Öffnung eigentlich beschlossen
Grosses Chaos an der Strasse von Hormus – was gilt jetzt?

Gemäss dem 14-Punkte-Plan zwischen den USA und dem Iran soll die Strasse von Hormus offen sein. Nur blockieren die Revolutionsgarden die Meerenge nun wieder. Das musst du zum Seilziehen um die wirtschaftlich so wichtige Wasserstrasse wissen.
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Der Deal liegt in trockenen Tüchern: Die USA und Iran haben einen Friedensplan.
Foto: imago/ZUMA Press

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Seit 111 Tagen ist die Strasse von Hormus blockiert.
  • Iran und USA schliessen 14-Punkte-Plan, Handelsschiffe sollen «sofort» fahren.
  • Iran will Passage kontrollieren, USA fordern laut Trump Mautfreiheit.
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Bernadette HoggRedaktorin Wirtschaft

Seit 111 Tagen herrscht Chaos in der Strasse von Hormus. Um die 2000 Tanker hängen fest auf der westlichen Seite der Meerenge, die für den Transport von Öl und Rohstoffen wie Düngemittel so wichtig ist. Am Mittwoch unterzeichneten die USA und der Iran einen 14-Punkte-Plan über den Frieden. Ein wichtiger Bestandteil davon: die Strasse von Hormus. Dort soll der Verkehr von Handelsschiffen «sofort» wieder aufgenommen werden.

Am Donnerstag ging die Strasse von Hormus wieder auf – für einige Stunden. Denn offenbar hat der Iran die Wasserpassage am Freitag bereits wieder dichtgemacht. Was ist da los? Und wie steht es um das Seilziehen um die Meerenge? Nahost-Kenner Erich Gysling und Politikwissenschaftsprofessor Christoph Frei ordnen ein.

Was gilt jetzt?

Die Absicht zur Öffnung ist da. Der Plan, den beide Seiten unterschrieben haben, ermöglicht die sofortige Öffnung der Strasse von Hormus und garantiert die «sichere und kostenlose Durchfahrt von Handelsschiffen». Der jetzige Friedensplan ist aber erst eine Zwischenlösung. Um ein formales Abkommen über den Frieden und den Bedingungen dafür auszuarbeiten, haben sich die Amis und die Iraner 60 Tage Zeit gegeben. «Es steht die Erwartung der Amerikaner, dass die Meerenge wieder frei befahrbar sein wird», sagt Gysling. «Die Iraner haben der Öffnung zugestimmt, aber sie wollen festlegen, wer wie durchfahren darf.»

Welche Risiken bestehen noch?

Nach aktuellem Stand ist es mit der Öffnung schon wieder vorbei. Die Islamische Revolutionsgarde soll angeordnet haben, dass sich keine Schiffe der Strasse von Hormus nähern sollen. Die für die Strasse von Hormus zuständige iranische Behörde, die Persian Gulf Strait Authority (PGSA), hat nun Bedingungen für die Durchfahrt gestellt. Mindestens 48 Stunden vor Erreichen der Passage müsse ein entsprechender Antrag gestellt werden.

Das zeigt: Der Deal ist äusserst fragil, kann jederzeit platzen. Es könnte auch sein, dass die Verhandlungen, die in den nächsten 60 Tagen noch anstehen, schiefgehen. Es liegt nicht nur in den Händen der Iraner und Amerikaner, betont Gysling. «Es kann sein, dass Israel die ganze Vereinbarung ignoriert und an ihrer Militärstrategie im Libanon festhält.» Zur Erinnerung: Israelische Streitkräfte sind in den letzten Wochen im Süden des Landes gegen die libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah vorgegangen. Das könnte zum Problem werden – je nachdem, wie treu Iran der Hisbollah zur Seite stehen will. Am Freitagnachmittag berichtete jedoch Reuters, dass sich Israel und die Hisbollah auf eine Waffenruhe geeinigt haben.

Wird alles wieder so, wie es vor dem Krieg war?

Nein. An der Strasse von Hormus dürften künftig wohl andere Regeln gelten, als es vor dem Ausbruch des Iran-Kriegs der Fall war. So will der Iran künftig das Nadelöhr des Welthandels beaufsichtigen – zusammen mit dem Oman, wie CNBC die iranische Nachrichtenagentur IRNA zitiert. Das war vor dem Konflikt nicht so.

An der Meerpassage könnte auch künftig eine Gebühr anfallen – trotz gegenteiliger Ankündigungen des US-Präsidenten Donald Trump (80). Er versicherte der «New York Times», dass der Zugang zur Meerenge «permanent mautfrei» sein wird. Die Iraner haben die Gebühren für die nächsten 60 Tage auf Eis gelegt, wollen sie aber eigentlich wieder einführen. «Wer sich nun durchsetzen wird bei den Verhandlungen, die ja noch nicht mal begonnen haben, das wissen wir schlicht und einfach nicht», sagt Gysling.

Warum ist die Öffnung so wichtig?

Die Blockade hatte grosse Auswirkungen auf die Weltwirtschaft. Der Ölpreis ist während der Sperre in die Höhe geschossen. Der Höchststand lag bei 126 Dollar pro Fass. Das hatte Auswirkungen auf viele Wirtschaftszweige, unter anderem der Luftfahrt und der Logistik.

Mit der Verkündigung des Deals ist es bereits zur Wende gekommen: Der Ölpreis fällt. Und: «Die Finanzmärkte reagieren schnell», sagt Politikwissenschaftler Frei. Die permanente Öffnung der Strasse von Hormus soll die Situation gänzlich entspannen. «Falls die Öffnung dauerhaft gelingt, ist es ein Signal der Entspannung für die Weltwirtschaft: sinkende Preise, sinkende Transport- und Versicherungskosten, daraus mehr Erwartungs- und Versorgungssicherheit», sagt Frei.

Bis sich alles wieder normalisiert hat, geht es aber noch einige Monate. Ein noch ungelöstes Problem: die Seeminen. «Wir wissen alle nicht, wie stark und ob die Iraner überhaupt einen Teil der Strasse vermint haben», sagt Gysling. Laut Deal hat der Iran 30 Tage Zeit, alle Minen zu entfernen. Minenjagdboote stehen schon bereit, der Prozess wird aber laut Experten von Chatham House langwierig und teuer.


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