Darum gehts
- Joker Personal AG aus Affoltern am Albis ZH ist seit Juli pleite
- Ex-Mitarbeitende werfen Führungslosigkeit und intransparente Kommunikation vor
- Frühere Bereichsleiterin gründete neue Firma, 15 Mitarbeitende folgten ihr
«Es ist traurig, wie das Ganze abgelaufen ist.» Sabrina F.* hat über zehn Jahre für die Joker Personal AG gearbeitet. Aber jetzt ist Schluss. Nach 29 Jahren im Geschäft hat das Personalbüro aus Affoltern am Albis ZH Anfang Juli seine Bilanz deponiert – ist also pleite. Seit dem Konkurs des Familienunternehmens warten F. und die mehr als ein Dutzend anderen ehemaligen Angestellten auf Antworten. Blick konnte mit drei ehemaligen Angestellten sprechen, die ihren Job verloren haben. Ihre Vorwürfe sind happig. Sie sprechen von Führungslosigkeit, intransparenter Kommunikation und gar Täuschung. «Nichts ist sauber gelaufen», sagen die Ex-Angestellten unabhängig voneinander.
Die Joker Personal hatte an ihren zwölf Standorten in der Deutschschweiz Stellen vermittelt. Rund 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hatte das stolze Familienunternehmen zu seinen besten Zeiten. Besonders die Stellenvermittlung im Gesundheitswesen war ein wichtiges Standbein. Doch dann verschlechterte sich die Lage. «Die Firma hatte bereits seit Corona Schwierigkeiten», erklärte Nadine Rüttimann (44), ehemalige Bereichsleiterin und Angehörige der Gründerfamilie, die Umstände des Konkurses diese Woche im Blick.
Besonders pikant: Kurz bevor das Personalbüro Konkurs ging, machte sich Nadine Rüttimann selbständig und gründete eine neue Firma. 15 Mitarbeitende folgten ihr. Dieser Punkt stösst den ehemaligen Mitarbeitenden besonders sauer auf.
«Ihnen fehlte die notwendige Erfahrung»
Einer ist Sandro L.*. Er arbeitete über ein Jahrzehnt für das einst erfolgreiche Personalbüro. Abwärts ging es mit dem Unternehmen laut L. erst, als sich der Gründer und Patron Armin Rüttimann (71) vor rund eineinhalb Jahren aus dem Geschäft zurückziehen musste. «Ab dann war das Unternehmen führungslos.» Die beiden Kinder von Rüttimann übernahmen. Doch: «Ihnen fehlte die notwendige Erfahrung, um ein Unternehmen dieser Grösse erfolgreich zu führen», so eine weitere ehemalige Mitarbeiterin zu Blick, die ebenfalls anonym bleiben möchte.
Trotz offensichtlicher Anzeichen hätten die Verantwortlichen immer abgestritten, dass die Firma finanzielle Probleme habe. Gemäss F. hat die Geschäftsleitung selbst dann noch betont, dass alles okay sei, als den Mitarbeitenden auffiel, dass Miete und Wasserrechnung nicht bezahlt wurden.
Es kommt zum Konkurs
Im April taucht plötzlich die News Personal AG im Handelsregister auf: «Spätestens da gingen bei mir die Alarmglocken los», erzählt L. Er und die anderen Mitarbeiter befürchten, dass die Führung die Joker Personal Konkurs gehen lassen möchte und einen Teil des Unternehmens in neuem Gewand und ohne Altlasten weiterführen will. Doch die Geschäftsleitung habe dies intern stets abgestritten. «Bis zum letzten Tag haben sie uns versichert, dass die Joker Personal überleben wird», sagt L.
Doch am 3. Juli ist Schluss: Alle Angestellten erhalten ein Mail, das sie über das Ende der Joker Personal AG informiert. Weitere Informationen sollen folgen. Wie es am Ende genau zum Konkurs gekommen ist, weiss L. bis heute nicht: «Transparent informiert wurden wir nie.»
Die News Personal AG ist seit Juli im Geschäft. Name und Logo sind neu, das Layout der Webseite ist gleichgeblieben. Und wer heute auf der Nummer der konkursgegangenen Joker Personal AG anruft, wird begrüsst mit: «News Personal AG – wie kann ich Ihnen helfen?»
Nadine Rüttimann bestreitet die Vorwürfe
Blick hat Nadine Rüttimann und die News Personal AG mit den Vorwürfen der ehemaligen Mitarbeitenden konfrontiert. Sie weist die Vorwürfe vehement zurück. Diese «entbehren jeglicher Grundlage».
Nadine Rüttimann ist mit dem Sohn des Gründers der Joker Personal verheiratet. Obwohl Blick auch die beiden Kinder angeschrieben hat, ist sie die Einzige, die auf Fragen antwortet – zu beiden Firmen.
Dass die News Personal AG im April nur gegründet wurde, um das Geschäft der Joker Personal ohne Altlasten weiterzuführen, streitet Nadine Rüttimann ab: «Es zeichnete sich nach Jahren des Ringens erst im Verlaufe des Junis ab, dass keine andere Möglichkeit besteht, als die Bilanz zu deponieren.»
Auch dass die Joker Personal AG führungslos gewesen sei, sieht Nadine Rüttimann anders. Wegen des krankheitsbedingten Wegfalls des Patrons habe man interne Massnahmen ergriffen, um die Geschäftsleitung zu unterstützen. Zur fehlenden Kommunikation vor dem Konkurs sagt sie: «Dass die Geschäftsleitung in einer solch heiklen Situation, in der man nicht weiss, ob es Optionen gibt oder nicht, nicht immer klar und offen gegenüber der Belegschaft kommunizieren konnte, liegt für mich auf der Hand.»
* Namen der Redaktion bekannt