«Odermatt hat viel in den Markenwert eingezahlt»
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CEO von Stöckli:«Odermatt hat viel in den Markenwert eingezahlt»

Odermatt-Ausrüster verlängert Garantie als erster Hersteller auf vier Jahre
Wie Stöckli den Skimarkt aufmischt

Skihersteller bieten ihren Kunden in der Regel zwei Jahre Garantie. Doch jetzt prescht Stöckli vor – und verdoppelt auf vier Jahre. Das sei zwar ein Risiko, aber der richtige Schritt, sagt der Chef der Luzerner Firma, die auch Marco Odermatt mit Ski ausrüstet.
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Marc Gläser, CEO von Stöckli, prüft Ski im firmeneigenen Laden in Malters.
Foto: Thomas Meier

Darum gehts

  • Stöckli verdoppelt die Garantiedauer für Ski
  • Das Unternehmen verkauft jährlich 75'000 Paar
  • Die Schweizer Skimarke ist auch in Österreich gefragt
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Marco LüssiBlattmacher

Der erste Schnee ist in diesem Jahr früh gefallen, und Marco Odermatt gewinnt jedes Rennen, bei dem er es ins Ziel schafft: Das macht den Schweizerinnen und Schweizern offenbar Lust auf Skifahren. Jedenfalls deutet einiges darauf hin, dass es eine gute Wintersportsaison wird. Peter Bruggmann (62), Präsident des Verbands Sportfachhandel Schweiz Asmas, sagt: «Die Zahlen ausgewählter Sportfachgeschäfte, die uns schon vorliegen, lagen im Oktober 20 Prozent über dem Vorjahr.» Gerade die Skimiete boome im Unterland.

Ortstermin in Malters LU bei Stöckli, dem einzigen international bekannten Schweizer Skihersteller. Stöckli trägt nicht nur einen Namen, wie er schweizerischer kaum sein könnte. Stöckli ist auch schweizerisch durch und durch: Die im Jahr 1935 gegründete Firma ist in Schweizer Besitz und produziert ihre Ski ausschliesslich in Malters. Und als Ausrüster von Skistar Marco Odermatt verfügt Stöckli über den besten Werbeträger, den sich ein Schweizer Unternehmen wünschen kann.

«Bisher bester Saisonstart»

In der Manufaktur, wie Stöckli seine Produktionsstätte nennt, arbeitet ein eingespieltes Team von Mitarbeitern mit ruhiger Konzentration. Die einzelnen Elemente aus Holz, Stahl, Aluminium und Kunststoff, aus denen die Ski entstehen, werden zugeschnitten, verleimt, gepresst. Der Begriff «Manufaktur» ist passend: Das meiste ist auch heute noch Handarbeit. 75’000 Paar Ski werden hier jährlich produziert, der Marktanteil von Stöckli in der Schweiz liegt bei rund 20 Prozent.

In Malters läuft das Geschäft. Marc Gläser (57), seit elf Jahren Stöckli-CEO und mittlerweile auch mit einem Anteil von 10 Prozent am Unternehmen beteiligt, sagt zu Blick: «Es ist der beste Saisonstart, den ich in meiner Zeit bei Stöckli bisher erlebt habe.»

«Wir sind teurer als die anderen»

Die Hauptsaison im Skihandel beginnt jedoch erst: Der grösste Umsatz wird zwischen Anfang Dezember und Ende Februar erzielt. Schneemangel in dieser Zeit kann zu empfindlichen Einbussen führen, und so oder so ist der Konkurrenzkampf unter den einzelnen Skimarken hart. Der Vorteil von Stöckli: Wer sich für einen guten Skifahrer hält, neigt dazu, die gleiche Marke wie Odermatt zu wählen. Der Nachteil: Stöckli-Ski muss man sich leisten können – 1300 bis 1500 Franken werden in der Regel fällig. «Wir sind teurer als die anderen», räumt Gläser ein. «Wir sind eine Premium-Marke. Dass wir in der Schweiz produzieren, kostet. Doch wir bieten dafür höchste Qualität.»

