Darum gehts
- Lindt-Aktie ist seit Februar von 130'000 auf 94'300 Franken gefallen
- Schmerzgrenze bei Kunden erreicht: 19 Prozent Preisanstieg 2025, Absatzprobleme
- Kakaopreis sank 2026 um 20 Prozent, Preissenkungen angekündigt für Schweiz
Lindor-Kugeln, Kirschstängeli und Goldhasen sind der Stolz von Schoggi-König Ernst Tanner (79). Denn die Konsumentinnen und Konsumenten rund um den Globus schlucken bei Lindt fast jede Preiserhöhung. Das wusste der Verwaltungsratspräsident von Lindt & Sprüngli Mitte April wieder an der Generalversammlung des Premium-Schoggi-Konzerns zu berichten. Bei Laune hält er die anwesenden Aktionärinnen und Aktionäre mit der 30. Dividendenerhöhung in Folge.
Allerdings breitet sich unter den Anteilseignern von Lindt gerade Katerstimmung aus. Allein gestern verlor die Lindt-Aktie 3300 Franken an Wert. Der Titel ist zwar immer noch so teuer wie ein Oberklasseschlitten – rund 94'300 Franken. Seit Ende Februar hat die teuerste Aktie auf dem Schweizer Börsenparkett jedoch massiv verloren: Damals lag Lindt noch bei fast 130'000 Franken. Warum werfen erfolgsverwöhnte Aktionäre plötzlich haufenweise Lindt-Aktien auf den Markt?
Das Problem: Die bewährte Premium-Preis-Strategie stösst an ihre Grenzen. In den letzten Jahren hat der Konzern höhere Kosten mit überaus grosszügigen Preiserhöhungen an Kunden weitergegeben – und dabei etwas tiefere Verkaufsmengen in Kauf genommen. Das Preis-Plus allein im letzten Jahr: 19 Prozent!
Lindt-Kenner: «Schmerzgrenze erreicht»
«Für viele Kunden ist inzwischen eine Schmerzgrenze erreicht bei dem, was sie selbst für bekannte Marken zu zahlen bereit sind», sagt Matthias Geissbühler (50), Anlagechef bei Raiffeisen Schweiz. Diese Entwicklung sehe man auch bei Marken anderer Firmen, die üblicherweise höhere Preise mit Leichtigkeit durchsetzen können. «In den letzten Monaten zeigt sich zunehmend, dass Konsumentinnen und Konsumenten diese Preiserhöhungen nicht mehr mitmachen.»
Bei den Lindt-Produkten zeigt sich das symptomatisch in Deutschland: Dort klagten im April Supermarktketten, dass die berühmten Goldhasen aus Kilchberg ZH wie Blei in den Regalen liegen. Auch riesige Rabatte nach Ostern sollen nicht geholfen haben, die grossen Bestände abzubauen.
Preissenkungen in Europa in Aussicht gestellt
Seit Ausbruch des Irankriegs Ende Februar hat die Inflation in vielen Ländern wieder merklich angezogen. «Gerade im Ausland müssen Konsumenten wegen der Teuerung den Gürtel enger schnallen», so Geissbühler. Die USA sind der wichtigste Markt von Lindt & Sprüngli. «Und dort hat die Konsumentenstimmung neue Tiefststände erreicht.»
Der Schokoladenriese hat deshalb bereits am 10. März die Ziele fürs aktuelle Jahr nach unten korrigiert, worauf die Aktie mit einem schmerzhaften Taucher reagiert hat.
Das Umdenken hat nun stattgefunden. Lindt hat für den deutschen Markt und nun auch für die Schweiz tiefere Preise in Aussicht gestellt.
Schwierige Rückkehr zu steigenden Verkaufszahlen
Beim Absatz helfen könnte auch der Kakaopreis, der seit Anfang Jahr rund 20 Prozent gesunken ist. «Dies führt zu einer besseren Planbarkeit für Schokoladenhersteller und deren Endkunden», sagt Vontobel-Analyst Matteo Lindauer (29). «Die Aussichten für die Hersteller, wieder über positive Volumina und nicht nur über Preiserhöhungen zu wachsen, sollten sich im zweiten Halbjahr verbessern.»
Die Aktie von Lindt & Sprüngli bleibt trotz Taucher die teuerste der Schweiz. Der Konzern mit dem Marken-Aushängeschild und Ex-Tennisstar Roger Federer (44) kündigte im April einen weiteren Aktienrückkauf im Umfang von einer Milliarde Franken an, was sich positiv auf den Aktienkurs auswirken dürfte.
Eine Beruhigungspille auch für die treuen Schweizer Aktionärinnen und Aktionäre, die ihre Lindt-Titel gerne mal innerhalb der Familie weitervererben.