Darum gehts
- Coop, Migros und Lidl reduzieren Glasflaschenverkauf während Street Parade in Zürich
- Einschränkung gilt nur für gekühlte Getränke und an bestimmten Verkaufsstellen
- Die Hälfte der Sanitätsfälle an der Parade wird laut Veranstalter durch Schnittverletzungen an Glasflaschen verursacht
«Uns ärgert, dass die Detailhändler Glasflaschen verkaufen», sagte Stefan Epli, Mediensprecher des Veranstalters der Street Parade, vergangenes Jahr zu Blick. Der Verein stört sich an den gläsernen Prosecco-, Bier- oder Wodka-Flaschen, mit denen die Grossverteiler rund ums Zürcher Seebecken jedes Jahr ihre Regale vollstopfen.
Ein Grossteil der Flaschen würde nicht richtig entsorgt, moniert der Verein – sondern einfach in den Abfallcontainer oder auf den Boden geworfen. An den Scherben zerschneiden sich die Besucher dann die Füsse: «Der grösste Teil von Sanitätsbehandlungen sind Schnittverletzungen», sagt Epli. Eigentlich müssten sich Coop und andere Supermärkte deshalb bei den Kosten für die Abfallbeseitigung beteiligen, fordert er.
Coop verbannt Glasflaschen – aber nur zum Teil
Die Kritik zeigt offenbar Wirkung: Die Grossverteiler Migros und Coop versprachen im Mai dieses Jahres, in ihren Filialen rund um die Mega-Parade keine Spirituosen in Glasflasche mehr zu verkaufen. Aber Moment: Zwar reihen sich am Samstagmorgen in der Coop-Filiale am Zürcher Bahnhof Stadelhofen in den Kühlregalen tatsächlich nur Dosen aneinander. Direkt gegenüber, auf Holzpaletten gestapelt, stehen aber literweise Corona-Bier und Smirnoff-Alcopos – in Glasflaschen. Auch an der Kasse stehen Dutzende Absolut-Wodka- und Schnapsflachen.
Auf Anfrage von Blick präzisiert ein Coop-Sprecher: Die Einschränkung gelte ausschliesslich «für gekühlte Getränke in Glasflaschen in den definierten Verkaufsstellen entlang der Route.» Heisst: ungekühlten Wodka, Wein oder Whisky gibts nach wie vor im Glas. Den Fokus habe man bewusst auf den gekühlten Bereich gelegt, weil dort die Nachfrage besonders hoch sei. In der Fooby-Filiale von Coop an der Seefeldstrasse 9, die zwar nicht direkt an der Route, aber wenige Gehminuten entfernt liegt, zeigt sich: Auch unzählige Proseccos stehen im Kühlregal in Glasflaschen bereit. Dazu erklärt der Sprecher: «Vom Verkaufsstopp betroffen sind die Coop-Supermärkte im Bahnhof Stadelhofen und im Bahnhof Enge sowie der Coop Pronto beim Tessinerplatz.» Für den Coop-Ableger im Zürcher Seefeld gilt die Massnahme also nicht. Man habe von Beginn an von «einer Ausweitung auf Verkaufsstellen ausserhalb des Perimeters» abgesehen.
Auch Lidl verzichtet nur «im gekühlten Bereich»
Die gleiche Strategie wählt auch der Discounter Lidl: In der Filiale in der ehemaligen Fraumünsterpost verkaufe man während der Street Parade «im gekühlten Getränkebereich konsequent keine Glasflaschen», so eine Sprecherin gegenüber 20 Minuten. In den ungekühlten Gestellen seien Glasflaschen weiterhin erhältlich.
Dem Verein wäre es derweil am liebsten, die Detailhändler rund ums Street-Parade-Areal würden während der Party ganz auf Glasflaschen verzichten: «Im Idealfall wären gar keine Glasflaschen mehr im Umlauf und die Detailhändler würden ein Depot verlangen, sodass die Getränke am gekauften Ort zurückgebracht und fachgerecht entsorgt werden könnten», so Epli zu Blick. Die jetzigen Massnahmen seien lediglich «ein Schritt in die richtige Richtung». Aus Sicht von Coop wäre dies logistisch jedoch «kaum umsetzbar und nicht zielführend».