Darum gehts
- Neue Chats entlasten Ex-Raiffeisen-Chef Vincenz im Investnet-Fall von 2015
- 2,9 Millionen Franken waren angeblich Darlehen für Villenkauf im Tessin
- Villa in Morcote TI wurde Anfang 2024 zwangsversteigert
Chat-Nachrichten sollen den früheren Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz (70) entlasten: Eine Überweisung von 2,9 Millionen Franken an ihn sei ein Darlehen seines damaligen Geschäftspartners Beat Stocker (65) gewesen, berichtet die «NZZ am Sonntag». Dieser liegen entsprechende Dokumente vor.
Konkret geht es um den Fall Investnet – und damit um einen wesentlichen Anklagepunkt im Raiffeisen-Prozess: Das Zürcher Bezirksgericht urteilte 2022, dass Vincenz verbotenerweise Gewinne aus dem Verkauf der Private-Equity-Firma Investnet an Raiffeisen machte. Vincenz und Stocker seien verdeckt am Unternehmen beteiligt gewesen. Bei der 2,9-Millionen-Überweisung habe es sich also um den Erlös aus der Beteiligung gehandelt.
Überweisung war Darlehen für Villenkauf
Die neuen Dokumente zeichnen nun ein anderes Bild. Der Zeitung liegen unter anderem Chats und E-Mails vor. Und gemäss diesen soll es sich bei der Überweisung um ein Darlehen gehandelt haben. Der damalige Raiffeisen-Chef wollte 2015 eine Villa im Tessin kaufen, hatte aber offenbar Geldprobleme. Darum bat Vincenz seinen Kumpel Stocker, zu jener Zeit Chef der Kreditkartenfirma Aduno, um ein Darlehen. Das Bezirksgericht bewertete diese Darstellung als Schutzbehauptung. Es sei unwahrscheinlich, dass ein so gut verdienender Topbanker wie Vincenz Geldprobleme habe.
Die Verteidigung hat die neu aufgetauchten Dokumente laut dem Bericht nun als Beweisanträge beim Zürcher Obergericht eingereicht. Dieses befasst sich voraussichtlich ab August im Berufungsverfahren mit dem Fall Vincenz.
Die Tessiner Villa gehört mittlerweile nicht mehr Pierin Vincenz. Anfang 2024 wurde die stark baufällige Immobilie in Morcote TI zwangsversteigert. Es hätte eine edle Ferienresidenz für den gefallenen Starbanker und seine damalige Frau Nadja Ceregato (56) werden sollen. Doch so weit ist es nie gekommen.