Ihre Uralt-Wohnung wird saniert
Luzernerin (82) zahlt 1700 Franken für Reinigung – für nix

Lina Habegger (82) aus Luzern muss nach 47 Jahren ihr Zuhause räumen. Die Rentnerin verpflichtet ein Putzinstitut für stolze 1700 Franken. Doch die teure Putzerei war unnötig. Denn Handwerker machen bald wieder Dreck.
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Lina Habegger muss ihre Wohnung am Grimselweg in Luzern verlassen – nach 47 Jahren.
Foto: PD

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • 82-jährige Lina Habegger musste ihre Wohnung in Luzern nach 47 Jahren verlassen
  • 1700 Franken für Reinigung vor Totalrenovation trotz angeblicher Zwischenvermietung bezahlt
  • Nach Sanierung steigen Mietpreise auf 1050 bis 1200 Franken monatlich
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Patrik BergerRedaktor Wirtschaft

Lina Habegger* (82) hat happige Zeiten hinter sich. Die Rentnerin hat Ende April schweren Herzens ihre geliebte Wohnung am Grimselweg in Luzern geräumt. Die Gemeinnützige Stiftung für preisgünstigen Wohnraum Luzern (GSW) will die Liegenschaft totalsanieren. 77 meist langjährige Mieterinnen und Mieter wurden deshalb im Mai 2024 informiert, dass sie ihr Zuhause verlassen müssen.

Eine grosse Belastung für die Rentnerin. Sie hat 47 Jahre in ihrer Wohnung gelebt. «Es war schwer für sie, dass sie nach so vielen Jahren ausziehen musste», sagt Sandra Zurfluh* (47) zu Blick. Sie unterstützte ihre Tante bei der Wohnungssuche und erlebte hautnah mit, wie ihr das alles zusetzte. «Das war beschwerlich. Fast zwei Jahre haben wir nach einer bezahlbaren Wohnung gesucht», sagt sie. Denn: «Alterswohnungen sind in der Stadt Luzern sehr rar.»

1700 Franken fürs Putzinstitut

Der Umzug war für Lina Habegger nicht nur beschwerlich. Er kam sie auch richtig teuer zu stehen. Denn sie musste die Wohnung gereinigt abgeben – obwohl ab dem 1. Oktober die Handwerker wieder zünftig Dreck machen, wenn die Liegenschaft totalsaniert wird. «Ich habe mich sehr geärgert, als ich von meiner Tante informiert wurde, dass sie ihre Wohnung gereinigt abgeben muss», erinnert sich Nichte Sandra Zurfluh.

Vor dem Umzug habe sie ihr geraten, nochmals mit der GSW Kontakt aufzunehmen wegen der Reinigung. «Sie haben ihr gesagt, sie müsse die Wohnung gereinigt abgeben, da sie die Wohnung bis Ende September nochmals vermieten.» Habegger engagiert ein Putzinstitut. Dieses bringt die Wohnung für 1700 Franken auf Vordermann. Viel Geld für die 82-Jährige.

Was Zurfluh besonders ärgert: Die Apartments werden zwischenvermietet. «Die Wohnung hat 50-jährige Teppiche drin, die nicht mehr appetitlich aussehen. Und die Wände sind auch nicht mehr weiss.» Sie könne sich nicht vorstellen, dass eine solche Wohnung noch einmal vermietet werde. Und doch wurde bei der Wohnungsübergabe am 30. April «jede Ecke und jede Kante» kontrolliert, wie es Zurfluh nennt. «Es ist eine Frechheit, wie die GSW mit alten Menschen umgeht!»

GSW spricht von einem «Missverständnis»

Was ist da los? Blick fragt bei der Genossenschaft nach. GSW-Geschäftsführer Pius Adler spricht von einem «Missverständnis». «Die Wohnungen müssen grundsätzlich in einem besenreinen Zustand abgegeben werden. Eine professionelle Reinigung wurde nicht verlangt», sagt er zu Blick. Und macht Lina Habegger ein Angebot: «Wir sind bereit, die entsprechenden Reinigungskosten zu übernehmen.»

Er führt weiter aus: «Zwischennutzungen wurden vereinzelt und dort umgesetzt, wo es sinnvoll ist und der Zustand der jeweiligen Wohnung dies zulässt», sagt Adler. Heute kosten die 1,5- bis 2,5-Zimmer-Wohnungen zwischen 790 und 1000 Franken im Monat – ohne Nebenkosten. Nach der Sanierung sind 1050 bis 1200 Franken fällig.

* Namen geändert. 

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