Neue Plattform gegen Fake News
Diese Zürcherin will Elon Musks X Konkurrenz machen

Ein neues soziales Netzwerk soll Europa unabhängiger von den US-Tech-Riesen machen. In der Hauptrolle: Anna Zeiter, die W Social als «bessere Version von Twitter» bezeichnet.
Kommentieren
Anna Zeiter baut W Social auf, eine europäische Antwort auf X, ehemals Twitter.
Foto: ZVG

Darum gehts

Die Zusammenfassung von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast.
marc_kowalsky.jpg
Marc Kowalsky
Bilanz

Elfeinhalb Jahre lang war sie eine Schlüsselfigur bei Ebay, zuständig für das gesamte nicht amerikanische Geschäft und als Chief Privacy Officer gleichzeitig weltweit verantwortlich für den Datenschutz beim Internetauktionshaus. Jetzt macht die Wahlzürcherin Anna Zeiter (46) einen Karriereschritt – mit möglicherweise geopolitischen Folgen: Zeiter soll eine europäische Antwort auf X, ehemals Twitter, aufbauen.

Ein weiterer Schritt in den Bemühungen, Europa wenigstens ein bisschen aus der technologischen Abhängigkeit von den USA herauszuführen. Denn sollte etwa der Konflikt um Grönland eskalieren, wird Elon Musk X mit US-Propaganda fluten. W Social heisst das neue Netzwerk. «Das W steht für ‹We› und für die grossen Fragen im Investigativjournalismus: Wer wie was wann wo warum?», so Zeiter. Und im Englischen stehe das erste V, das das W ausmacht, für «Values», das zweite für «Verified». Dass W im Alphabet vor X kommt, ist sicher auch gerne gesehen.

Artikel aus der «Bilanz»

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Bilanz» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du unter bilanz.ch.

Dieser Artikel wurde erstmals in der «Bilanz» publiziert. Weitere spannende Artikel findest du unter bilanz.ch.

Als eine «bessere Version von Twitter» bezeichnet Zeiter das neue Netzwerk: «Positive, respektvolle Kommunikation soll gefördert werden.» So müssen sich die Nutzer zwingend als Menschen identifizieren. Auf diese Weise werden Fake Accounts verhindert und Bots ausgeschlossen, die als Multiplikatoren von Falschmeldungen oder Propaganda dienen. Auch das Filterblasenproblem will W Social adressieren: Auf Wunsch soll für jeden Nutzer eine bestimmte Anzahl von Beiträgen gezielt aus einer anderen Meinungsblase kommen. Alle Daten werden dezentral in Europa von europäischen Firmen gehostet. Und natürlich gelten für W Social die strengen EU-Datenschutzgesetze. Spätestens im Februar soll die Betaversion live gehen, Ende des Jahres will sich W für das breite Publikum öffnen.

Unterstützung von namhaften Politikern

Bereits vom Start weg hat W prominente Unterstützer: Im Advisory Board sitzen der deutsche Ex-Vizekanzler und Wahlschweizer Philipp Rösler, Sandrine Dixson-Declève, Chair des Club of Rome, Cristina Caffarra, Chair von Eurostack, der Vereinigung der 300 wichtigsten Tech-CEOs, sowie zwei ehemalige schwedische Minister. «Wenn das politische Brüssel auf W postet statt auf X, haben wir schon viel gewonnen», sagt Zeiter. «Und mit Eurostack holen wir die Tech-Welt.» Die Startfinanzierung stammt hauptsächlich von schwedischen Tech-Investoren, darunter Ingmar Rentzhog, CEO und Gründer von «We Don’t Have Time», einer klimapolitischen Medien- und Aktivismusplattform aus Stockholm. Im Laufe des Jahres will W eine grössere Finanzierungsrunde durchführen.

W wird juristisch eine Tochtergesellschaft von «We Don’t Have Time» und damit ebenfalls in Schweden angesiedelt sein, das Team ist jedoch über ganz Europa verteilt: Chief Commercial Officer Johan Sundstrand, ein erfolgreicher Serial Entrepreneur, sitzt in London, das Tech-Team in der Ukraine, Offices in Berlin und Paris sind geplant. Anna Zeiter selbst wird in Zürich bleiben. Schliesslich hat die gebürtige Deutsche den Schweizer Einbürgerungstest bereits bestanden. Jetzt wartet sie nur noch auf das grüne Licht der Bundesbehörden.


Was sagst du dazu?
Liebe Leserin, Lieber Leser
Der Kommentarbereich von Blick+-Artikeln ist unseren Nutzern mit Abo vorbehalten. Melde dich bitte an, falls du ein Abo hast. Noch kein Blick+-Abo? Finde unsere Angebote hier:
Hast du bereits ein Abo?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen