Darum gehts
- Heizöl kostete am Freitag 160 Franken pro 100 Liter in der Schweiz
- Huthi-Miliz kontrolliert wichtige Häfen, Öltransporte im Roten Meer gefährdet
- Schweizer Tanks nur zu 50 Prozent gefüllt, ideal wären 60 bis 70 Prozent
Der Heizölpreis geht durch die Decke: Am Freitag kosteten 100 Liter im Schnitt fast 160 Franken. So viel hat das Heizöl zuletzt beim Ausbruch des Irankriegs oder des Ukrainekriegs gekostet. Wer daheim einen leeren 3000-Liter-Tank füllt, muss dafür jetzt 4800 Franken hinblättern!
Die Spitzenpreise bleiben nicht ohne Folgen: Die Haushalte halten sich bei den Bestellungen stark zurück, wie eine Blick-Umfrage bei fünf grossen Schweizer Lieferanten zeigt. «Bei den hohen Preisen bestellt niemand Heizöl, der nicht wirklich muss», sagt Jan Fehr (36), Chef des Detailgeschäfts bei Volenergy.
Den jüngsten Preissprung löste eine Entwicklung am Roten Meer aus: Am Donnerstag und Freitag hat die vom Iran unterstützte Huthi-Miliz die Kontrolle über die Hafenstädte Mokka und Dhubab sowie die Insel Majun, die alle zum Jemen gehören, übernommen. Die Schifffahrt und der Öltransport durch das Rote Meer sind extrem gefährdet.
Tanks sind halb leer
Das Problem: Die anhaltenden Konflikte halten das Preisniveau bereits das ganze Jahr über hoch. Eine kurze Verschnaufpause gab es nur im Sommer. Viele Haushalte haben lange zugewartet, weshalb die Schweizer Tanks im Schnitt nur zu 50 Prozent gefüllt sind, wie Agrova, Coop Heizöl und Migrol bestätigen. Der Schnitt müsste bei 60 bis 70 Prozent liegen, damit die Schweiz dem Winter entspannt entgegenblicken kann. «Bei unseren Kunden ist der Füllgrad so tief wie nie in den letzten fünf Jahren», sagt Fehr.
Auch bei der Kundschaft von Christoph Schifferle (58) besteht Nachholbedarf. «Die verbrauchsreiche Zeit steht vor der Tür», sagt der Geschäftsführer von Tanner Oel mit Sitz in Gachnang TG. «Die Nachfrage ist derzeit sehr schwach. Viele warten und hoffen, dass die Preise wieder fallen.»
Gefahr von weiteren Preisanstiegen
Die weitere Preisentwicklung sei derzeit jedoch Kaffeesatzlesen. «Die Konflikte haben das Potenzial, die Energieversorgung auf den Märkten zum Stocken zu bringen», sagt er. Spitzt sich die Lage zu, wird die Preisspirale weiter nach oben drehen.
Die Anbieter empfehlen deshalb dringend, den Heizölbedarf frühzeitig zu prüfen. In vielen Haushalten und Überbauungen dürfte der Füllstand deutlich unter dem Durchschnitt von 50 Prozent liegen. «Sollte es einen durchschnittlichen oder auch etwas strengeren Winter geben, kann das rasch zum Problem werden», so Schifferle. Er rät deshalb, den Tank zumindest so weit nachzufüllen, dass man durch den Winter kommt – und zwar besser früher als später.
Warten alle ab, droht plötzlich ein logistischer Engpass. «Bestellen plötzlich viele Kunden gleichzeitig, kommen die Lieferanten mit dem Nachfüllen nicht hinterher.» Verwaltungen blühte schlimmstenfalls Ärger mit den Mietern, die in der Folge frieren müssten.
Lieferzeiten könnten sich extrem verlängern
Auch bei sogenannten Zweistoffanlagen droht Ungemach: Grosse Immobilienkomplexe wie Spitäler und Wohnüberbauungen werden häufig noch mit Gas beheizt. Die Füllstände in den Gasspeichern in Europa sind derzeit historisch tief. Besteht ein Abschaltvertrag, muss die Anlage bei einer Gasmangellage auf Heizöl umgestellt werden. Schifferle: «Bestellen diese Kunden gleichzeitig mit vielen Haushalten, werden sich die Lieferzeiten extrem verlängern.»
Rund ein Drittel des Schweizer Heizöls kommt aus der Raffinerie in Cressier NE, die Rohöl über Pipelines erhält. Wegen eines technischen Defekts steht die Produktion aber aktuell still – voraussichtlich noch bis Mitte Monat. Die übrigen zwei Drittel werden verarbeitet in die Schweiz transportiert – ein Teil davon über den Rhein, dessen Wasserpegel nach wie vor tief ist und hohe Transportkosten verursacht.
Doch auch eine Normalisierung der Rheinschifffahrt verspricht wenig Erleichterung für den Heizölpreis. Am Donnerstag kostete eine Tonne Fracht 205 Franken. Das Heizöl sei derzeit mit einem Preis von 100 bis 110 Franken pro Tonne kalkuliert, so Schifferle. «Die Frachtpreise müssten also massiv sinken, damit der Effekt beim Heizölpreis spürbar ist.» Er rechnet vor: Geht der Frachtpreis auf 40 bis 50 Franken pro Tonne zurück, werden 100 Liter Heizöl etwa 5 Franken günstiger.