Miet-Hammer, steigende Versicherungs-Prämien und Energie-Krise
Dieser Herbst wird verdammt teuer!

Die Teuerung ist in der Schweiz zurück: Im September soll sie auf 1 Prozent steigen. In den kommenden Monaten geht sie wohl noch weiter rauf. Die Kaufkraft vieler Haushalte leidet unter wachsenden Ausgaben für Heizöl, Benzin, Mieten und Krankenkassenprämien.
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Die Konsumentenstimmung in der Schweiz ist derzeit noch stabil: Bleibt das auch bei einer Inflation von 1,2 Prozent so?
Foto: Raphaël Dupain

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Im September erreicht die Schweizer Teuerung wieder die 1-Prozent-Marke
  • Krankenkassenprämien steigen 2027 um 4,5 bis 5 Prozent, auf durchschnittlich 487 Franken
  • Heizöl verteuert sich um 70 Prozent, Benzin kostet 2.14 Franken pro Liter
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Martin SchmidtRedaktor Wirtschaft

Lange war sie kein Thema, doch jetzt schlägt die Teuerung in der Schweiz wieder zu! Im September geht sie gemäss Prognosen gegenüber dem Vormonat von 0,8 wieder auf die magische 1-Prozent-Marke. Und Besserung ist nicht in Sicht: Die Schweizerische Nationalbank (SNB) prognostiziert für das kommende halbe Jahr eine Teuerung von 1,2 Prozent.

Für Herrn und Frau Schweizer heisst das im Klartext: Einkäufe, Autofahrten und Heizen im Winter werden wieder spürbar teurer. 

Prämienhammer an der Krankenkassenfront

Für viele Haushalte wird damit erneut zur bitteren Realität, dass die Kosten temporär stärker steigen als die Löhne. Und es kommt noch dicker für unser Portemonnaie. Denn in der offiziellen Statistik zur Teuerung fehlt der grösste Kaufkraft-Fresser überhaupt: die Krankenkassenprämien. Das Vergleichsportal bonus.ch rechnet im kommenden Jahr erneut mit einem Prämienhammer von 4,5 bis 5 Prozent. Eine erwachsene Person zahlt dann im Mittel rund 487 Franken – satte 30 Prozent mehr als noch 2022. Der Bund informiert am Dienstag, wie stark die Prämien 2027 tatsächlich zulegen.

Das grosse Problem: Die Kantone kommen bei den Prämienverbilligungen nicht mehr hinterher. Eine Gesetzesanpassung soll hier zwar Milderung bringen. Trotzdem gehen viele Haushalte leer aus. «Besonders hart treffen die Erhöhungen untere Einkommen, aber auch mittlere Einkommen, die geringe oder keine Verbilligungen erhalten», sagt Sarah Lein (46), Kaufkraftexpertin und Professorin an der Universität Basel, zu Blick. «In solchen Haushalten leidet die Kaufkraft spürbar.»

Haushalte mit tiefen Einkommen und aus der Mittelschicht spüren Teuerungswellen bekanntermassen stärker als Gutverdiener. Sie müssen einen grösseren Anteil ihres Einkommens für den Konsum ausgeben.

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Heizsaison wird teurer Spass

Das zeigt sich auch beim Heizen. «Menschen mit einem tieferen Einkommen wohnen eher in älteren Gebäuden mit einer Öl- oder Gasheizung», sagt Lein. Gutverdiener hingegen leben oft in modernen Bauten mit Wärmepumpen und Photovoltaikanlagen auf den Dächern.

Wer mit Öl heizt, reibt sich schon jetzt ungläubig die Augen: Hundert Liter kosten aktuell über 162 Franken – ein Aufschlag von 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr! Und es droht noch mehr Ungemach. Die Energiepreise sind aufgrund der geopolitischen Lage schwierig vorherzusagen. Doch: «Mit Beginn der Heizsaison nimmt die Nachfrage typischerweise zu. Das erhöht das Risiko weiterer Preissteigerungen, vor allem, wenn es zu ausgeprägteren Knappheiten kommt», so Lein. Auch beim Gaspreis wird im Winter ein weiterer Preisschub erwartet. 

Zapfsäulenbesuch schenkt ein

Ähnlich das Bild an den Tankstellen: Hier wird das Tanken langsam zum Luxus. Autofahrer müssen beim Blick auf die Preise an den Zapfsäulen schwer schlucken. Benzin kostet mit 2.14 Franken etwa 50 Rappen mehr als zum Jahresbeginn, Diesel ist mit 2.46 Franken pro Liter gar fast 70 Rappen teurer. 

Die Reallöhne haben die letzte Teuerungswelle bis Ende 2025 weitgehend aufgeholt. «Mit den unerwarteten Schocks bei den Energiepreisen und der dadurch steigenden Teuerung dürfte der Lohnzuwachs dieses Jahr für viele Beschäftigte real zu einem guten Teil aufgezehrt werden», so Lein.

Nur rund jeder zweiten Person war es möglich, innerhalb eines halben Jahres tatsächlich Geld zurückzulegen, so das Resultat einer Umfrage der Baloise und des Marktforschungsinstituts YouGov Schweiz vom vergangenen Oktober. Als Hürden wurden besonders häufig hohe Fixkosten genannt.

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Wohnkosten steigen an

Auch das Wohnen wird teurer. Die Angebotsmieten – also die Mietzinsen der inserierten Wohnungen – steigen seit Jahren kontinuierlich an und tun das auch weiterhin. Bei den Bestandsmieten könnte die wachsende Teuerung auf die Mieten überwälzt werden, wie es vielerorts in den vergangenen Jahren bereits geschehen ist. Gemäss Bundesamt für Statistik sind die Mieten im August um 0,4 Prozent nach oben geklettert. Im Vorjahresvergleich beträgt das Plus 1,5 Prozent. 

Eigenheimbesitzer trifft es nicht minder hart. Wer jetzt eine neue Hypothek braucht, zahlt kräftig drauf. Für eine zehnjährige Festhypothek verlangen fast alle Banken mittlerweile zwischen 2 und 2,2 Prozent Zins. Selbst für kurze Laufzeiten von drei bis fünf Jahren fällt die 2-Prozent-Marke. Das sind bis zu 0,5 Prozentpunkte mehr als noch vor sechs Monaten. Erhöht die SNB vielleicht noch im Dezember den Leitzins, kriegen das Eigentümer mit einer Saron-Hypothek innert kurzer Zeit zu spüren. 

Auslandsprodukte verteuern sich

Immerhin ein kleiner Lichtblick: Die Lebensmittelpreise stagnieren gemäss Bundesamt für Statistik (BFS) und sind sogar leicht tiefer als vor einem Jahr. Bei anderen Produkten aus dem Ausland macht sich die Teuerung jedoch bemerkbar, unter anderem, weil der Franken zuletzt merklich schwächer geworden ist. So sind die Preise für Kleider im August um 3,7 Prozent gestiegen. Auch für Möbel zahlt man mehr.

Und zu guter Letzt droht nach den schweren Hagelstürmen Ende August bereits der nächste Hammer: Viele Autoversicherungen dürften die Prämien kräftig anheben. 

Der Druck auf das Haushaltsbudget dürfte so schnell auch nicht wieder verschwinden: Solange sich die geopolitische Lage nicht beruhigt und die globalen Lieferketten unter Druck bleiben, dürften die Preise weiter klettern. Herr und Frau Schweizer müssen den Gürtel also auch in Zukunft enger schnallen.

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