Darum gehts
- Irans Ex-Präsident Khatami warnt vor Abbruch der Verhandlungen mit USA
- Trump droht Iran mit «vernichtendster wirtschaftlicher Operation» bei ausbleibendem Deal
- Vereinigte Arabische Emirate stoppen Bankenverkehr mit Iran ab dieser Woche
Der iranische Ex-Präsident Mohammad Khatami (82) warnt sein Land mit einem dramatischen Appell davor, Verhandlungen mit den USA aufzugeben. Das im Juni unterzeichnete Memorandum of Understanding (MoU) sei eine «aussergewöhnliche» und «beispiellose» Chance für Iran. Werde sie verspielt, drohten dem Land «aussergewöhnliche Probleme», sagte Khatami, der das Land von 1997 bis 2005 regierte. Seine Äusserungen wurden von der iranischen Nachrichtenplattform Jamarān veröffentlicht.
Khatami ging dabei noch weiter: Seit dem Zweiten Weltkrieg habe kein von einem US-Präsidenten unterzeichnetes Dokument der anderen Seite so viele Vorteile gewährt und sich zugleich selbst so vielen Verpflichtungen unterworfen, sagte er. Das MoU sei damit ohne vergleichbares Beispiel. Khatami sieht in einem Abkommen die seltene Möglichkeit, die Konfrontation zu beenden und die Interessen Irans zu sichern.
Während mit Khatami eine prominente Figur des reformorientierten Lagers zur Diplomatie mahnt, verschärft US-Präsident Donald Trump (80) den Ton massiv.
Trump bläst zum Wirtschaftskrieg
In einer am Mittwoch veröffentlichten Botschaft auf Truth Social erklärte Trump, niemand habe Iran eine grössere Chance auf einen Deal gegeben als er. Teheran habe diese Chance jedoch «tragisch» nicht genutzt.
Nun kündigte Trump an, was er selbst als die «vernichtendste wirtschaftliche Operation, die je gegen ein Land ergriffen wurde» bezeichnete. Er sprach von «Wirtschaftskrieg und Isolation in beispiellosem Ausmass». Länder, Banken und Unternehmen, die Iran weiterhin eine wirtschaftliche Lebensader böten, müssten mit «enormen wirtschaftlichen Folgen» rechnen.
«Economic D-Day»
«Diese Verrückten sind am Ende», schreibt Trump. «Ihre Marine ist verschwunden, ihre Luftwaffe ist zerstört, ihre Rüstungsfabriken liegen in Trümmern, ihre Währung ist wertlos, und ihr Land hängt am seidenen Faden.»
«Ölschmuggel, Geldtransfers, Wechselstuben, Schiffsregister und Tarnfirmen müssen jetzt gestoppt werden», so Trump. Er fordert die US-Verbündeten auf, Iran gemeinsam zu isolieren. Bereits am Dienstag kündigte das emiratische Aussenministerium an, alle Handelsaktivitäten, kommerziellen Austausch und finanziellen Transaktionen mit Iran bis auf Weiteres auszusetzen.
Damit prallen zwei gegensätzliche Lesarten derselben Chance aufeinander: Khatami warnt Teheran davor, sie noch zu verspielen. Trump behauptet, genau das sei bereits geschehen, und kündigt an, was er selbst als «Economic D-Day» bezeichnet.“