«Nicht sehr feinfühlig» – Landwirte drohen mit Konsequenzen
Turnverband arbeitet mit Skyr-Hersteller aus Island zusammen – Schweizer Bauern toben

Der Schweizerische Turnverband arbeitet neu mit der isländischen Firma Ísey Skyr zusammen. Wegen der anhaltenden Milchschwemme im eigenen Land stösst das den hiesigen Bauern sauer auf. Der STV erklärt sich.
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Eine neue Werbepartnerschaft des Schweizerischen Turnverbands sorgt derzeit für Diskussionsstoff.
Foto: STV

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Der Schweizerische Turnverband kooperiert neu mit der isländischen Firma Ísey Skyr
  • Schweizer Bauern kritisieren die Zusammenarbeit und drohen mit Konsequenzen
  • Die Milchschwemme setzt hiesige Landwirte stark unter Druck
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Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Seit Anfang März hat der Schweizerische Turnverband (STV) einen neuen Werbepartner: die isländische Firma Ísey Skyr, deren Magermilch- und Quark-Produkte auch in den hiesigen Supermärkten zu finden sind. Das Milchprodukt ist besonders proteinreich und darum für Sportler und Sportlerinnen gut geeignet. 

Als beim STV also von der Ice-co GmbH, der Schweizer Importeurin des isländischen Skyr mit Sitz in Brugg AG, eine Anfrage zu einem Sponsoring reinflatterte, zögerte der Verband nicht lange. Das Engagement passe thematisch optimal zum Turnsport, schreibt er in einer Mitteilung. Nur: Bei Schweizer Landwirten kommt die neue Partnerschaft gar nicht gut an.

Isländische Import-Milch stösst Schweizer Bauern sauer auf

Der Stein des Anstosses: Ísey Skyr ist ein Unternehmen aus dem Ausland. Die Skyr-Produkte bestehen zum Grossteil aus Magermilch – und diese stammt in diesem Fall von isländischen Kühen, wird auf der Insel hoch im Norden verarbeitet und dann in die Schweiz verschifft. Dass der STV für die Zusammenarbeit keinen Schweizer Verarbeiter gewählt hat, stösst den Bauern sauer auf. Insbesondere jetzt, wo viele hiesige Betriebe unter der Milchschwemme leiden und finanziell stark unter Druck geraten. 

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Branchenvertreterin Sabrina Schlegel (40), selbst Landwirtin, hat dem Thema eine Kolumne im «Schweizer Bauer» gewidmet: «3000 Kilometer für ein Produkt, dessen Hauptbestandteil aktuell in der Schweiz zu Hunderttausenden Litern entsorgt wird», enerviert sie sich darin. Und weiter: «Dass ausgerechnet eine traditionsreiche Institution wie der STV zur Werbebühne für ausländische Milchprodukte wird, sorgt für berechtigtes Stirnrunzeln.» Gegenüber Blick führt Schlegel aus: «Ich verstehe, dass es Sponsoring braucht. Aber in der jetzigen Situation finde ich das Vorgehen zumindest nicht sehr feinfühlig.»

Bauern wollen ihr Land nicht mehr für Turnfeste anbieten

Viele teilen Schlegels Ärger. Und wollen dem Turnverband einen Denkzettel verpassen. Ein Kommentar unter der Kolumne lautet beispielsweise: «Für Grossanlässe sind die Bauern aber wieder gut genug, sei es für Parkplätze oder Festzelte. Ich möchte allen Landwirten empfehlen, ab sofort solche Verhandlungen abzublasen.» Denn Bauern stellen lokalen Turnvereinen oft ihr Land zur Verfügung, damit diese dort ihre Turnfeste veranstalten können. Jemand anderes schreibt, die Landwirte sollten sich jetzt gut überlegen, ob sie das weiterhin tun wollen.

Der Turnverband erhielt Mails mit ähnlichem Inhalt, wie Kommunikationschefin Silvia Zwygart gegenüber Blick bestätigt. Als Massnahme hat er deshalb eine Mitteilung veröffentlicht, in der er die Partnerschaft erklärt – in der Hoffnung, die Wogen zu glätten. Der STV habe «aktiv den Austausch mit einem Schweizer Akteur gesucht», heisst es darin. Die Rede ist von Emmi, dem grössten hiesigen Milchverarbeiter, wie Blick weiss. Aber: «Dort bestand kein Interesse an einer Zusammenarbeit.»

Im Gespräch mit Blick betont Zwygart zudem: «Es ist uns wichtig, klarzustellen, dass der STV mit Ausnahme des Eidgenössischen Turnfests keine eigenen Veranstaltungen organisiert.» Heisst: Bei kleineren Turnfesten ist eben nicht der Turnsport-Dachverband der Organisator, sondern lokale Turnvereine. Oder bei Wettkämpfen auf Kantonsebene der kantonale Turnverband. Die Veranstalter treten dabei mit eigenen Sponsoren auf. Darum hofft man beim STV auf Verständnis bei den hiesigen Bauern. «Wir würden es wirklich sehr bedauern, wenn Turnvereine jetzt Schwierigkeiten haben, Orte für die Austragung der Turnfeste zu finden», so Zwygart. 

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