Debatte um Teilzeitarbeit im Alter
«Wieso soll man in den letzten Erwerbsjahren nicht weniger arbeiten dürfen?»

Viele ältere Erwerbstätige arbeiten bewusst Teilzeit – eine Untersuchung des Arbeitgeberverbands zeigt nun, dass darin ein grosses ungenutztes Arbeitskräftepotenzial liegt. In der Leserschaft stösst der Vorschlag, dieses stärker auszuschöpfen, auf grosse Ablehnung.
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Die Gen Z ist mit dem Vorurteil konfrontiert, weniger arbeiten zu wollen als andere Generationen.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Schweizer Arbeitgeberverband: Über 50-Jährige arbeiten häufiger Teilzeit, nicht Gen Z
  • 74 Prozent der Leserinnen und Leser lehnen stärkere Arbeitsanreize für über 50-Jährige ab
  • Viele haben Verständnis dafür, dass Ältere noch etwas von ihrem Leben geniessen wollen
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Die Meinung, die jungen Menschen seien zu faul zum Arbeiten, hält sich hartnäckig. Eine Untersuchung des Schweizerischen Arbeitgeberverbands (SAV) stellt diese Annahme jedoch infrage. Laut der Auswertung liegt das grösste ungenutzte Arbeitskräftepotenzial vielmehr bei den über 50-Jährigen.

In dieser Altersgruppe steigt der Anteil der Erwerbstätigen, die bewusst Teilzeit arbeiten, deutlich an: von 7 Prozent bei den 50- bis 54-Jährigen über mehr als 10 Prozent bei den 55- bis 59-Jährigen bis hin zu rund 13 Prozent ab 60 Jahren. Ältere Arbeitskräfte reduzieren ihr Pensum bis zu dreimal häufiger zugunsten von mehr Freizeit als Vertreter der Gen Z. Würden die Teilzeitler ihre Pensen auf Vollzeit erhöhen, ergäbe sich laut SAV ein zusätzliches jährliches Bruttolohnvolumen von rund 8 Milliarden Franken.

Diskussion um Arbeitsanreize

SAV-Chefökonom Patrick Chuard-Keller (39) sieht insbesondere bei Teilzeitbeschäftigten ein Potenzial und plädiert für Anreize wie tiefere Grenzabgaben oder die Beseitigung von Fehlanreizen. In der Leserumfrage stösst dieser Ansatz jedoch auf deutliche Skepsis: 74 Prozent lehnen die stärkere Ausschöpfung des Arbeitspotenzials der über 50-Jährigen ab und betonen die individuelle Freiheit bei der Wahl des Arbeitspensums. 16 Prozent befürworten die Idee und halten Arbeit grundsätzlich für besser als Untätigkeit, während sich 10 Prozent neutral äussern.

Verständnis für Teilzeit im Alter

Auch in der Kommentarspalte wird die Forderung kontrovers diskutiert – der Tenor reicht von Verständnis für Teilzeitarbeit im Alter bis hin zu Kritik an den Anreizsystemen. «Viele der heutigen 55- bis 65-Jährigen haben die Arbeit mit etwa 17 Jahren aufgenommen. Das bedeutet, dass sie seit rund 40 Jahren im Arbeitsprozess eingebunden sind. Wieso soll man in den letzten Erwerbsjahren nicht weniger arbeiten dürfen?», fragt sich Leser Stefan Stotz. Er fordert, der Arbeitgeberverband solle zunächst seine Mitglieder dazu anhalten, ältere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ihren Stellen zu halten und deren Erfahrung zu nutzen, auch wenn diese «teurer» seien als jüngere.

Auch Josef Felber zeigt Verständnis für den Wunsch nach Reduktion des Arbeitspensums. Die Gen Z habe im Gegensatz zu den über 50-Jährigen «gerade erst mit arbeiten angefangen», während viele ältere Arbeitnehmende bereits erste Ermüdungserscheinungen zeigten und für Arbeitgeber zunehmend als zu teuer gelten würden. Zudem könnten sich viele dank Erbschaften oder Ersparnissen ein reduziertes Pensum eher leisten und wollten die verbleibende Zeit stärker für sich nutzen. «Alle haben nur ein Leben. Darum habe ich Verständnis, dass sie noch etwas von ihrem Leben geniessen möchten, solange sie noch fit sind.»

Eher pragmatisch ordnet Rolf Dörig die Diskussion ein und verweist auf die Vorteile eines gestaffelten Ausstiegs aus dem Erwerbsleben. «Jede vernünftige Pensionierungsplanung rät zu einem gestaffelten Ausstieg aus dem Erwerbsleben. Dies schafft massive Steuervorteile, da nicht die gesamte Pensionskasse und Säule 3a in einem Jahr ausbezahlt wird. Das hat mehr mit Planung als mit ‹keine Lust auf Arbeit› zu tun!»

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