Darum gehts
- Teilzeitarbeit bleibt umstritten: Führung, Lohn und Care-Arbeit oft problematisch
- Teilzeitarbeitende leisten oft Care-Arbeit und erleben Doppelbelastung
- Betreuungsurlaub: 14 Wochen, 80 Prozent Lohn, maximal 220 Franken täglich
Schräge Blicke und nervige Kommentare: Zeit, mit den gängigsten Mythen aufzuräumen, die sich um Teilzeitarbeit ranken. Mit unseren Tipps holst du das Beste aus deinem Teilzeitpensum heraus.
Karriere: «Führungsposition in Teilzeit? Unmöglich!»
Führung in Teilzeit ist mancherorts immer noch ein Tabu. Dabei ist es oft nur eine Frage der Organisation und des Vertrauens. Wer weniger Zeit hat, arbeitet oft strukturierter und fokussierter. Wer Entscheidungen auch mal abgeben kann, fördert seine Mitarbeitenden. Und: Um qualifizierte Talente halten zu können, müssen auch Firmen Kompromisse machen. Nicht alle sind bereit, Familie und Freizeit dauerhaft zurückzustellen.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
Das ist ein Beitrag aus dem «Beobachter». Das Magazin berichtet ohne Scheuklappen – und hilft Ihnen, Zeit, Geld und Nerven zu sparen.
Beobachter-Tipp: Du hast Ambitionen und willst Karriere machen – trotz oder gerade wegen Teilzeit? Dann bringe dich in der Firma oder bei direkten Vorgesetzten ins Spiel. Sprich über einen Karriereplan. Halte Vereinbartes schriftlich fest. Denke auch an Job- beziehungsweise Topsharing. Davon spricht man, wenn sich mehrere Personen eine Führungsfunktion teilen. Regeln sollte man dann Aufgabenverteilung, Schnittstellen, Entscheidkompetenzen und Kommunikationswege.
Lohn: «Wer weniger arbeitet, leistet ja auch weniger für die Firma»
Produktivität hat nichts mit Anwesenheit zu tun. Trotzdem: Wer Teilzeit arbeitet, gilt nicht selten als Arbeitnehmer «zweiter Klasse» – auch was den Lohn anbelangt. Ein tieferer Lohn wird dann oft mit dem angeblich kleineren Beitrag an den Unternehmenserfolg erklärt. Der tatsächliche Output für das Unternehmen wird dabei schlichtweg ignoriert.
Beobachter-Tipp: Frage immer und überall nach einer Lohnerhöhung. Verknüpfe deine Leistung idealerweise mit Zahlen. Frage dich: Wo habe ich Kosten eingespart, Prozesse optimiert, neue Kunden gewonnen oder das Team stabilisiert? Das alles ist unabhängig vom Pensum. Achtung: Beim jährlichen Mitarbeitergespräch ist es für Lohnverhandlungen häufig schon zu spät, die Budgets sind bereits gemacht. Vereinbare ein verbindliches Follow-up, wenn sich deine Chefin nicht zum Thema Lohn äussern konnte oder wollte.
Care-Arbeit: «Du hast es gut, du hast ja quasi immer Wochenende»
Schön wärs! Die Realität von Teilzeitarbeitenden sieht aber häufig ganz anders aus. In ihrer Freizeit leisten sie häufig wertvolle Care-Arbeit. Kümmern sich um Kinder und den Haushalt oder pflegen Angehörige. Teilzeitarbeitende tragen nicht selten eine Doppelbelastung.
Deine Rechte: Als Elternteil eines schwer kranken oder verunfallten Kindes hast du Anspruch auf 14 Wochen bezahlten Betreuungsurlaub. Du kannst diesen innerhalb von 18 Monaten tageweise oder am Stück beziehen. Wenn beide Elternteile arbeiten, hast du je Anspruch auf sieben Wochen. Du kannst die Zeit auch anders aufteilen oder gleichzeitig beziehen. Du erhältst 80 Prozent deines Lohns, höchstens 220 Franken am Tag.
Überstunden: «Kannst du das noch kurz fertig machen? Du gehst ja gleich schon …»
Hier schwingt oft ein subtiler Vorwurf mit. Während Vollzeitkräfte längere Kaffeepausen machen, arbeiten Teilzeitkräfte oft ohne Unterbruch durch, um pünktlich rauszukommen – und müssen sich dann für den pünktlichen Feierabend rechtfertigen. In vielen Firmen wird einfach vorausgesetzt, dass man Überstunden macht. Das ist nicht immer rechtens.
Deine Rechte: Überstunden muss man nur leisten, wenn sie notwendig und zumutbar sind. So steht es im Gesetz. Unzumutbar sind beispielsweise Überstunden, die dich gesundheitlich überfordern, oder wenn du wegen der Überstunden deine Familienpflichten nicht erfüllen kannst.