Darum gehts
- Trump erwartet Kriegsende mit Iran nach Zwischenwahlen im November
- Berater warnen: Konflikt könnte bis 2029 andauern
- Ölpreis über 100 Dollar, Diesel auf Rekordpreis in USA
Erst versprach er, den Iran schnell in die Knie zu zwingen. Dann staunte er über diese «Verrückten», die keine Verluste und Opfer scheuen. Der Iran stehe kurz vor der Kapitulation, sagte er wieder und wieder – und jetzt warnen seine eigenen Berater vor einem deutlich längeren Krieg.
US-Präsident Donald Trump (80) sagte am Mittwochabend, er rechne damit, dass der Krieg «unmittelbar nach den Zwischenwahlen» im November ende. Der Iran werde nicht mehr lange durchhalten.
Doch selbst im Weissen Haus wird inzwischen von einem anderen Szenario ausgegangen. Der Krieg könnte über Trumps Amtszeit hinaus dauern. Davor haben ihn laut «Wall Street Journal» führende Berater gewarnt.
Immer mehr Fragezeichen
Es wäre nicht das erste Mal, dass die USA die Widerstandskraft eines Gegners unterschätzen. Vietnam, Afghanistan und der Irak zeigten, wie aus vermeintlich schnell gewinnbaren Kriegen langwierige Konflikte wurden.
Derzeit eskaliert der Konflikt am Golf nach ruhigeren Wochen: Bei der grössten Angriffswelle seit Kriegsbeginn wurden zehn Schiffe attackiert, die Ölpreise schnellten in die Höhe.
Warnung im Oval Office
Wie das «Wall Street Journal» unter Berufung auf US-Beamte berichtet, sollen Vizepräsident J. D. Vance (42), Aussenminister Marco Rubio (55) und weitere Berater Trump in nichtöffentlichen Gesprächen im Oval Office darauf hingewiesen haben, dass Teheran dem amerikanischen Druck trotz Blockade und Militäroperationen weiter standhalten dürfte. Damit könnte sich der Krieg über die Amtseinführung des nächsten Präsidenten im Januar 2029 hinausziehen.
Das Weisse Haus bestätigte den Bericht nicht und verwies auf die «mächtigste Seeblockade der Geschichte» gegen Teheran.
Kippt Kongress?
Trump selbst rechnet damit, dass der Krieg «unmittelbar nach den Zwischenwahlen» im November enden werde, da der Iran nicht mehr lange durchhalten könne. Er warf Teheran zugleich vor, die US-Wahlen beeinflussen zu wollen. Einen Grund, welchen Einfluss die Wahlen konkret auf das Kriegsgeschehen haben, nannte er nicht.
In wenigen Wochen finden am 3. November die US-Zwischenwahlen statt. Dabei steht die Kontrolle über den Kongress auf dem Spiel.
Die Republikaner verfügen derzeit über eine knappe Mehrheit im Repräsentantenhaus. Umfragen und Wahlanalysen sehen diese Mehrheit als gefährdet. Im Senat ist die Ausgangslage für die Republikaner günstiger.
Trump tappe in «Kriegsfalle»
Die iranische Zeitung «Sobh-e-No» spricht unterdessen von einem «Krieg, der Trump in eine Falle gelockt» habe. Der Konflikt sei zu einer der grössten innenpolitischen Herausforderungen seiner Präsidentschaft geworden, schreibt die Zeitung.
Die USA kämpften erneut mit Inflation und steigenden Kosten, während Trumps Versprechen, «endlose Kriege» zu beenden, von der Realität des Iran-Kriegs eingeholt werde.
Die Frage sei nun, ob Trump «seinen Stolz überwinden» und den Krieg beenden werde, oder ob der Unmut der Bevölkerung bis zu den Midterms weiter wachse.
Ausweitung des Konflikts
Nach einem Monat relativer Ruhe griff der Iran am Mittwoch nach eigenen Angaben zehn Schiffe an, darunter zwei US-Schiffe und acht Öltanker – als Reaktion darauf, dass die USA zuvor fünf iranische Tanker versenkt hatten.
Mindestens ein Matrose kam dabei ums Leben, ein weiterer gilt als vermisst. Der Iran feuerte zudem Raketen auf eine US-Basis in Jordanien. Nach jordanischen Angaben wurden 18 von 20 Geschossen abgefangen, alle US-Soldaten blieben unverletzt.
Auch Saudi-Arabien wurde von Iran-treuen Huthis beschossen, während die Revolutionsgarden mit einer deutlichen Ausweitung ihrer Sperrzone in Hormus drohen.
Öl über 100 Dollar
Mit dem Iran-Krieg sind zudem steigende Energiepreise zu einem Thema für amerikanische Wähler geworden. Der Dieselpreis in den USA erreichte am Mittwoch ein historisches Allzeithoch von mehr als 5,94 Dollar pro Gallone.
Die Ölsorte Brent durchbrach erstmals seit Juli wieder die Marke von 100 Dollar pro Fass.