Darum gehts
- Am 1. Mai fordern Gewerkschaften in der Schweiz höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen
- 58 Prozent von 4500 befragten Blick-Leser sagen, die Schweiz arbeite mehr als andere Länder
- Das Thema Gen Z und Teilzeitarbeit spaltet die Kommentarschreiber
Am 1. Mai kämpfen Büezer und Angestellte für höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen. Die Gewerkschaften kritisieren die seit vielen Jahren stagnierenden Reallöhne. Auf der anderen Seite: Wirtschaftsbosse, die wieder mehr Arbeitsmoral fordern. Arbeitgeber sprechen gar von «Lifestyle-Teilzeit» – besonders bei den unter 50-Jährigen.
Es stellt sich also die Frage: Sind die Schweizerinnen und Schweizer wirklich faul geworden? Blick hat den renommierten Ökonomen Mathias Binswanger (63) mit der Frage konfrontiert. Rein ökonomisch könne man den Menschen nichts vorwerfen, findet dieser. «Man kann nicht erwarten, dass die Menschen ihr Leben in erster Linie nach den Bedürfnissen der Wirtschaft oder des Staates ausrichten, wenn dazu kein Anreiz besteht. Jeder tut, was für ihn oder sie persönlich am besten ist», stellt Binswanger im Interview klar.
Die Blick-Community ist bei diesem Thema regelrecht gespalten. Eine Umfrage zeigt: 58 Prozent finden, dass wir Schweizerinnen und Schweizer sowieso schon mehr arbeiten als die Menschen in vielen anderen Ländern. Die übrigen der rund 4500 Befragten halten dagegen: Unser Wohlstand stehe auf dem Spiel! Wir müssen wieder mehr Leistung erbringen.
Teilzeitarbeit eckt an
In der Kommentarspalte diskutieren die Blick-Leser angeregt. Offenbar vielen ein Dorn im Auge: die junge Generation Z. «Die Generation Z wird es niemals begreifen, nie», schreibt beispielsweise Martin Tobler. Beat Bergola stört sich dagegen vor allem an Teilzeitarbeit: «Und immer noch gibt es sehr viele Träumer, die glauben man könne ab und zu Auszeit nehmen und nur 60 Prozent arbeiten für den gleichen Lohn» kommentiert dieser.
Jürgen Gerber sieht es ähnlich: «Mal schauen, wenn die jungen Teilzeiter dann mal 65 Jahre alt sind und staunen, wie viel Impact ihre Work-Life-Balance auf ihre Rente hatte.» Ein weiterer Leser schreibt ironisch: «Büroarbeit ist wirklich sehr hart. Man kann das nicht länger als bis 55 machen.»
Einen Schritt weiter geht Heinz Köhli: Er sieht die Schweiz als eine verwöhnte Wohlstandsgesellschaft. Gesellschaftliche Risiken zu tragen, sei vielen zu streng – «lieber Bier, Wurst und Party als harte Arbeit und Familie», kommentiert dieser.
Sind Arbeitgeber noch loyal?
Andere halten klar dagegen – und verstehen, dass Junge nicht mehr gleich viel arbeiten wollen wie ihre Eltern. So Leserin Carmen Spiess: «Weshalb sollen die Jungen so arbeiten, wie wir es taten? In den letzten 25 Jahren entlassen Firmen die Arbeitnehmer, wann immer es ein wenig abwärtsgeht.» Sie hinterfragt in ihrem Kommentar die Loyalität der Arbeitgeber.
Auch Hansruedi Ilg hat kein Verständnis für die Aussagen der Wirtschaftsbosse: «Diese Aussagen stammen von CEOs, die ihre Bäume mit dem Helikopter rund um ihre Häuser transportieren lassen. In guten Zeiten kassieren sie selbst hohe Gehälter und in schlechten Zeiten erwarten sie Solidarität von ihren Angestellten.»
Dass zu viel Arbeit nicht immer guttut, musste Manuel Martin am eigenen Leib erfahren. «Ich hatte vor neun Jahren wegen der Arbeit ein Burnout und bin jetzt zum Teil IV-Rentner», kommentiert dieser. Dass er mit weniger Lohn auskommen muss, stört ihn nicht: «Dafür bin ich heute gesund und kann mir das Leben mehr oder weniger einteilen, wie ich will. Zum Glück bin ich nicht mehr in diesem Hamsterrad, denn Arbeit ist nicht alles.»
Hans Hanold fragt sich: «Lebt man zum Arbeiten, oder arbeitet man zum Leben?» Und kommt zum Schluss: «Ich denke, das muss jeder mit sich selbst ausmachen.» Er selbst sieht keinen Sinn darin, Unmengen an «Schotter» anzuhäufen und dann ins Grab zu steigen. Er möchte sein Leben lieber geniessen – das dürfte ja im Sinne von uns allen sein.