Darum gehts
- Vertreter von Regiobanken stellen sich hinter Bundesrat
- Angst vor «impliziter Staatsgarantie» auf Kosten des Steuerzahlers
- Aufgabe der UBS wird nicht leichter
Am Anfang steht ein Linkedin-Post: Andreas Blöchlinger (50), Privatdozent für Banking and Finance an der Universität Zürich und Leiter Treasury bei der Bank Avera, schreibt, dass die Schweiz den Forderungen der UBS bezüglich weniger Eigenkapital nicht nachgeben soll. Denn dann würde diese «implizite Staatsgarantie» auf Kosten der Steuerzahler und der Konkurrenz auf dem Finanzplatz gehen.
Auf eben diesem Finanzplatz brodelt es wegen der UBS immer heftiger. Hinter vorgehaltener Hand war schon länger klar, dass die kleinen Banken ganz gut mit den von Finanzministerin Karin Keller-Sutter (63) vorgeschlagenen Spielregeln für die letzte Grossbank der Schweiz leben können. Diese sehen vor, dass die UBS im Stammhaus ihre Auslandstochtergesellschaften mit 100 Prozent Eigenkapital unterlegen muss. Dagegen wehrt sich die UBS vehement.
Das Problem: Das Eigenkapital ist gebunden, kann nicht für lukrativere Geschäfte genutzt werden. Das schmeckt den Investoren nicht, entsprechend ist die Aktie der UBS nicht dort, wo sie aufgrund ihrer Grösse und ihres Geschäftsmodells eigentlich sein sollte. Immerhin: Diese Woche kletterte die UBS-Aktie über 40 Franken – einen Wert, den der Titel seit der Finanzkrise nie mehr erreicht hatte.
Weniger als KKS geht nicht
Doch den Kleinen geht es nicht um den Kurs der UBS-Aktie, sie vergleichen ihre Kapitalanforderungen mit denjenigen, die der Bundesrat für die UBS künftig vorsieht. «Hätten wir Regionalbanken prozentual ebenfalls so wenig hartes Eigenkapital wie die UBS, wären wir deutlich unterkapitalisiert», so Markus Boss (63), CEO der Regiobank Solothurn, gegenüber den Publikationen von CH Media.
Deshalb ist auch für Blöchlinger klar: «Tiefer als der Vorschlag der Finanzministerin darf die Schweiz bei den Kapitalanforderungen der UBS auf keinen Fall gehen.» Er verstehe zwar, dass die UBS zugunsten ihrer Aktionäre für so wenig Kapital wie möglich kämpft. Sagt aber andererseits: «Je mehr Kapital die UBS vorhalten muss, desto günstiger wird die implizite Staatsgarantie für die Schweiz.»
Ins gleiche Horn stösst Michael Elsaesser (55), Chef der Bernerland Bank, der der Debatte über einen Wegzug der UBS aus der Schweiz wenig abgewinnen kann. «Die UBS ist wichtig für die Schweiz.» Ergänzt aber: «Es geht hier um das Interesse der ganzen Volkswirtschaft.» Deshalb könne es nicht sein, dass die UBS von einer faktischen Staatsgarantie profitiere, die sie nicht abgelten müsse. Gegenüber CH Media spricht Elsaesser von einem «Trittbrettfahrersyndrom».
Das dürfte der UBS nicht gefallen, dass der Grossbank nun auch Vertreter des Finanzplatzes in den Rücken fallen. Das dürfte die Aufgabe der Bank nicht leichter machen, das Parlament davon zu überzeugen, die Vorschläge des Bundesrates für die Regulierung der UBS noch abzuschwächen.