Darum gehts
- Spitexdienst Fit for Care schliesst Generation Z in Stelleninserat aus
- Stellenanzeige löst breite Diskussion in der Leserschaft aus
- Kritik an Arbeitsmoral, Fehlzeiten und Work-Life-Balance
Der Spitexdienst Fit for Care sorgt mit seiner aktuellen Stellenanzeige für Aufsehen. Für die Teamleitung Pflege schliesst das Unternehmen in der Ausschreibung explizit Bewerbungen der Generation Z aus. Im Stelleninserat wird ein möglicher Grund deutlich: Es gehe darum, eine «Montag, Freitag, Krankenscheinmentalität» zu vermeiden.
Statistiken des Bundesamts für Statistik zeigen, dass junge Mitarbeitende im Durchschnitt tatsächlich häufiger krankheitsbedingt ausfallen als ältere Generationen – knapp zwei Wochen pro Jahr. Diese Zahlen könnten den Ausschluss der Generation Z erklären, werfen aber zugleich die Frage auf, wie gerechtfertigt eine pauschale Ablehnung einer ganzen Generation ist.
Leser zeigen Verständnis
Die Stellenanzeige hat nicht nur Aufmerksamkeit erregt, sondern auch zahlreiche Reaktionen in der Blick-Community ausgelöst. Einige Leser bringen ihre Erfahrungen mit der Generation Z am Arbeitsplatz deutlich zum Ausdruck. «Ich habe mich von allen Gen-Z-Mitarbeitern getrennt und sage der Personalabteilung klar, sie mögen diese Profile gleich aussortieren. Da sind die Vorstellungsgespräche für mich schon verlorene Lebenszeit», kommentiert User Mike Kilo.
Diese Einschätzung spiegelt die Erfahrungen und Frustrationen einiger Arbeitgeber wider, die Herausforderungen bei Fehlzeiten beobachten. Auch Leser Thomas Ulrichsson sieht die Situation kritisch: «Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. Leider scheint es bei der Gen Z heute genau das Gegenteil zu sein. Work-Life-Balance und Social Media lassen grüssen. Aus 30 Jahren Berufserfahrung kann ich die Beobachtung leider nur bestätigen und habe völliges Verständnis für diesen Arbeitgeber.»
«Die Jüngeren fehlen gerne Montag oder Freitag»
User Renato Tivoli begrüsst das Vorgehen des Spitexdienstes ebenfalls: «Es ist doch legitim, zu sagen, was man will.» Als Dozent, der sehr viel mit der Generation Z zu tun hat, könne er das Verhalten des Arbeitgebers sehr gut verstehen. «Die Leistungsfähigkeit, die Konzentrationsfähigkeit, den Biss und den Durchhaltewillen sowie auch die Vorbildung generell sind in den letzten zehn Jahren markant gesunken.» Eine Einstellung würde er heute nur nach einer einwöchigen Probezeit vornehmen. Gleichzeitig betont er: «Da können die jungen Leute aber nichts dafür. Es fehlt hier an leistungsorientierter Bildungspolitik und einer Gesellschaft, die das goutiert.»
Marc Trudelli, Teamleiter eines 16-köpfigen Teams, gibt ebenfalls eine Einschätzung zur Generation Z ab. Er betont, dass die jungen Mitarbeitenden seiner Erfahrung nach nicht schlechter arbeiten, jedoch deutlich häufiger fehlen – insbesondere an Freitagen und Montagen. «Ich kann über die Zeit- und Abwesenheits-Software bei uns alles einsehen, analysieren und auch Statistiken erstellen», erklärt Trudelli. Dabei zeige sich ein klar erkennbares Muster: «Die Jüngeren fehlen gerne Montag oder Freitag. Unser System erkennt dies auch und es wird farblich gekennzeichnet.»
«Eine ganze Generation wird verunglimpft»
Doch nicht alle Stimmen in der Diskussion sind kritisch gegenüber der jungen Generation. Hans Gusen bringt eine andere Perspektive aus der Praxis ein: «In unserem Unternehmen arbeiten die Mitarbeitenden der Generation Z seriös und motiviert. Dagegen tun sich Angehörige der Babyboomer-Generation häufiger schwer mit Veränderungen und neuen Technologien.»
Auch Daniel Amsler mahnt zu mehr Differenzierung im Urteil über die Generation Z. «Ich finde es beschämend, alle in den gleichen Topf zu werfen! Dass der Druck auf die Jungen zunimmt, steht wohl ausser Frage. Heute wird erwartet, dass man immer erreichbar ist. Probleme werden schnell weitergereicht und Schuldige ganz schnell bestimmt. Eigene Vorteile und Bonusdenken von Vorgesetzten kommt vor Sozialkompetenzen. Man sollte beide Seiten verstehen, bevor man urteilt.»
In dieselbe Kerbe schlägt auch Marco Schibig, der den Ausschluss der Generation Z in der Stellenanzeige als ungerechtfertigte Verallgemeinerung sieht: «Mit diesem Inserat und Ausschluss wird eine ganze Generation verunglimpft und diskriminiert! Es gibt in dieser Generation ebenso viele, die leistungsbereit und top motiviert sind und einen tollen Job machen.» Zudem erinnert er daran, dass Pflegedienstleister in Zukunft mehr denn je auf diese Generation angewiesen sein werden. «Und falls es in Vergessenheit geraten ist: Die früheren Generationen haben die Generation Z erzogen!», doppelt er nach.