Darum gehts
- Die UBS muss Tochtergesellschaften mit 20 Milliarden Franken Eigenkapital absichern
- Analysten kritisieren die Bank fürs Jammern über neue Kapitalanforderungen
- Experten stellen infrage, ob die Beschaffung des zusätzlichen Kapitals wirklich so ein grosser Aufwand sei
Für den Bundesrat unter Führung von Finanzministerin Karin Keller-Sutter (62) ist klar: Die UBS muss ihre ausländischen Tochtergesellschaften künftig vollständig mit hartem Eigenkapital unterlegen. Der Aufbau der dicken Kapitaldecke dürfte die letzte Schweizer Grossbank rund 20 Milliarden Franken kosten.
Entsprechend gross ist das Lamento der UBS: Die Eigenmittelanforderungen seien «extrem», international nicht abgestimmt und gingen an der Kritik aus der Vernehmlassung vorbei. Im Extremfall drohten spürbare Folgen für die Schweizer Wirtschaft, warnte die Bank bei der Bekanntgabe der Details Ende April.
Seit Monaten lassen Konzernchef Sergio Ermotti (66), Präsident Colm Kelleher (68) und viele andere aus dem Management der UBS keine Gelegenheit aus, um sich über die unfaire Behandlung der Retterin der CS und Verhinderin einer grossen Finanzkrise zu beklagen.
Doch das geht immer mehr Leuten auf die Nerven. «Die UBS-Führung soll aufhören zu jammern», schreibt der Analyst Quentin de Villeneuve von der französischen Aktienanalysefirma Alphavalue in einem Report zur UBS. Und erinnert daran, dass die Kapitalanforderungen im Parlament noch ziemlich verwässert werden können.
Kapitalaufbau machbar
Auch der Schweizer Geldökonom Fabio Canetg (36) findet: «Es ist jetzt gut, die UBS soll aufhören, zu jammern.» Und reicht einen provokativen Spartipp nach: «Die UBS könnte sich all das Geld für die Lobbyarbeit sparen. Dann hätte sie schnell die Hälfte des zusätzlichen Kapitals beisammen.» Das sei zwar etwas zugespitzt, gibt er zu, doch tatsächlich stünden die Lobbyingefforts der UBS in keinem Verhältnis zu den Folgen, die die neue UBS-Regulierung auf die Grossbank hätte.
Zumal viele Analysten ab 2028 einen jährlichen Gewinn der UBS von über 10 Milliarden Franken erwarten: «Das zeigt, dass der Aufbau von 20 Milliarden an zusätzlichem Kapital nicht so ein Problem sein kann», so Canetg.
Urs Birchler (75), ehemaliger Bankenprofessor und Direktor der SNB im Bereich Finanzstabilität, nervt das Gehabe der UBS schon lange. «Besonders stört mich die unkritische Behauptung, Eigenmittel seien teuer. Eigenmittel erhöhen die Sicherheit der Bank, dadurch kann sie sich günstiger Geld borgen. Sie spart also Geld bei der Finanzierung ihrer Geschäfte.» Dem pflichtet auch Analyst de Villeneuve bei, der in einer besser kapitalisierten Bank gar einen Wettbewerbsvorteil für die UBS sieht, der längerfristig zu besseren Wachstumschancen führen könnte.
Das schlägt sich auch in der Entwicklung des Kurses der UBS-Aktie nieder. Die Aussicht auf eine erfolgreiche Integration der CS beflügelte die Aktie zu Jahresbeginn, danach drückte die Kapitaldiskussion auf die Stimmung der Anleger. Doch seit Ende März legt die Aktie wieder zu, auch weil die Bank ein starkes erstes Quartal vermelden konnte.
Weniger Kapital, mehr Lohn
Birchler gibt zu bedenken, dass der Bundesrat auch den Schutz der Steuerzahler vor einer weiteren Bankenpleite berücksichtigen muss: «Dem Bund bleibt gar nichts anderes übrig, als die Eigenmittelvorschriften zu verschärfen, denn der Bund kann nicht damit drohen, er ziehe ins Ausland. Die Eidgenossenschaft muss das Risiko einer UBS in Schieflage stemmen können.» Birchlers Verdacht: Dem Management geht es gar nicht um die Bank, sondern um das eigene Portemonnaie. «Teuer sind die Eigenmittel allenfalls für das UBS-Management. Denn dessen Boni fallen höher aus, wenn die Bank mit einer dünneren Kapitaldecke unterwegs ist.»
Die UBS lehnt die vorgeschlagenen Kapitalmassnahmen entschieden ab, unter anderem wegen der erheblichen Kosten für die Bank und die Schweizer Wirtschaft. Und schreibt weiter: «Vergütungsüberlegungen spielen in diesem Zusammenhang keinerlei Rolle.»
Zum Abschluss seines Reports hat de Villeneuve nur noch ein Kopfschütteln für die UBS-Spitze übrig. Sein Fazit: «Es ist unverständlich, warum das UBS-Management so viel Energie in diese sinnlose Schlacht ums Kapital steckt.» Denn am Ende brauche die Schweiz eine sichere UBS – und die Bank brauche die Schweiz als Marke für ihr erfolgreiches Geschäftsmodell.