Darum gehts
- Am 6. August findet in Zürich die 33. Street Parade statt
- 250 Protectas-Mitarbeitende sichern Eingänge, Läden und private Liegenschaften ab
- Die Terrorgefahr spielt auch bei der Planung der Sicherheitskonzepte von privaten Sicherheitsdienstleistern eine Rolle
Den Terroranschlag am Berliner Christopher Street Day (CSD) vom 25. Juli hat Europa noch nicht verdaut. Weil IS-Anhänger Abdul Ballout (†21) mit einem Lieferwagen in eine Menschenmenge fuhr, verlor eine Frau ihr Leben. 29 weitere Personen wurden verletzt.
Exakt zwei Wochen später steht in Zürich die grösste Techno-Party der Welt an. Auch an der Street Parade wird die LGBTQ-Bewegung bekanntermassen gross gefeiert. Diesen Samstag erwarten die Veranstalter wieder bis zu einer Million Feierhungrige in der Limmatstadt. Für das Sicherheitskonzept der gesamten Parade verantwortlich ist jeweils der Veranstalter. Er erarbeitet es zusammen mit der Stadt- und Kantonspolizei Zürich.
Um ihre Geschäfte oder Häuser zu schützen, holen sich aber auch Grossverteiler wie Migros und Coop, kleinere Gewerbler in der Innenstadt sowie Liegenschaftsbesitzer Unterstützung bei der Sicherheit. Dafür beauftragen sie private Firmen. Eine davon ist Protectas – neben der Securitas AG der grösste private Sicherheitsdienstleister der Schweiz.
250 Angestellte im Einsatz
Die Street Parade ist für Protectas ein Kampftag. Es ist der zweitgrösste jährliche Einsatz für Stefan Scholz (41) und sein Team, wie der Abteilungsleiter für Schutzdienste gegenüber Blick erklärt. Diesen Samstag werden rund 250 Protectas-Mitarbeitende auf den Strassen Zürichs unterwegs sein – einige auch in Zivil, beispielsweise Ladendetektive. Rund 80 Prozent von ihnen sind Männer. Sie stehen an den Eingängen oder in den Läden der Detailhändler, kontrollieren den Zugang und schauen, dass «kein Chaos ausbricht», so Scholz. Private Liegenschaften würden zum Teil auch abgesperrt und dann innerhalb des Zauns überwacht.
«Die Sicherheitsvorbereitungen an der Street Parade setzen eine monatelange Planung voraus», erklärt Scholz. Dabei würden aktuelle Entwicklungen und Trends genau beobachtet und bei der Ausarbeitung des Sicherheitskonzepts berücksichtigt. Ob auch der Terroranschlag in der deutschen Hauptstadt in diesem Jahr in die Beurteilung eingeflossen ist? Scholz gibt sich zurückhaltend. Seit 2014 würden die Sicherheitskonzepte für Grossveranstaltungen im Hinblick auf die veränderte Bedrohungslage kontinuierlich überprüft und weiterentwickelt. «Dabei gilt der Grundsatz, dass bereits eine einzelne Person mit entsprechender Tatabsicht erheblichen Schaden verursachen kann», sagt der Sicherheitsexperte. «Solche Szenarien fliessen deshalb selbstverständlich in die Sicherheitsplanung und Lagebeurteilung ein.»
Schäden machen «einen Bruchteil von 1.-Mai-Demos» aus
Trotz des grossen Sicherheitsaufgebots: Diebstähle, Sachbeschädigung oder andere Zwischenfälle lassen sich nie ganz verhindern. Wie hoch die dadurch entstandenen Kosten für die Protectas-Kunden jährlich ausfallen, will Scholz nicht beziffern. Nur so viel: «Das Ausmass der Schäden ist nur ein Bruchteil dessen, was wir jeweils an den 1.-Mai-Demonstrationen beobachten.» Die Klientel sei eine andere.
Ein weiteres Thema an der diesjährigen Veranstaltung ist die Gluthitze: Am Samstag werden in Zürich Temperaturen von bis zu 32 Grad erwartet. Scholz betont: «Damit unsere Mitarbeitenden ihrem Leistungsanspruch gerecht werden können, sorgen wir dafür, dass sie gut gegen die Hitze gerüstet sind. Konkret heisst das: Sonnencreme, genügend Flüssigkeit und regelmässige Pausen.» Dasselbe legt der Abteilungsleiter auch allen Besuchern ans Herz. Ein Plus für die Protectas-Einsatzkräfte: «Sie halten sich aufgrund ihres Auftrags viel in klimatisierten Ladenzonen auf, sind also nicht ständig der sengenden Hitze ausgesetzt.»
Die Street Parade endet zwar offiziell um 24 Uhr, viele Partygäste dürften aber bis in die frühen Morgenstunden weitertanzen. Für Scholz und sein Team bedeutet das Ende der Mega-Fete: «Nach der Street Parade ist vor der Street Parade.» Schon in der kommenden Woche startet die Firma die Analyse zur diesjährigen Veranstaltung – damit die nächste bestenfalls noch reibungsloser verläuft.