So warb Aromat 1953 für seine Produkte
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«Praktisch wie ein Bankkonto»:So warb Aromat 1953 für seine Produkte

Er will Kultgewürz retten
«Unser Aromat darf nicht in amerikanische Hände fallen!»

Aromat-Hersteller Knorr gehört neu dem US-Gewürzkonzern McCormick. Die Fabrik in Thayngen SH steht auf der Kippe. Michael C. Oehl (34) aus Arlesheim BL kämpft dafür, dass Aromat schweizerisch bleibt. Er hat einen Rettungsplan ausgeheckt.
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Aromat gehört in der Schweiz einfach auf den Tisch.
Foto: Siggi Bucher

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Aromat wurde am Dienstag für 44,8 Milliarden Dollar an McCormick verkauft
  • 180 Jobs in Thayngen SH bedroht, Produktionsverlagerung möglich
  • Petition mit Ziel 10'000 Unterschriften gegen Verkauf von Michael C. Oehl gestartet
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Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Aromat ist Kult. Die Streuwürze aus Thayngen SH spielt in einer Liga mit Rivella, Ricola und Zweifel. Kurz: Schweizerischer gehts nicht. Genau dieses Aromat wurde am Dienstag in die USA verkauft. Der britisch-niederländische Konsumgüterriese Unilever, dem der Aromat-Hersteller Knorr heute gehört, fusioniert sein Food-Geschäft mit dem US-Gewürzkonzern McCormick. Damit wird auch das Kultgewürz künftig amerikanisch.

Für Unilever und McCormick geht es um viel Geld. Der Megadeal hat ein Volumen von rund 44,8 Milliarden Dollar. Für Thayngen, wo Aromat 1952 erfunden wurde und heute noch produziert wird, geht es um 180 Jobs. Die bange Frage: Bleibt die Produktion in der Knorr-Fabrik im Kanton Schaffhausen? Die Frage ist berechtigt. Denn die Konzerne erwarten jährliche Kosteneinsparungen von 600 Millionen Dollar. Das ist nur mit Schliessungen von Fabriken möglich. Ein Aus in Thayngen, wo bei Knorr einst 1000 Leute einen Job hatten, wäre ein harter Schlag für die ganze Region.

Amis sollen Finger vom Rezept lassen

Nach der Fusion wird schnell klar: Aromat-Fans schmeckt der Besitzerwechsel gar nicht – insbesondere Michael C. Oehl (34) nicht. «Unser Aromat darf nicht in amerikanische Hände fallen!», sagt er zu Blick. Unter dem Titel «Aromat ghört dr Schwiiz» hat der Unternehmer aus Arlesheim BL deshalb eine Petition lanciert. Und einen Vier-Punkte-Plan ausgeheckt. «Ich will nicht, dass wir unsere Schweizer Traditionen verkaufen», sagt er zu Blick. Sigg, Toblerone, Sugus oder Ovomaltine hat schon ausländische Besitzer. «Irgendwann muss man aufstehen und handeln.»

Oehl fordert eine Produktionsgarantie für die Fabrik in Thayngen und dass die Amis die Finger vom Rezept lassen. «Wir müssen eine Schweizer Lösung prüfen», so Oehl. Ihm schwebt eine Aromat Schweiz AG oder eine Genossenschaft vor. «Eine Volksaktie, damit jeder Schweizer Mitbesitzer werden kann», so seine Vision. Man müsse parat sein und zuschlagen, wenn McCormick den Deal konsolidiere und kleine Marken abstosse.

«Aromat ist eine Kindheitserinnerung»

Mit Aromat verbindet Oehl viele schöne Erinnerungen. «Aromat war immer dabei, mitten in der Natur, auf einem Berg. Gurken, Tomaten, hart gekochte Eier und Aromat.» Dieses Bild habe er heute noch vor Augen. «Für mich ist Aromat kein Gewürz – es ist eine Kindheitserinnerung», sagt Oehl. Die Idee zur Rettung von Aromat sei ihm am letzten Freitag unter der Dusche gekommen, als er im Radio vom Deal gehört habe.

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Zwei Stunden später stand die Webseite, war die Petition formuliert. «Ich hätte mir niemals vorstellen können, dass ich einmal eine Aromat-Kampagne lancieren würde», sagt er zu Blick. «Aber manchmal muss man einfach aufstehen. Nicht jammern, sondern anpacken. Einfach machen.» 10'000 Unterschriften will er zusammenbringen. «Dann haben wir genug, um McCormick, Unilever und die Schweizer Behörden zum Handeln zu bewegen.» Über 500 Unterschriften hat er zusammen – innerhalb von weniger als einem Tag.

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