Darum gehts
- Zoo Zürich und Stahlbauer Baltensperger streiten über Baustelle der Pantanal-Voliere
- Baltensperger erhielt 5,5 Millionen Franken, lieferte aber nur für 4,2 Millionen
- 75 Arbeitsplätze gefährdet, Zoo fehlen Mittel für zukünftige Projekte
Die Baustelle der neuen Pantanal-Voliere im Zoo Zürich steht seit Wochen still. Grund dafür ist ein wüster Streit zwischen dem grössten Zoo der Schweiz und der Stahlbaufirma Baltensperger aus Höri ZH. Der Zoo hat der Firma den Auftrag entzogen. Die Folgen für den 1959 gegründeten Stahlbauer sind happig. Weil der prestigeträchtige Grossauftrag wegfällt, steht die Firma kurz vor dem Aus, 75 Jobs sind gefährdet. Der Zoo sucht nach einem neuen Stahlbauer, um die Arbeiten weiterführen zu können.
Bereits vor Weihnachten war ein Vermittlungsversuch gescheitert. Der Fortbestand des Unternehmens bleibt offen. Klar ist: Die Baltensperger AG ist offiziell in provisorischer Nachlassstundung. Dies verschafft der Firma Zeit, um Sanierungsmassnahmen zu prüfen. Je nach Verlauf kann daraus eine definitive Nachlassstundung mit Sanierungsplan entstehen – oder am Ende der Konkurs. In einem Interview mit «Inside Paradeplatz» hat CEO Thomas Baltensperger den Zoo zuletzt heftig kritisiert.
9,5 Millionen Franken überwiesen
Jetzt holt der Zoo zum Gegenschlag aus. Heute Donnerstag hat er zur Pressekonferenz geladen. Verwaltungsratspräsident Martin Naville (66) sagte, dass bereits seit Monaten «die roten Lämpchen geleuchtet hätten», die Partnerschaft sei schon lange «strapaziert». Der Zoo habe sich aber immer an seine Verpflichtungen gehalten. «Wir haben 75 Prozent des Vertragswertes von 9,5 Millionen Franken überwiesen», führte Naville aus. «Wir haben aber erst Leistungen im Wert von 700'000 Franken bekommen.»
Nach Abzug einer Bankgarantie von 4 Millionen seien der Firma Baltensperger 5,5 Millionen Franken geblieben. Die produzierten Stahlteile hätten aber nur einen Wert von 4,2 Millionen Franken. «Die Firma hat also mehr Geld bekommen, als sie ausgegeben hat», sagte Naville. «Uns ist nicht klar, weshalb es da wegen uns zu einer Insolvenz kommen kann.»
Bedeutender finanzieller Schaden für den Zoo
Beim Zoo Zürich sei dadurch ein bedeutender finanzieller Schaden entstanden. «Wir können das abfedern. Das Geld wird aber bei den nächsten Projekten fehlen», so Naville vor den Medien. Auf Schadenersatz verklagen will der Zoo den Zürcher Unterländer Stahlbauer aber nicht. «Wir behalten uns aber alle rechtlichen Klagen offen, falls es weitergehen sollte», sagt Naville weiter.
Auf einer Fläche von 11'000 Quadratmetern möchte der Zoo das südamerikanische Feuchtgebiet Pantanal nachbilden. Stahlbögen sollen ein 1400 Tonnen schweres Gitternetz tragen und bis zu 35 Meter hoch in den Himmel ragen.