Darum gehts
- Zoo Zürich wählt italienische und slowakische Konzerne für neue Voliere
- Schweizer Firma Baltensperger verlor Mitte Dezember den Auftrag und ging später in Konkurs
- Ursprünglich geplante Eröffnung in 2028 jetzt nicht mehr realistisch
Jetzt kann es beim Bau der neuen Pantanal-Voliere endlich weitergehen: Nach sechs Monaten Suche hat der Zoo Zürich eine Firma gefunden, die die kühne Stahlkonstruktion baut. Der Zuschlag ging an die beiden ausländischen Firmen Cimolai aus Italien und Stakotra aus der Slowakei. Mit den neuen Baupartnern habe man «zwei ausgewiesene Stahlbauspezialisten für die einmalige Konstruktion der Voliere verpflichten» können, wird Zoodirektor Severin Dressen (37) in einer Mitteilung zitiert.
Ursprünglich hätte die Schweizer Firma Baltensperger mit Sitz in Höri ZH die Stahlbauarbeiten ausführen sollen. Mitte Dezember wurde jedoch bekannt, dass der Zoo dem Betrieb den Auftrag überraschend entzogen hat. Dies, weil das Zürcher Unternehmen «die gewünschten Anforderungen sowohl technisch als auch terminlich und finanziell» nicht einhalten konnte, hiess es damals vom Zoo. Baltensperger argumentierte derweil, das Projekt sei nach Vertragsabschluss deutlich komplexer geworden.
Der Streit schlug hohe Wellen – und rief gar die Zürcher Politik auf den Plan. Nicht zuletzt, weil die Folgen für die 1959 gegründete Firma happig waren: Der flötengegangene Prestigeauftrag führte zur Pleite. Ende März wurde schliesslich der Konkurs über dem Stahlbauer eröffnet. Firmenchef Thomas Baltensperger (60) gründete im Januar aber die Baltensperger Stahl AG, die seit April aktiv ist.
Firmen mussten Probetest durchlaufen
Dieses Mal will der Zoo offenbar auf Nummer sicher gehen. Die neu beauftragten Firmen mussten ein «1:1-Probe-Werkstück der Unterkonstruktion innerhalb der geforderten Toleranzen und des vorgegebenen Zeitrahmens» herstellen, wie aus der Mitteilung hervorgeht.
Die Unternehmen werden parallel am Projekt arbeiten. Stakotra ist für die Unterkonstruktion verantwortlich. Den Bau der Stahlbögen – der Hauptstreitpunkt zwischen dem Zoo und Baltensperger – übernimmt Cimolai mit Sitz in Carmignano di Brenta in Norditalien. Brisant: Der italienische Stahlbauer befindet sich wegen finanzieller Schwierigkeiten seit 2023 in einem Sanierungsverfahren.
«Diese Faktoren stehen jedoch nicht im direkten Zusammenhang mit der operativen Geschäftstätigkeit des Unternehmens, die weiterhin regulär fortgeführt wird», schreibt der Zoo Zürich dazu. Der Entscheid zur Zusammenarbeit mit Cimolai basiere auf einer «umfassenden Bewertung». Um Risiken zu minimieren, dient etwa eine Bankgarantie als Sicherheit.
Bis der neue Bau – der dereinst Flamingos, Papageien, Tapire und Ameisenbären beheimaten wird – fertig ist, wird es aber noch dauern. Ursprünglich war die Eröffnung für 2028 geplant. Jetzt sagt der Zoodirektor: «Inwieweit sich das Eröffnungsdatum aufgrund des Wechsels der Stahlbaufirmen verzögern wird, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abschliessend beurteilen.» Klar ist: 2028 ist definitiv nicht mehr realistisch.