Darum gehts
- Streit um Voliere-Bau im Zoo Zürich eskaliert, Verhandlungen gescheitert
- Firma Baltensperger kritisiert Zoo wegen unfairer Preisforderungen für Bauteile
- 75 Jobs bedroht, provisorische Nachlassstundung und Auffanggesellschaft geplant
Der Knatsch um die neue Pantanal-Voliere im Zoo Zürich ist um ein Kapitel reicher: Thomas Baltensperger, Chef der involvierten Stahlbaufirma Baltensperger, teilt in einem Interview mit dem Portal «Inside Paradeplatz» gegen den Zoo aus. Damit reagiert er auf die am Mittwoch geplatzten Verhandlungen. Die beiden Streithähne konnten keine Lösung in der Streitfrage finden.
Kern des Streits sind die Bodenträger für die Voliere-Stahlkonstruktion. Die beiden Parteien sind sich uneinig über den Preis und über die Verwendung der bereits vorproduzierten Bauteile. Der Zoo Zürich ist mit der Qualität der Stahlbogen-Teile nicht zufrieden. Trotzdem will er die Elemente eigentlich übernehmen, aber zu einem tieferen Preis. Die Baltensperger AG pocht aber auf eine höhere Entschädigung. In einer Medienmitteilung schreibt die Stahlbaufirma: «Eine Abgabe zu solchen Konditionen hätte das wirtschaftliche Überleben des Unternehmens nicht gesichert.»
«Ausnutzung eines Machtgefälles»
Im «Inside Paradeplatz»-Interview verschärft Thomas Baltensperger nun den Ton – und übt starke Kritik am Zoo Zürich: «Wenn ein Besteller Bauteile im Millionenwert übernehmen will, dafür aber Preise unter dem reinen Materialwert bietet und dabei die existenzielle Lage des Unternehmens kennt, ist das keine Verhandlung auf Augenhöhe.» Die Kommunikation des Zoos sei «einseitig und irreführend». Und weiter: «Es entsteht der Eindruck einer klaren Ausnutzung eines Machtgefälles.»
Zoodirektor Severin Dressen wiederum hatte am Mittwoch verlauten lassen: «Die Weigerung der Stahlbaufirma, die Bogenträger herauszugeben, führt nun leider dazu, dass die produzierten Stahlteile eingeschmolzen und von einer neuen Stahlbaufirma erneut produziert werden müssen.»
Auffanggesellschaft soll Jobs und Know-how sichern
Beim Streit geht es um mehrere Millionen Franken. Und um die Existenz der Stahlbaufirma aus Höri ZH mit 75 Angestellten. Bereits vor Weihnachten war ein Vermittlungsversuch gescheitert. Der Fortbestand des Unternehmens bleibt offen. Klar ist: Die Baltensperger AG ist offiziell in provisorischer Nachlassstundung. Dies verschafft der Firma Zeit, um Sanierungsmassnahmen zu prüfen.
«Trotz dieser Umstände kämpft die Baltensperger AG bis zuletzt um eine Fortführung des Unternehmens», so die 1959 gegründete Stahlbaufirma in ihrer Medienmitteilung. Parallel dazu bereitet CEO Thomas Baltensperger die Gründung einer Auffanggesellschaft vor. Mit dieser Nachfolgegesellschaft sollen das Know-how und zumindest ein Teil der 75 Jobs gerettet werden.