Darum gehts
Schiffe attackieren, US-Basen beschiessen, Sperrzonen verkünden: Mit diesen Taktiken machen die Iraner den amerikanischen Angreifern seit bald sieben Monaten das Leben schwer. Das ist effizient, aber nicht länger überraschend. Jetzt aber ist den Mullahs ein Coup geglückt, der den Krieg im Nahen Osten noch viel tödlicher machen könnte – und der weit über die Region hinaus gefährliche Folgen haben dürfte.
Am Dienstag fischte die von den USA mehrfach totgesagte iranische Navy ein topmodernes, unbemanntes U-Boot der Amerikaner aus der Strasse von Hormus. Dive LD heisst das sechs Meter lange, an einen Zeppelin erinnernde Tiefseemonster der amerikanischen Waffenschmiede Anduril Industries.
Es kann bis zu zehn Tage lang autonom auf Mission gehen, bis zu 6000 Meter tief tauchen und ist laut den Herstellern perfekt für den «Minenkrieg» und die «präzise Platzierung» von gefährlichen Ladungen geeignet. Kosten pro Stück: 2,5 Millionen Dollar.
Ein fetter Fang für die Iraner, die den seltenen Fund bereits auf allen Ebenen ausschlachten.
Glückstag für die iranischen Bombenbastler
Die iranische Botschaft in Indien kündigte auf X eine grosse «Auspack-Zeremonie durch unsere Ingenieure» an. Und die Kollegen der Botschaft in Ghana betonten, das U-Boot habe bei seiner Festsetzung «noch immer geblinkt wie ein Idiot».
Klar ist: Der Iran ist gefährlich gut darin, gekaperte Waffensysteme nachzubauen und weiterzuentwickeln. Seit der Einrichtung der islamischen Republik 1979 betreibt der Westen keinen Waffenhandel mehr mit Teheran. Also setzten die Mullahs voll auf Marke Eigenbau und bilden ihre Ingenieure und Konstrukteurinnen an den technischen Hochschulen seither entsprechend aus. Das bestätigt nicht nur der amerikanische Militärgeheimdienst DIA in einem Lagebericht. Das zeigen auch die eindrücklichen Waffenarsenale der iranischen Stellvertreterarmeen in Gaza, im Jemen oder im Libanon.
Eine topmoderne Unterseedrohne aus Washingtons Waffenschmieden kommt den Konstrukteuren in Teheran da gerade recht. Da mögen die verantwortlichen US-Generäle den Fall noch so sehr runterspielen und die Hersteller noch so sehr darauf verweisen, dass die Software ihres Tiefseezeppelins «geschützt» sei: Die neueste Vorlage, die die Amerikaner den Iranern faktisch frei Haus geliefert haben, wird die Bombenbastler in Teheran befähigen, ihren Krieg in Hormus und ihren Terror weltweit bald noch effizienter, noch tödlicher zu gestalten.
Ganz zu schweigen davon, dass natürlich auch die Freunde der Mullahs in Moskau und Peking interessiert sein dürften, was da so alles in dem blinkenden amerikanischen Super-Teil drinsteckt.
Experten hüben wie drüben warnen vor den Konsequenzen des iranischen Coups. Kevin Rowlands, Seekrieg-Experte beim britischen Royal United Services Institute, sagte zur Nachrichtenagentur Reuters, dass die Iraner die Drohne nachbauen und dabei viel über die amerikanische Technik lernen würden. Und Farzin Nadimi, Nahostexperte am Washington Institute for Near East Policy, befürchtet, dass das geschnappte U-Boot den Mullahs erlauben werde, ihre eigenen U-Boote und Seedrohnen zu verbessern.
Iraner wollten Obama Spielzeugdrohne schicken
Wie ernst es die Amerikaner früher nahmen, wenn ihr Kriegsgerät in iranische Hände fiel, zeigt ein Zwischenfall im Jahr 2022, als die USA unter Präsident Joe Biden (83) ein Kriegsschiff mitsamt Kampfhelikoptern losschickten, um die Iraner daran zu hindern, eines ihrer militärischen Messgeräte zu kapern. 2011 ging der damalige Präsident Barack Obama (65) sogar so weit, Teheran öffentlich zur Rückgabe einer vom iranischen Himmel geholten US-Drohne zu bitten.
Der Iran dachte nicht mal an eine Rückgabe und baute die Drohne des Typs RQ-170 Sentinel Stealth gleich selber nach – erfolgreich, wie die auf dem amerikanischen Vorbild basierenden Mullah-Drohnen des Typs Simorgh belegen.
US-Präsident Donald Trump (80) hat die Schmach bislang nicht kommentiert. Sein Beitrag zur Debatte: Bei einem Wahlkampfauftritt in Texas schlug er vor, die Strasse von Hormus zur «Trump-Strasse» umzubenennen.