Darum gehts
- Künftig will die Migros einen Teil ihres Gewinns an die Genossenschafter ausschütten
- Projekt Gewinnbeteiligung geht über Cumulus-Treueprogramm hinaus, alle Mitglieder von Migros-Universum sollen profitieren
- Urabstimmung im Sommer 2027 ist hohe Hürde, braucht Zweidrittelmehrheit und 25 Prozent Stimmbeteiligung in allen Regionalgenossenschaften
Die Migros-Chefs gehen eine grosse Wette ein: Am Montag läuteten sie den Riesenumbau des orangen Riesen zur Einheitsgenossenschaft ein – ohne Plan B in der Hinterhand. Dabei muss das Megaprojekt hohe Hürden überwinden: An der Urabstimmung im nächsten Sommer braucht es eine Zweidrittelmehrheit von allen zehn Regionalgenossenschaften. Und eine Stimmbeteiligung von jeweils 25 Prozent.
Die Migros-Manager wollen deshalb ein Ass aus dem Ärmel zaubern, um die 2,3 Millionen Mitglieder auf ihre Seite zu ziehen. Künftig will die Detailhändlerin einen Teil ihres Gewinns direkt an die Genossenschafter ausschütten, wie die «NZZ am Sonntag» unter Berufung auf mehrere Kadermitglieder berichtet.
Alle Mitglieder der Migros-Welt sollen profitieren
Vor knapp einem Jahr, Mitte November 2025, verabschiedete die Migros ihre «Vision 2035». Der Leitfaden: «Eine lebenswerte Schweiz für alle». Im Strategiepapier ist eine Gewinnbeteiligung der Genossenschafter bereits angedeutet. Laut dem «NZZ»-Bericht soll die Beteiligung über das Cumulus-Treueprogramm hinausgehen. Heisst: Es sollen alle Mitglieder der Migros-Welt profitieren – auch der Kunde der Migros Bank, die Sportlerin mit Activ-Fitness-Abo, die Onlineshopper bei Galaxus und die Einkäufer bei Denner. Man wolle alle Genossenschafter «stärker am wirtschaftlichen Erfolg der Migros teilhaben lassen», liess Migros-Chef Mario Irminger (61) bereits gegenüber Blick im Doppelinterview mit Präsidentin Ursula Nold (57) durchblicken.
Die Detailhändlerin hat nun eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die derzeit über den Details für die Beteiligung am Unternehmenserfolg brütet. Als Vorbild diene etwa die genossenschaftliche Versicherung Mobiliar, die jedes Jahr einen Teil des Gewinns in Prämienrabatte fliessen lässt.
Schoggi und 500 Cumulus-Punkte
Das Projekt kommt wie ein verlockendes Angebot an die Genossenschafter für ein Ja bei der Urabstimmung daher. Noch ist laut der «NZZ» aber unklar, ob die konkrete Umsetzung der Gewinnbeteiligung bis dann spruchreif ist. Gewisse Goodies haben die Migros-Chefs zumindest allen Genossenschaftern, die an der Abstimmung im nächsten Sommer teilnehmen, bereits versprochen. Neben der obligaten Schoggi gibts zusätzlich 500 Cumulus-Punkte.
Von Stimmenkauf distanziert sich die Migros-Spitze deutlich. «Wir werden die Abstimmung absolut fair, ordentlich und integer durchführen», betonte Präsidentin Nold im Blick-Interview. Und fügte dann an: «Wir haben gute Argumente für die Reform.»