Darum gehts
- Richter blockt Übertragung der Markenrechte von Bally
- Umstrittenes Vorgehen sorgt für Kritik
- Bally 2024 von Regent übernommen, Produktion und Läden geschlossen
«Sie haben gesagt, sie haben andere Pläne», sagte Roberto Martullo (64) letzte Woche zu Blick. Der Unternehmer, dem auch die Schuhmarke Künzli gehört, war beim US-Investmentfonds Regent vorstellig geworden, um diesem den Schuhhersteller Bally abzukaufen. Doch dieser blockt ab. Man möchte das tief in der Krise steckende Schweizer Traditionsunternehmen nicht abgeben. Stellt sich die Frage: Was für Pläne hat Regent mit der Luxusmarke, die bereits die Produktion eingestellt und alle Fabrikmitarbeiter entlassen hat?
Die Antwort liegt im Geschäftsmodell des Investmentfonds. Dieser gehört dem amerikanischen Geschäftsmann Michael Reinstein (54), dem mutmasslichen neuen Partner von Nicole Kidman. Mit seinem Fonds hat sich Reinstein darauf spezialisiert, in Schwierigkeiten steckende Unternehmen zu übernehmen. Danach wird mittels Kosteneinsparungen, Restrukturierungen oder einer Neuausrichtung versucht, das Ruder herumzureissen.
Umstrittenes Vorgehen
Ein weiterer Trick in Reinsteins Repertoire: Die wertvollen Markenrechte eines Unternehmens heraustrennen und dann das Unternehmen Konkurs gehen zu lassen. Die Gläubiger gehen dabei im Insolvenzverfahren leer aus – später wird die Marke dann beispielsweise an andere lizenziert. Nach diesem Schema scheint der Investmentfonds auch im Fall Bally vorzugehen. Regent versuchte, die Markenrechte von Bally an eine neu gegründete amerikanische Gesellschaft zu übertragen. Doch ein Tessiner Gericht hat die Transaktion gestoppt.
Auch Martullo geht davon aus, dass das der Plan des Investmentfonds ist. Dessen Geschäftsmodell beschreibt er letzte Woche gegenüber Blick wie folgt: «Sie kaufen Firmen mit einem guten Brand, lassen sie bankrottgehen und lizenzieren dann die Marke.» In der Vergangenheit ist Regent bereits ähnlich vorgegangen. Escada, einen deutschen Hersteller von Damenmode, liess er 2020 Konkurs gehen – heute existiert unter der Marke nur noch ein Onlineshop.
Regent ist mit seinem Vorgehen nicht allein. Auch andere Investmentfonds nutzen das Vorgehen. Ein anderer Fall ist die US-Modemarke J.Crew. Ihre Eigentümer, die Private Equity Unternehmen TPG Capital und Leonard Green & Partners, übertrugen im Jahr 2016 die Markenrechte der vor dem Kollaps stehenden Firma im Wert von rund 250 Millionen Dollar auf eine Tochtergesellschaft auf den Kaimaninseln. Banken und Gläubiger wurden so um ihre Sicherheiten gebracht.
Wechselnde Besitzer und anhaltende Schwierigkeiten
So weit ist es im Fall Bally noch nicht gekommen. Wie es aber mit dem Traditionsunternehmen weitergeht, ist noch nicht klar. Im Mai wurde publik, dass Bally seine Produktion nach 175 Jahren einstellt und die verbliebenen 27 Fabrikmitarbeiter in Caslano TI entlässt. Zudem schloss das Unternehmen fünf Läden.
Bevor Regent das Traditionsunternehmen im Jahr 2024 übernahm, gehörte Bally der deutschen Milliardärsfamilie Reimann. Zuvor besassen neben der Familie Bally unter anderem der Schweizer Finanzspekulant Werner K. Rey (82) den Schuhhersteller, sowie der Rüstungskonzern Oerlikon-Bührle und die ebenfalls amerikanische Private-Equity-Gesellschaft TPG.