Darum gehts
- Michael C. Oehl sammelt Unterschriften gegen Aromats Verkauf an McCormick.
- Petition für Produktionsgarantie und Erhalt des Geheimrezepts schon bei 10'000 Stimmen.
- 180 Arbeitsplätze in Thayngen SH bedroht, 600 Mio. Dollar Einsparziel der Konzerne.
Der Verkauf der kultigen Streuwürze Aromat an den US-Lebensmittelmulti McCormick schmeckt Michael C. Oehl (34) gar nicht. Unter dem Titel «Aromat ghört dr Schwiiz» hat der Unternehmer aus Arlesheim BL deshalb eine Petition lanciert. Er fordert eine Produktionsgarantie für die Fabrik in Thayngen SH – und dass die Amis die Finger vom Rezept lassen. Damit rennt Oehl offene Türen ein. Schweizweit berichten Medien über sein Ansinnen, Aromat-Fans zeichnen die Petition. Heute Abend dürfte er das Ziel von 10'000 Unterschriften erreichen.
«Ich bin überwältigt vom grossen Echo!», sagt Oehl zu Blick. Viele Leute hätten eine ganz persönliche Geschichte mit der Schweizer Streuwürze. «Das zeigt mir: Es geht um mehr als nur ein Gewürz.» Die Schweiz habe genug vom Ausverkauf von Traditionsfirmen. Die Menschen seien bereit, etwas zu tun, statt nur zuzuschauen. Für Oehl ist klar: «Es geht um Traditionen, Know-how und Wertschöpfung, die wir nicht länger einfach ins Ausland abwandern lassen wollen.»
«Wir bauen die Bewegung weiter aus»
Deshalb legt er auch nach 10'000 Unterschriften die Hände nicht in den Schoss. «Jetzt bauen wir die Bewegung weiter aus. Das nächste Ziel sind 20’000 Unterschriften», gibt er sich kämpferisch. Am 4. April hat er deshalb den gleichnamigen Verein «Aromat ghört dr Schwiiz» gegründet. Das soll aber nur eine Übergangslösung bleiben. Denn Oehl schwebt eine Aromat Schweiz AG oder eine Genossenschaft vor. «Eine Volksaktie, damit jeder Schweizer Mitbesitzer werden kann», so seine Vision. Man müsse parat sein und zuschlagen, wenn McCormick den Deal konsolidiere und kleine Marken wie Aromat abstosse.
Auch damit scheint er einen Nerv zu treffen. Denn: «Mehrere Akteure aus der Schweizer Lebensmittelindustrie und aus dem Family-Office-Umfeld haben sich gemeldet», sagt Oehl. «Erste Gespräche laufen. Es ist noch zu früh für Namen oder Zahlen, alles andere wäre nach 10 Tagen auch nicht seriös – aber das Interesse ist da.» Man sei voll auf Kurs mit der Aromat-Lösung, so Oehl. «Das war auch das Ziel: zeigen, dass eine Schweizer Lösung trägt.»
180 Jobs stehen auf dem Spiel
In Thayngen, wo Aromat 1952 erfunden wurde und heute noch produziert wird, geht das Bangen derweil weiter. Dort geht es nicht nur um Tradition, sondern vor allem um 180 Jobs. Die zentrale Frage: Bleibt die Produktion in der Knorr-Fabrik im Kanton Schaffhausen? Sie ist berechtigt. Denn die Konzerne erwarten jährliche Kosteneinsparungen von 600 Millionen Dollar. Das ist nur mit Schliessungen von Fabriken möglich. Ein Aus in Thayngen, wo bei Knorr einst 1000 Leute einen Job hatten, wäre ein harter Schlag für die ganze Region.