Diese Qualität habe man dank grosser Investitionen in die Forschung, Entwicklung und Fertigung in den letzten Jahren weiter gesteigert, sagt Gläser. Und sei dabei zum Schluss gekommen, dass eine zweijährige Garantie angesichts der Langlebigkeit von Stöckli-Ski nicht mehr angemessen sei. «Aus diesem Grund haben wir uns entschieden, die Garantie für unsere Ski auf vier Jahre auszuweiten – als erster aller im Weltcup vertretenen Hersteller.»

Zieht die Konkurrenz nach?

Dies gilt per sofort und rückwirkend auch für alle Ski, die in dieser Saison bereits verkauft wurden. Gläser sagt, man habe bei Stöckli in den letzten zwei Jahren intensiv darüber nachgedacht. «Es ist ein wirtschaftliches Risiko. Denn auch wenn wir wenige Fälle haben – diese Garantieverlängerung wird Mehraufwand und Mehrkosten bringen.»

Es handle sich um einen unternehmerischen Entscheid, den er von der Wichtigkeit her gleich hoch einschätze wie die kürzliche Verlängerung des Vertrags mit Odermatt. Es sei der richtige Schritt, weil es sich um ein Bekenntnis zur Nachhaltigkeit und zu höchsten Qualitätsansprüchen handle. Und natürlich hofft Gläser, dass die Vier-Jahres-Garantie für die Kunden ein zusätzliches Argument sein wird, anstelle des Produkts eines anderen Herstellers einen Stöckli-Ski zu kaufen. Die Hauptkonkurrenten wie Atomic, Rossignol, Salomon oder Head bieten in der Regel zwei Jahre Garantie. Man darf nun gespannt sein, ob sie reagieren werden und die Laufzeiten ebenfalls anheben.

Sorgen auf dem US-Markt

Die Anhebung der Garantielaufzeit wirkt umso mutiger von Stöckli, als die Firma zuletzt mit Gegenwind zu kämpfen hatte: Die Zölle von 39 Prozent in den USA für Schweizer Produkte trafen die Firma heftig – immerhin sind die USA für Stöckli der zweitwichtigste Markt nach der Schweiz. Der Wettbewerbsnachteil gegenüber den Konkurrenten, die im EU-Raum produzieren, wäre erheblich gewesen. Gläser: «Dank dem Deal mit Trump haben wir nun wieder gleich lange Spiesse. Das ist für uns eine grosse Erleichterung.»

Zusätzlich fallen bei Ski die Zölle von 50 Prozent ins Gewicht, die die USA für Stahl- und Aluminiumimporte erheben – diese bestehen weiter. «Wir werden deshalb in den USA unsere Preise schrittweise erhöhen», kündigt Gläser an. Stöckli hat dort grosse Pläne: Das Land soll die Schweiz in den nächsten fünf bis sieben Jahren als grösster Absatzmarkt von Stöckli ablösen.

Stöckli bleibt «Swiss made»

Wäre es da nicht sinnvoll, die Ski für den US-Markt vor Ort zu produzieren? Gläser winkt ab und zählt eine Reihe von Gründen auf: So etwas aufzubauen, würde zu lange dauern und auch nicht rentieren. «Swiss made» sei ein Verkaufsargument, auf das sie nicht verzichten wollten.

Und die Qualität, die man in der Schweiz erreiche, wäre bei der Produktion in den USA kaum zu erzielen, glaubt Gläser: «In der Schweiz gibt es die Berufslehre, und Handwerkskunst hat Tradition. In einem Land, wo dies fehlt, spürt man das sofort.»

Beliebt auch in Österreich

Während der US-Markt Probleme bereitet, freut sich dafür Stöckli über steigende Verkaufsszahlen in Österreich – hier liegt der drittgrösste Absatzmarkt. «Österreich ist das einzige Land neben der Schweiz, in dem Skifahren ein Volkssport ist», sagt Gläser. Entsprechend gross sei die Nachfrage. Die Identifikation mit den österreichischen Skimarken, die heute zum Teil in ausländischen Händen sind, habe abgenommen. Und: In keinem Land ausserhalb der Schweiz bekommt man die Erfolge von Stöckli-Werbeträger Marco Odermatt so gut mit wie im skibegeisterten Österreich.

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