Sandra Freund ist seit 2024 Chefin von Rigotex
Sie hält die Schweizer Gschirrtüechli-Tradition hoch

Die Halbleinen-Küchentücher von Meyer-Mayor sind in fast aller Hände. Vor über einem Jahr übernahm Sandra Freund die 1830 gegründete Traditionsmarke. Sie setzt nicht nur voll auf «Swiss Made», sondern verbindet Kult mit Moderne.
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Eine Hand trocknet die andere: Sandra Freund sponsert mit Meyer-Mayor den Toggenburger Schwinger und zweifachen Eidgenossen Marcel Räbsamen.
Foto: Kurt Reichenbach

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René Haenig
Schweizer Illustrierte

Ein Tuch, das Stoff für Bücher bietet und Lyriker inspiriert – das ist das gute alte Küchentuch. 2025 erschien im Zürcher Verlag Scheidegger & Spiess sogar ein 304-Seiten-Werk: «Das Küchentuch. Ansichten zu einem Alltagsgegenstand». Bereits 1942 huldigte Milán Füst im Roman «Die Geschichte meiner Frau» dem Küchentuch literarisch: «Auf dem Flur polierte der Junge die Teller, ich beobachtete ihn, sah ihm zu, wie er das Küchentuch in den Gläsern drehte und sie dann vor die Lampe hielt, ob sie schon so glänzten, wie er es haben wollte.»

Gehts um Schweizer Gschirrtüechli, steht seit 1830 ein Name als Synonym für Qualität, Langlebigkeit – und Tradition: Meyer-Mayor. Nach einer wechselvollen Geschichte übernahm vor einem Jahr die Frauenfelder Unternehmerin Sandra Freund (54) die Rigotex AG in Bütschwil, zu der Meyer-Mayor seit 2018 gehört. Freund selbst benutzte die Küchentücher seit Jahrzehnten im eigenen Haushalt, ist von deren Qualität überzeugt. «Sie sind unkaputtbar.»

Klassisch: Das berühmte Karo-Design der Meyer-Mayor-Küchentücher wird in Bütschwil im Toggenburg gewebt.
Foto: Kurt Reichenbach

So musste sie nicht lange überlegen, als sich ihr Ende 2024 die Gelegenheit zum Kauf dieser Traditionsfirma bot. Freund brennt für Schweizer Qualitätsprodukte. Mit Andrea Hagmann (58) holt sich die Unternehmerin «eine Textilerin durch und durch» an Bord – als Betriebsleiterin. Schon Hagmanns Urgrossvater war Stricker auf der Schwäbischen Alb; sie selbst ist gelernte Textillaborantin und eine der ersten weiblichen Färbermeister der Schweiz.

Artikel aus der «Schweizer Illustrierten»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Schweizer Illustrierten» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du auf www.schweizer-illustrierte.ch.

Den Mutigen gehört die Textilwelt

Meyer-Mayors Sortiment umfasst Küchen-, Geschirr-, Gläser- und Abwaschtücher, Topflappen, Halb- und Latzschürzen. Eine Million Tücher werden jährlich in Bütschwil SG auf 13 Webstühlen gewebt, die Kapazitätsgrenze ist längst nicht erreicht. Freund kaufte sogar noch drei Webstühle der vor dem Aus stehenden Weberei Russikon ZH und übernahm zudem einen der dort beschäftigten Weber. Ihr Credo: Den Mutigen gehört die Welt! Wobei Mut nicht mit Übermut zu verwechseln sei.

Fusselfrei: Baumwollzwirne in der Kette und nass gesponnene Langflachsleinen im Schuss sind gefragt bei Gläsertüchern.
Foto: Kurt Reichenbach

Meyer-Mayors Kunden, angefangen bei Haushaltfachgeschäften über Geschenkläden bis hin zu Warenhäusern wie Loeb und Globus, wollen Schweizer Qualitätsprodukte. Auch online gibts die Küchen- und Geschirrtücher, wobei Freund einräumt: «Unser Online-Auftritt führt noch ein stiefmütterliches Dasein, aber das gehen wir an. Solange verkaufen wir das Sortiment über unseren Schweizer Concept-Store feinedinge.ch.»

Ein Küchentuch hängt im Museum

Erstmals in der bald 200-jährigen Firmengeschichte kommen jährlich zwei neue Kollektionen auf den Markt – mit modernen Designs, poppigen Farben, dazu Artikel wie Etuis und Kirschkernkissen. Getreu dem Motto: Tradition wahren und Modernes wagen. Eines der neusten Meyer-Mayor-Küchentücher ist sogar im Museumsshop Zentrum Paul Klee zu sehen.

Designt: Zweimal jährlich gibts neue Kollektionen. Hier korrigiert Sandra Freund einen Entwurf – aus Zeitglockenturm Bern wird Zytglogge.
Foto: Kurt Reichenbach

Neben Designs und Farben zählt vor allem die Stoffqualität. Primär werden Zwirnhalbleinen verarbeitet – eine Mischung aus Baumwolle, Leinen oder reiner Baumwolle, was die Tücher besonders saugstark macht. Die Kombination aus Baumwolle in der Kette und robustem, nass gesponnenem Langflachsleinen im Schuss macht sie strapazierfähig, und der hohe Leinenanteil sorgt dafür, dass sie fusselfrei und damit ideal zum Gläserpolieren sind.

Leinengarne bezieht das Unternehmen aus Frankreich, Flachs aus dem Emmental – und neu wird auch recycelte Baumwolle verarbeitet. «Eine echt gute Qualität», wie Freund erfahren hat. Ein Geschirrtuch besteht aus 5500 Fäden, fürs Standardmass von 50 auf 70 Zentimeter sind 15 bis 20 Minuten Arbeitszeit nötig, und der Preis liegt zwischen 21.90 und 32 Franken. Dafür gibts Qualität – und Service. Den erlebte kürzlich eine belgische Chirurgin, die Ferien in der Schweiz machte und bei Meyer-Mayor per Mail wegen deren legendärer Gläsertücher anfragte. Die Firma lieferte – von Bütschwil direkt ins Ferienhotel.

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