtschaftsverbänden und Gemeinden.

«Dann gehen wir halt mehrmals einkaufen»
1:48
Nach Senkung Wertfreigrenze:«Dann gehen wir halt mehrmals einkaufen»

Nach Informationen des «Südkuriers» bröckelt nun auch im Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestags die Unterstützung für höhere Schwellenwerte. Sowohl CDU- als auch SPD-Vertreter distanzieren sich demnach von den Plänen. Auch das Bundesfinanzministerium signalisiert, die 50-Euro-Grenze beizubehalten – unter Umständen sei langfristig sogar eine Abschaffung möglich.

Künftig soll eine App die Steuererstattung vereinfachen und den Zoll entlasten. Schweizer Käufer gelten als wichtiger Wirtschaftsfaktor: Sie geben laut einer Studie jährlich rund 2,5 Milliarden Euro im südlichen Baden-Württemberg aus.

Starker Franken treibt Einkaufstourismus an

Die Diskussion um die Bagatellgrenze dauert schon seit Jahren an. Hintergrund ist der starke Franken. 2011 legte die Nationalbank einen Mindestkurs von 1.20 Franken für 1 Euro fest, um die Wirtschaft vor den Folgen der Euro-Krise zu schützen. Diese Abwertungspolitik hielt sie bis Januar 2015 durch, dann musste sie den Kurs wieder freigeben.

Seither ist der Franken nochmals deutlich stärker geworden. Aktuell kostet 1 Euro nur noch 93 Rappen. Das heisst: Schweizer Einkaufstouristen bekommen ennet der Grenze noch mehr fürs Geld! Um den Zoll administrativ zu entlasten und den Ansturm etwas zu bremsen, führte Deutschland die 50-Euro-Grenze ein. 

Schweiz hat Zollfreigrenze gesenkt

Doch auch die Schweizer Seite blieb nicht untätig. Vergangenes Jahr wurde die Zollfreigrenze für Einkäufe im Ausland von 300 auf 150 Franken pro Person gesenkt. Damit wurden die Euro-Schnäppchen in Deutschland für Schweizerinnen und Schweizer unattraktiver. Wer für mehr Geld ennet der Grenze shoppt, muss seine Einkäufe mit der hiesigen Mehrwertsteuer versteuern.

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen