Joker Personal AG nach 29 Jahren Jobvermittlung am Ende
«Die Firma hatte bereits seit Corona Schwierigkeiten»

Nach fast 30 Jahren im Geschäft ist die Joker Personal AG Geschichte. Der bekannte Personalvermittler hat seinen Betrieb eingestellt. Die verbliebenen Angestellten müssen sich jetzt selbst einen neuen Job suchen.
Kommentieren
1/5
Die Joker Personal AG ist pleite. Der Personalvermittler hat den Betrieb im Juli eingestellt.
Foto: imago images/Geisser

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Joker Personal AG aus Zürich nach 29 Jahren geschlossen, Konkurs eröffnet
  • Gründer Armin Rüttimann musste aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten
  • Zum Schluss 12 Angestellte, einige weiterhin auf Jobsuche
Sven_Schumann_Praktikant Wirtschaftsressort_Blick, Ringier_2-Bearbeitet.jpg
Sven SchumannRedaktor Wirtschaft

Am Sonntag funktionierte sie noch, am Montag ist die Webseite bereits vom Netz. Und auf der Jobnetzwerk-Plattform Linkedin suchen Angestellte händeringend nach einem neuen Job. Grund: Der Personalvermittler Joker Personal AG aus Affoltern am Albis ZH ist pleite. Eine Konkursmeldung des zuständigen Notariats vom 14. Juli bestätigt entsprechende Blick-Recherchen. Damit geht die Geschichte des bekannten mittelständischen Personaldienstleisters zu Ende.

«Die Firma hatte bereits seit Corona Schwierigkeiten», sagt Nadine Rüttimann (44), als Blick sie am Telefon erreicht. Als Bereichsleiterin verantwortete sie die Stellenvermittlungen im Gesundheitssektor. Trotz «aller Versuche und grossem Einsatz» habe man es leider nicht mehr geschafft, das Ruder herumzureissen.

Patron musste kürzertreten

Ihr tue es leid – vor allem um ihren Schwiegervater, Armin Rüttimann (71). Der Unternehmer hatte das Vermittlungsbüro 1997 gegründet und während knapp drei Jahrzehnten als Patron geführt. «Er hat sich immer um die Mitarbeitenden gekümmert und all sein Herzblut in die Firma gesteckt», so die Schwiegertochter weiter. «Er hat für das Unternehmen gelebt.»

Als der Patron in den letzten Jahren aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten musste, ging es auch dem Geschäft immer schlechter. Nadine Rüttimann selbst hat das Unternehmen bereits im Frühjahr verlassen und ihr eigenes Geschäft aufgebaut: die News Personal AG. Für ihren Jobvermittler mit aktuell 15 Mitarbeitern hat sie einen Teil der Joker-Belegschaft abgeworben.

Knapp 30 Jahre im Geschäft

Zu ihrer Blütezeit hatte die Joker Personal AG 100 Angestellte.

An ihren zwölf Standorten in der Deutschschweiz vermittelte das Unternehmen in verschiedenen Sektoren. Neben Gastronomie, Logistik oder dem kaufmännischen Bereich hatte das Vermittlungsbüro auch im Gesundheitswesen ein wichtiges Standbein. Über ihren «medizinischen Notfallpool» vermittelte sie Spitälern, Kliniken und Pflegeheimen kurzfristig benötigtes Personal.

Doch nach mehreren Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten um die Corona-Zeit sank die Zahl der Mitarbeiter drastisch. Den verbliebenen 12 Angestellten hat die Firma den Lohn laut Nadine Rüttimann bis zum bitteren Ende ausbezahlt. Eine direkte Anschlusslösung haben aber nicht alle gefunden. Blick hat die ehemaligen Mitarbeiter kontaktiert, für eine Stellungnahme war niemand zu erreichen.

Gründer Armin Rüttimann war für Blick ebenfalls nicht zu sprechen. In der Vergangenheit äusserte er sich gegenüber Medien zu Arbeitsmarkt-Themen und engagierte sich auch im Sport. Neben dem Reitsport sponserte er mit der Joker Personal AG auch das Fussballteam des BSC Young Boys, auf dessen Stulpen ab der Saison 2011/12 das Logo seines Unternehmens prangte.


Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen